Autor Thema: "Ihr Leben in unserer Hand" - die Jüdische Brigade im 2. Wk  (Gelesen 3790 mal)

Hoover

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Howard Blum
"Ihr Leben in unserer Hand"
ISBN3-430-11565-5

Der Autor schildert in diesem Buch anhand von vielen Zeugenaussagen und Aktenlage den Einsatz der Jüdischen Brigade im 2. Wk.
Da die Brigade nur in den letzten 2 Monaten in Italien eingesetzt wurde ist die Beschreibung der Einsätze eher Nebensache. Ein Großteil des Textes schildert die Wege, wie die Soldaten hur Brigade kamen.


Was mich aber entsetzt hat ist die zweite Hälfte des Buches. In sehr offener Art wird ein eher unterschlagenes Kapitel der unmittelbaren Nachkriegszeit geschildert:
Der Einsatz der "Huliya", den Mordkommandos der Jüdischen Brigade.

Schon wenige Tage nach Kriegsende machten sich Teile der Brigade daran, in Europa nach den Tätern und Helfern des Holokaust zu suchen. Es reichten den Mordtrupps dazu bloße Verdächtigungen und Denunziationen von Personen, die ihr eigenes Leben retten wollten.
Es wurden dabei keine Verhandlungen  abgehalten, die betreffende Person wurde einfach mit den Worten: "Im Namen des jüdischen Volkes verurteile ich Sie zum Tode!" per Kopfschuss hingerichtet. Teilweise noch beim Öffnen der Türe. Sicher wurden dabei auch Täter getötet, aber anzunehmen ist auch, dass Unschuldige oder Mitläufer durch diese Kommandos zu Tode kamen. Der Autor beschreibt aus jüdischer Sicht diese Kommandos, erwöhnt aber auch die Gewissensbisse, die die Kommdoangehörigen dabei hatten.
"Auge um Auge" war das Motto, oftmals einfache Rache das Motiv. Die Kommandos waren dabei Ankläger, Richter und Vollstrecker zugleich.
Erwähnt werden auch Pläne, die Wasserversorgungen deutscher Großstädte (speziell Hamburg, München und Nürnberg) zu Vergiften, um für die damalige Zahl von 6 Mio jüdischen Opfern mit 6 Mio deutschen Opfern "zu vergelten". Das Gift sollte aus Palästina über die Versorgungslieferungen der jüdischen Brigade ankommen. Ausgeführt der Plan nicht. Man hatte Angst, moralisch in Verruf zu kommen...

Die Juden arbeiteten dabei eigentlich im Auftrag des britischen Geheimdienstes und sollten die Täter an die Briten übergeben, aber nur "kleine Fische" wurden ausgehändigt. Die "Großen Fische" wurden selbst "behandlet".


Im letzten Teil des Buches wird beschrieben, wie die Jüdische Brigade Flüchtlinge unter Ausnutzung ihrer Logistik nach Palästina verbringt. Um die Fahrzeuge und die nahrungsmittel zu organisieren wurde von den Soldaten der Brigade ein neue Militäreinheit erfunden und mit gefälschten Papieren ausgestattet. Diese Episode beschreibt die Erfindungsgabe der teilweise hochgebildeten Angehörigen. Zum Beispiel hatte die Einheit den angeblichen Befehl, deutsche Kriegsgefangene in einen itialineischen Hafen zu bringen, in Wirklichkeit wurden auf diesem Wege tausende von jüdischen Flüchtlingen auf Schiffe gebracht, die dann illegal nach Palästina fuhren.

Ein interessantes Buch, welches von Rache, aber auch dem Wunsch erzählt, einen sicheren eigenen Staat zu gründen.
« Letzte Änderung: 09.01.06 (10:59) von Hoover »

Erichx

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Ähnliche Bücher die ich gelesen habe.

Kommando der Verfolgten / Peter Masters
Nakam, Jüdische Rache an NS-Tätern / J. G. Tobias
Zum Kampf auf Leben und Tod ! / Arno Lustiger

Über die jüdischen Rächer gab's mal 2 Reportagen. Habe sie auf Video. Sehr interessant. Auge um Auge ;)
« Letzte Änderung: 09.01.06 (11:54) von Erichx »

Ronny22

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In einer TV-Doku kam aber dass das mit der Vergiftung nicht geklappt hatte weil die Briten davon Wind bekommen hatte. Und der Brigade auf den Fersen waren und die das Gift über Bord werfen mussten...
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Field Marshal Sam Maneksha

Hoover

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Zitat
Kommando der Verfolgten / Peter Masters

Habe ich auch, sehr gut. Vor allem ist bemerkenswert, dass die Kommandos (auch die jüdischen des Troop 3) sehr viel unverkrampfter mit den deutschen Gegnern umgingen, obwohl diese fast alle Flüchtlinge aus Deutschland waren, während die Angehörigen der Jüdischen Brigade hauptsächlich aus Palästina waren.

merlin61

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In einer Sendung - keine Ahnung wie diese genau hies - wurde ebenfalls eine solche "Einheit" angesprochen, wo einer in einer
Bäckerei(= Lieferant für ein Lager) arbeitete, um möglichst viele der internierten SS-Soldaten mit vergiftetem Brot zu töten.
Das die Alliierten nicht das selbe Brot aßen stand bereits im Vorfeld fest, da diese stets Weißbrot(=Sandwiches) bevorzugten.
Eine zweistellige Anzahl ist auf diese Weise auch gestorben - viele daran auch länger erkrankt. Genauer untersucht wurde es nicht.


In dieser Sendung wurde auch von der Vergiftung von Trinkwasser (u.a. München) angesprochen - was aber nicht ausgeführt wurde / konnte.
Die Planung selbst war aber bis ins Detail schon so weit abgeschlossen, dass es nur noch an einer entsprechende Menge an Gift gemangelt hat.

Dabei dürfte es sich um den Fall gehandelt haben, den Ronny22 mit dem "die Briten haben Wind davon bekommmen" angesprochen hat.
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bani

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Die Doku hab ich auch gesehen.
Da sind einige der vergifteten Soldaten jämmerlich krepiert ...
Ich glaube, die haben die Brote mit Arsen eingestrichen.

Erichx

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Im KGL gab's keine Toten. Steht im "Nakam - Jüdische Rache.....". Und so wurde es auch in den 2 Reportagen dargestellt. (Zum Glück habe ich meine Datenbank)
Israels geheime Nazi-Jagd / Center TV / RTL / 07.05.2000 /
Die Rächer / Spiegel TV Reportage / Sat 1 /

merlin61

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Zitat
Im KGL gab's keine Toten. Steht im "Nakam - Jüdische Rache.....". Und so wurde es auch in den 2 Reportagen dargestellt. (Zum Glück habe ich meine Datenbank)[...]
In der Reportage die ich gesehen habe, wurde über Erkrankte UND einer zweistelliger Totenzahl durch "vergiftetes Brot" gesprochen.

Bei dem Lager handelte es sich meiner Erinnerung nach auch um ein ehemaliges KL und kein extra dafür errichtetes KGL für die SS.
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Ronny22

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Bei dem Lager handelte es sich meiner Erinnerung nach auch um ein ehemaliges KL und kein extra dafür errichtetes KGL für die SS.

Ich meine es war das Lager Dachau...
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merlin61

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Jetzt wo du(=Ronny22) es schreibst, glaube ich mich auch an Dachau zu erinnern.
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