Autor Thema: Krieg in Afghanistan  (Gelesen 200435 mal)

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #390 am: 28.09.09 (17:13) »
Es ist nun fast auf den Tag genau zwei Jahre her, da wurde hier in einem Kommentar der Einsatz in Afghanistan als "lächerliche Polizeiaktion" abgestempelt.

Tja, der Strudel der Geschichte wird derzeit mal wieder schneller und schneller, ...

Inzwischen hat die Truppenstärke der NATO-Truppen in Afghanistan die 100.000-Mann-Marke überschritten. Und ein Ende der immer schnelleren Truppenaufstockung ist nicht abzusehen. Erst vor wenigen Tagen warnte der US-General und derzeitige ISAF-Kommandeur McCrystal vor einer Niederlage in diesem Krieg, wenn nicht bald mehr Truppen ins Land kommen.

Heute legt der britische Kommandeur in Afghanistan nach:

Zitat
Der britische Top-General in Afghanistan, Jim Dutton, unterstützt die Forderung des US-Oberkommandierenden Stanley McChrystal nach einer Aufstockung der internationalen Truppen am Hindukusch. Wenn dort langfristig Stabilität erreicht werden solle, genüge es nicht, den Luftraum zu überwachen, sagte Dutton der Zeitung "The Times". Er unterstütze das Ansinnen McChrystals, die Truppen aufzustocken, um die radikalislamischen Taliban zurückzudrängen, sagte der stellvertretende Kommandierende der NATO-Truppe ISAF weiter.

Günstig wäre ein Verhältnis von einem Soldaten auf 50 Zivilisten im Land. Dies würde dem Bericht zufolge bedeuten, dass 560.000 einheimische und ausländische Soldaten eingesetzt werden müssten. Derzeit sind es insgesamt rund 274.000 Mann. McChrystal hatte kürzlich gewarnt, der Kampf gegen die Aufständischen in Afghanistan könnte verloren gehen, sollten nicht mehr Soldaten bereitgestellt werden. Großbritannien stellt nach den USA das größte Kontingent der internationalen Truppen in Afghanistan.

Jan-Hendrik

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #391 am: 28.09.09 (17:42) »
Das deutlichste Zeichen, das dieser Krieg schon verloren ist sind doch sog. "einheimischen Soldaten", deren Zuverlässigkeit im Bereich Null tendiert...ne klarere Absage an die Besatzer kanns doch kaum geben ;)

Jan-Hendrik

Nomen Nescio

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #392 am: 28.09.09 (19:11) »
Das deutlichste Zeichen, das dieser Krieg schon verloren ist sind doch sog. "einheimischen Soldaten", deren Zuverlässigkeit im Bereich Null tendiert...ne klarere Absage an die Besatzer kanns doch kaum geben
Es ist, ob ich Vietnam wieder erlebe.

Jan-Hendrik

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #393 am: 28.09.09 (19:25) »
Manche lernen hat aus ihren Fehlern nie...

Jan-Hendrik

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #394 am: 28.09.09 (19:27) »
So langsam kommen die sowjetischen "Afghanistan-Rekorde" ins Wanken. Die Truppenzahl hat man fast erreicht, oder ist zumindest auf einem guten Weg und die Zeit des Krieges dürfte wohl auch überflügelt werden, ...

Nomen Nescio

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #395 am: 28.09.09 (20:14) »
Ach, wir haben es doch gesagt "Es lebe Bush". Noch immer behauptet er, daß er damals Recht hatte.

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #396 am: 03.10.09 (16:00) »
Im September 2009 lag die Zahl der in Afghanistan ums Leben gekommenen NATO-Soldaten zum dritten Mal in Folge bei über 70.

Damit sind allein in den Monaten Juli, August und September 2009 224 tote NATO-Soldaten zu beklagen. Welch rasanten Anstieg die Opferzahlen nehmen zeigt, daß für die kompletten Jahre 2001 bis 2004 197 Soldaten ums Leben gekommen waren.

Aber wie sagte doch vor wenigen Tagen Präsident Obama lakonisch, mehr Soldaten im Einsatz bringen halt mehr Verluste mit sich, ...

Seit Kriegsbeginn hat die Zahl der Toten auf NATO-Seiten nunmehr die 1.500 erreicht.


waldi44

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #397 am: 04.10.09 (00:06) »
Manche lernen hat aus ihren Fehlern nie...

Jan-Hendrik

Die Frag ist aber: Welches sind die Lehren?
Hätte man den Talibanstaat in Ruhe lassen sollen? Ging von ihm tatsächlich eine Weltbedrohung aus? Vietnam wir oft zitiert, aber hat der Verlauf der Geschichte nicht gezeigt, dass der Kommunismus ein Menschheitverbrechen ist und die Vietkong eben überwiegend Kommunisten waren. Der Kommunismus hat weltweit zumindest eine Schlappe erlitten. Vietnam und China haben das erkannt und sind dabei sich anzupassen. Die Taliban hatten diese Chance nicht, ein Pol Pot allerdings schon und wir wissen, wie das endete.
WAS also ist die Lehre, die man hätte ziehen sollen oder noch ziehen soll?
Ach Gott, wie sicher war doch der "Kalte Krieg".

Jan-Hendrik

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #398 am: 04.10.09 (07:05) »
Zitat
Hätte man den Talibanstaat in Ruhe lassen sollen?

Ja, warum soll man sich in fremde Bürgerkreige einmischen? Bisher ist da noch nie was Gescheites bei rausgekommen...

Zitat
Ging von ihm tatsächlich eine Weltbedrohung aus?

So ungefähr in der Größenordnung wie von Burkina-Faso....

Zitat
Vietnam wir oft zitiert, aber hat der Verlauf der Geschichte nicht gezeigt, dass der Kommunismus ein Menschheitverbrechen ist und die Vietkong eben überwiegend Kommunisten waren.

War es den Tod von Millionen Menschen wert das durch und durch korrupte Regime von Südvietnam über ein Jahrzehnt mit allen Mittlen zu fördern?

Zitat
WAS also ist die Lehre, die man hätte ziehen sollen oder noch ziehen soll?

Das jedes Land das Recht haben sollte seinen eigenen Weg zu finden, seine eigenen Fehler zu machen?

Das nennt sich nämlich Evolution...und unser eigener Weg ist nun auch nicht grade das erstebenswerte Nonplusultra der geschichtlichen Entwicklung...

Jan-Hendrik

 



Hero-Dude

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #399 am: 04.10.09 (10:24) »
Naja, das Prinzip "Hau drauf und hau ab!", funktioniert hier nicht. Die Taliban sind ja nicht mit den Kommunisten, oder so zu vergleichen. Wir haben hier radikale Muslime, tja, und die haben Zeit, auch wenn das über 100 Jahre dauern sollte. In den Vorstellungen der Amerikaner dauert ein Krieg eine absehbare Zeit von Ursprünglich vielleicht 5 Jahren und dann wäre das Thema durch,..... ist es aber nicht..... die Taliban haben Zeit, sehr viel Zeit.

Irgendwo hab ich bei N24 ein gutes Interview mit P. Scholl-Latour gelesen. War echt klasse. Ging um die Wahlen, die Demokratie und so. Echt ernüchternd.

Ich glaube, man müßte die Frauen in das Geschehen von diesem Land stark einbeziehen und sie vielleicht militarisieren, damit sie den Männern ordentlich in den Arsch treten. Frauen sind schließlich überall und können die männlichen Taliban unterwandern, denn ich glaub nicht, das die sich mit der weiblichen Stellung in dem Gottesstaat arrangieren und gut aufgehoben fühlen. Somit könnten sie einen Art "Gegenterrorismus" bilden. :)


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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #400 am: 07.10.09 (14:35) »
Das Spiel der Zahlen geht weiter, ...

Nachdem vor wenigen Wochen zum ersten Mal die Zahl der Todesopfer auf Seiten der Koalition innerhalb eines Jahres die 300 überschritten hat, hat sie jetzt schon die 400 erreicht. Und bis Ende des Jahres werden noch rund 3 Monate folgen.

Und die Kriegskosten allein der USA für Afghanistan seit dem 11. September 2001 wird bald Grenze von 300 Milliarden Dollar überschreiten. Allein dies ist eine enorme Zahl, zumindest wenn man bedenkt, was man damit erreicht hat.

Nomen Nescio

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #401 am: 09.10.09 (14:07) »
In Vietnam war die Lösung auch immer mehr Soldaten fragen und schicken.

GR162

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #402 am: 09.10.09 (14:30) »
Das Problem ist doch das der Krieg von Anfang an verloren war. Hat denn niemand was aus Vietnam und den Russen in Afghanistan gelernt ?

Einen Guerilla Krieg kann man niemals als Besatzungsmacht gewinnen. Es gibt keine Lösungsansätze ausser mehr Truppen zu schicken.

Das aufbauen der Landeseigenen Polizei und Militärkräfte wurde gnadenlos vernachlässigt so das es absehrbar überhaupt keine Möglichkeit gibt sich aus dem Land zurückzuziehen ohne es gleich den Taliban wieder zu übergeben.

Wir können nicht einfach wieder abhauen weil die Menschen und finanziellen Opfer dann völlig vergebens gewesen wären und weil wir dan den Taliban das Feld wieder überlassen.

Wir können aber auch nicht so weitermachen wie bisher da es Ergebnislos war unterm Strich.

Tja was haben wir da überhaupt zu suchen ? Ich bin zwigespalten was Afghanistan betrifft. Die Quelle des uns bedrohenden Terrorismus auszumerzen war nie für mich ein plausibler Grund. Das einzig sinnvolle war es einem unterdrückten Volk die Freiheit wieder zu geben. Aber geht es den Menschen nun wirklich besser als vorher ? Was ist eine von Fremden erzwungene Freiheit wert wenn man sie sich nicht selber erkämpft bzw. sie selber erworben hat ?

Der Einsatz in Jugoslwien war und ist meiner Meinung nach richtig,da man dem Massenmord vor der eigenen Haustür nicht tatenlos zusehen darf.Die Welt hat schon einmal viel zu lange zugesehen als ein Völkermord begangen wurde bevor man einschritt.

Ich hab leider auch keine Lösung. Ich frage mich nur wenn wir wirklich abziehen wie man den Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten erklären will wofür sie ihr Leben gelassen haben ?

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und vieleicht wird in vielen Jahren doch noch alles gut und das Land kann sich selbst gegen die Taliban behaupten.

GRuss Sascha

waldi44

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #403 am: 10.10.09 (10:58) »
Das Problem ist doch das der Krieg von Anfang an verloren war.
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und vieleicht wird in vielen Jahren doch noch alles gut und das Land kann sich selbst gegen die Taliban behaupten.

GRuss Sascha

Zum ersten Satz: Das hat man schon von vielen Kriegen gesagt, vor allem hinterher. Warner davor waren in der Minderheit und die berühmten "Rufer in der Wüste".
Zum zweiten Satz: Nach den letzte ober besser gesagt ersten Wahlen in Afghanistan wage ich das zu bezweifeln.

GR162

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Re:Krieg in Afghanistan
« Antwort #404 am: 10.10.09 (11:40) »
Naja die Wahlen waren ein Witz,wobei man in solchen Ländern auch nicht unbedingt westliche Masstäbe ansetzen kann.

wenn ich dran denke was damals bei den Ami Wahlen zum Präsidenten alles schief gelaufen ist mit ihren Stimmzetteln und falsch gezählten Wahlkarten sind manceh westlichen Systeme auch nicht grade das gelbe vom Ei. Ausserdem lebt die Präsidentschaft in Amiland auch von finanzkräftigen Interessengruppen die den Wahlkampf finanzieren. Natürlich vollkommen uneigennützig  ::)

Das Regime Karsai ist von westlichen Gnaden und das ausgewählte kleinere Übel. Wir werden sehen was die Zeit bringt. Wir haben die Musik bestellt und müssen sie zahlen,nicht nur mit Geld sondern auch mit Blut unserer Soldaten.

traurig genug das immer noch kein gescheites Konzept vorliegt wie man nachhaltigen Frieden,Demokratie und den Truppenabzug vollziehen kann.

Gruss Sascha

 

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