Autor Thema: Welche Waffen-SS Einheit?  (Gelesen 8893 mal)

widdy

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Welche Waffen-SS Einheit?
« am: 07.01.06 (22:52) »
Hallo,

welche Einheit der Waffen-SS war Mitte April 1945 im mittelfränkischen Raum.
Es geht um die Kleinstadt "Merkendorf". Merkendorf liegt 70 km südwestlich von Nürnberg. Vom 18 - 20. April verteidigten hier Einheiten der Waffen-SS die Stadt gegen vorrückenden Einheiten der U.S. Der Kampf war sehr hart mehrere Gebäute brannten vollständig ab, 12 Tote unter der Zivilbevölkerung, 70 amerk. Soldaten und 14 Männer der Waffen-SS.
Die deut. Toten wurden auf dem Friedhof begraben. Die Daten der Zivilpersonen wurden sofort in das Kirchenbuch eingetragen. Die toten Soldaten aber erst 1949.
Welche Einheit könnte hier gekämpft haben? Ein Soldat war Lette.(Auskunft vom Volksbund)
Warum wurden die Daten der Soldaten erst 1949 eingetragen? (Der Kirchendiener lebt leider nicht mehr.) Die Toten wurden später "?" auf dem Nürnberger Südfriedhof um gebettet.

Vielleicht haben wir ein paar "Franken" im Forum die näheres wissen.

Danke
Widdy

Ronny22

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Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #1 am: 08.01.06 (02:23) »
Also zum Raum Mittelfranken hab ich folgendes gefunden: (Weiß ja nicht wie nahe das bei Merkendorf liegt....)

25. Waffen-Gren.-Div der SS "Hunyadi" (ung. Nr. 1)

...Infolge des sowj. Vor­marsches auf Schlesien war es aber notwendig, diese Division Anfang Februar 1945 aus dem gefährdeten Raum wieder zu verlegen....

...Unter starker Lufttätigkeit marschierte die Division nach Mittelfranken hinein, wo das Div.-Kommando in Hilpoltstein lag. (Raum südlich von Nürnberg.) Beim Näher­rücken der amerikanischen Streitkräfte zog sich die Division im Fußmarsch nach Süden zurück und kapitulierte im Raum Attersee/österreich gegenüber den Amerikanern (5. Mai 1945). Kommandeur der Division war bis Kriegsende zunächst als Bri­gadeführer und Generalmajor der Waffen-SS, zuletzt als Waffen-Generalleutnant der SS Joseph vitéz Grassy



23.4.1945  Gefecht um Alfershausen zwischen Amerikanern und deutscher Waffen-SS

Zu den Kämpfen um Alfershausen im einzelnen:

Aus der Geschichte der 14. US-Panzerdivision:

"Nachdem die Truppen zunächst im Raum Eysölden-Pyras in ein Minenfeld gerieten und auf steifen Widerstand stießen, blieben die Panzer und die Infanterie zunächst für die Nacht in diesen Orten. Am nächsten Tag wurde der Vorstoß wieder aufgenommen, C-Trupp ging mit der 62. Infantery vor und A. Trupp mit dem 47. Panzerbataillon und die Aufklärer liefen in schweren Widerstand in Alfershausen. Später heißt es: Die 1. Kompanie beseitigte ebenfalls Minenfelder und beseitigte eine Straßensperre in der Nähe von Alfershausen; ..." (9)

Auf deutscher Seite verteidigte in diesem Raum die 17. SS-Panzergrendierdivision "Götz von Berlichingen"
Nürnberg war gefallen. Die 14. US-PD stieß mit zwei Stoßkeilen nach Süden vor, ..
Die vordere Linie der Division am 23.4. schob sich wie ein Wellenbrecher in den Angriffsraum des Gegners vor über Stauf-Eichelberg-usw.. Der Div.Befehl Nr. 216a (10) vom 24.4.45 03:00 Uhr besagt:

...

17. SS-Pz.Gr.Div. "G.v.B" geht in der Nacht vom 23./24.4. hinter die Altmühl zurück und richtet sich hier stützpunktartig zur Verteidigung ein.
Grenze rechts zu 416.I.D.: Hemau einschl. - Walddorf ausschl. - Kelheim ausschl.
Grenze links zu XIII. SS-AK (362. I.D. Alfershausen (einschl.) (11) - Altdorf (ausschl.) - Walting (ausschl.) - Ingolstadt (einschl.).




Die Gliederung zeigt, dass in Alfershausen das 37. PzGrenRgt und II.PzAbt "Hermann Göring" und Batallion "Kleppmeier" zum Einsatz kamen. Im Laufe der Kämpfe um Alfershausen fielen 15 SS-Soldaten, die auf dem Friedhof in Alfershausen nach den Kämpfen bestattet wurden. Beim Bahnhof wurden 2 von 3 dort eingesetzten Kampfpanzern "Panther" durch US-Truppen abgeschossen und brandten aus [/i]


Ich denke die SS-Männer über du was wissen willst gehörten zur 17. SS-Panzergrendierdivision "Götz von Berlichingen", die Ungarn waren zu dem Zeitpunkt sicher kaum auf Divisionsstärke und ob sie noch aktiv an Kämpfen teilgenommen haben weiß ich auch nicht wirklich.


Und noch was:

Das XIII.SS-Armeekorps war der 1. Armee bis Kriegsende unterstellt und kämpfte im Raum Lothringen gegen starke US-Verbände. Ab Mitte Dezember 1944 verteidigte man den Westwall. Nachdem der Gegner über die Mosel in den rücken des XIII. Armeekorps stieß, zog man sich ins Saarland und in die Rheinpfalz zurück und lieferte dort harte Verteidigungskämpfe. Infolge der Einkesselungsgefahr zog man sich an den Rhein bei Germersheim zurück und begann die Truppen überzusetzen und die Rheinbrücken zu zerstören.
Bereits am 1. April 1945 kämpfte  das Armeekorps zwischen Main und Jagst gegen die 4. US-Panzerdivision. Mitte April kam es zu schweren Kämpfen um die Tauber-Aisch-Linie sowie um Würzburg und Nürnberg. Crailsheim konnte längere zeit gehalten werden und die verlorene Stadt Neumarkt konnte zurückerobert werden. Dennoch zog man sich in den Süden zurück und kämpfte an der Donau und um München.



unterstellte Divisionen des XIII. SS-Armeekorps:

1. März 1945

- 19. Volks-Grenadier-Division
- 17. SS-Panzer-Grenadier-Division "Götz von Berlichingen"

30. April 1945

- Panzerkampfgruppe Hobe
- 2. Gebirgs-Division
- 38. SS-Panzergrenadier-Division "Nibelungen"
- 212. Volks-Grenadier-Division
- 352. Volks-Grenadier-Division

« Letzte Änderung: 08.01.06 (03:15) von Ronny22 »
Die Weltgeschichte ist auch die Summe dessen, was vermeidbar gewesen wäre.
Bertrand Russell

Ein guter Soldat ist nicht gewalttätig.
Ein guter Kämpfer ist nicht zornig.
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Shaolin-Weisheit

widdy

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Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #2 am: 08.01.06 (09:04) »
@Ronny22

Hallo Ronny22,

erstmal Danke für die Arbeit.

Soldaten der 17. SS-Panzer-Grenadier-Division "Götz von Berlichingen" waren das also. Aber was macht ein (vielleicht auch mehrere) Lette(n) dort? Die anderen 13 kamen aus Deutschland direkt aus dem Reichsgebiet.

Gruß Widdy

Ronny22

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Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #3 am: 08.01.06 (12:12) »
@Ronny22

Hallo Ronny22,

erstmal Danke für die Arbeit.

Soldaten der 17. SS-Panzer-Grenadier-Division "Götz von Berlichingen" waren das also. Aber was macht ein (vielleicht auch mehrere) Lette(n) dort? Die anderen 13 kamen aus Deutschland direkt aus dem Reichsgebiet.

Gruß Widdy

Hallo Widdy, also das es auf Garantie Männer der "GvB" waren kann ich nicht sagen, nur das diese Division in dem Raum aktiv war.  :-\

Der Lette könnte ein Versprengter sein, es gab ja in Deutschland noch lettische SS-Einheiten, habe leider gerade mein Buch zu den Letten nicht bei der Hand. Dann könnte ich genauer sagen welche lettischen Einheiten da in Frage kommen könnten.

Es kann auch zig andere Erklärungen dafür geben, vielleicht kam er auch von einer Junkerschule und wurde sozusagen im Vorbeimarsch eingesackt. Also das er sich in Deutschland auf einem Unterführer- oder Führer-Lehrgang befand und im Untergangs-Chaos dann nicht mehr zu seiner Einheit zurückkam sondern zur nächstbesten SS-Einheit kam.

Am besten besorgst du Dir folgendes Buch wenn du mehr über die Kämpfe erfahren willst:



Endkampf zwischen Mosel und Inn. Das XIII. SS-Armeekorps von Spiwoks & Stöber ISBN: 3920677374
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widdy

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Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #4 am: 30.01.06 (23:41) »
Hallo,

damit hier niemand DUMM sterben muß. ;) ;)
Es handelte sich hier um das SS-Einsatz Btl. Dettingen.
Wer hat Info's über diese Einheit??
Was tat der (die)Lette(n) in dieser Einheit?

Gruß
Widdy 

Balsi

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Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #5 am: 31.01.06 (12:08) »
meinste nicht eher das (SS) Einsatz-Bataillon Deggingen?

widdy

  • Gast
Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #6 am: 31.01.06 (21:47) »
@balsi,

Eure Hochwohlgeboren, ;)

verzeiht mir.

Natürlich müßte es:"Einsatz-Bataillon Deggingen" heißen.

Danke das Ihr mich beachtet haben.

 :-* :-*



KGR Wahl

  • Gast
Re: Welche Waffen-SS Einheit?
« Antwort #7 am: 14.07.06 (15:35) »
Die um Merkendorf Gefallenen waren allesamt Angehörige der Waffen-SS, ein Grossteil davon Angehörige des Btl. "Deggingen" und dem Kommando des Hstuf. Sommer unterstellt ,der auch selbst bei den dortigen Kämpfen gefallen ist.

Der Kampf um Merkendorf fand am 18. und 19.04.1945 statt mit dem Ergebniss,dass zunächst 3 am 19.4. am unteren Tor Gefallene bestattet wurden.Diese Toten hatten keine Erlkennungsmarken,waren also nach dem Tode ausgeraubt worden.

Ein Soldbuch war nur bei deinem der soldaten vorhanden.

Am 20.4. wurde weitere 11 Tote auf dem Friedhof bestattet,die wurden mit 2 einheimischen Frauen,die bei den Kämpfen umkamen, bestattet auch hier fehlten teilweise persönliche Gegenstände und teilweise auch die soldbücher,die eine Identivizierung unmöglich machten.

Die vor der Bestattung noch vorhandenen persönlichen Unterlagen,die man barg,wurden beim Btl. Spiess aufbewahrt,jedoch flog der Wagen mit diesen Unterlagen durch Volltreffer bei Schrobenhausen in die Luft.

Demzufolge ist auch sehr wenig über diese Einehit bekannt.

Ein Einwohner  berichtet persönlich (Orginalzitat):

"Meine Frau und meine Schwägerin haben erlebt,dass unter einer Eiche auf dem Sportplatz (Merkendorf) ein verwundeter
deutscher Sioldat der Waffen-SS von Amerikanern mit dem Gewehrkolben erschlagen worden ist ( Kopf zertrümmert)

Auf eine entsprechende Broschüre "Krieg in der Heimat" Febr. 1952 von August Schuler


Stellenbesetzung der Kampfgruppe "Deggingen"

Kommandeur: W. Baumgärtel

OO Offizier: Ostuf. Schulz
 
1. Kp. Hsutf. Sommer,gefallen am 19.4.45 in Merkendorf

2. Kp. Ostuf. Kai

Bei mehr Wissensdurst bitte melden. ;)



 

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