Autor Thema: Personenrecherche allgemein (bitte vorher lesen)  (Gelesen 11061 mal)

Offline Niwre

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Weil hier oft die Frage nach der Geschichte der Grossvaeter auftaucht, mal eine kleine Zusammenfassung, wie man vorgehen koennte.

Wenn ihr keine Informationen ueber Einheit etc. habt, ist es moeglich, eine Anfrage bei der WASt, dem Bundesarchiv - MA in Freiburg2 oder dem Bundesarchiv in Berlin1 (bei Waffen-SS zu bevorzugen) zu stellen. Diese Bearbeitung ist nicht kostenfrei und dauert iA. ca. ein halbes Jahr.

Solltet ihr dann ueber die noetigen Informationen verfuegen, koennt ihr hier Eure Fragen loswerden. Im Netz gibt es auch Listen von Divisionsgeschichten und Traditionsverbaenden. Diese Listen sind unvollstaendig, es kann sich also lohnen, nochmal hier nachzufragen :).

Einen groben Ueberblick koennt Ihr auf folgenden Seiten erhalten:
Axis History Factbook
Lexikon der Wehrmacht

oder in der bekannten Literatur:
Georg Tessin: Deutsche Verbaende und Truppen, 1918-1939, Biblio-Verlag.
Walter Held: Verbaende und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg : eine Bibliographie der deutschen Nachkriegsliteratur, Biblio-Verlag.

Meistens gibt es speziellere Seiten, die Ihr ueber Eure favorisierte Suchmaschine finden koennt.

Weitere Hilfe koennt Ihr, je nachdem, erhalten bei:

Verbleib:
DRK Suchdienst
ISKATEL Deutschland
Liga für Russisch Deutsche Freundschaft
Volksbund - Graebersuche
Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißtenangehörigen Deutschlands e.V.
Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa e.V.
Verein zur Bergung vermisster Soldaten in Bessarabien e.V. (Vereinsarbeit ruht)
Verein zur Klärung von Schicksalen Vermisster & Gefallener e.V.
Kirchlicher Suchdienst


Bund der Vertriebenen
- Archiv -
Godesberger Allee 72-74
53175 Bonn

Tel.: (0228) 810 07-0
Fax.: (0228) 810 07-38

Evtl. hilft auch eine Annonce im Freiwilligen (Waffen-SS):

MUNIN-Verlag (Der Freiwillige)
Postfach 1047
54421 Reinsfeld

Tel.: (06588) 988 050
Fax: (06588) 988 051

Krankenakten: Anfragen nicht mehr moeglich.
Landesamt für Gesundheit und Soziales
Abteilung IV Versorgungsamt Krankenbuchlager
Wattstraße 11-13
13355 Berlin

Tel.: (030) 463 020
Fax.: (030) 463 021 89
Krankenbuchlager (www)

Kriegsgefangenenakten (Sowjetunion):
Eine Organisation in Moskau, die Zugriff auf Militaerarchive hat:

Wojennyje  Memorialy
Komsomolskij Prospekt 22/2
RUS-119021 r. Moskva a/Я 565
Russia

Tel 007-095-296-00-28
Fax 007-095-247-53-66 bzw. 007-095-296-85-29
stiks@mail.sitek.ru

Hierbei handelt es sich um ein staatl. Archiv, dass ebenfalls Auskunft geben kann und evtl. billiger als obige Agentur ist:

Rossijski  Gosudartstwenny Wojenny Archiw
125 212 Moskau
ul. Admirala Makarowa, 29

Tel./Fax: 007-095-159-8091
Fax: 007-095-159-8504

Das Panoramamuseum ist nach eigener Auskunft Anlaufstelle fuer alle auf damals russischem Territorium befindlichen Arbeits-, Straf- und Kriegsgefangenenlager. Briefverkehr kann in dt. erfolgen. Antwort ist kostenlos, sollte aber mit einer Spende verbunden werden.

Panorama-Museum
Direktion
RU-400053, Wolgograd
Tschujkowa-Strasse 47
Russia/Rossiskaja Federazija
Telefon: 007 (84 42) 34 72-72
Telefax: 007 (84 42) 34 72-41 oder 34 92-82

Angeblich sind auch Unterlagen unter folgender Adresse zu erhalten:

Aufbewahrungszentrum historisch-dokumentarischer Sammlungen
RU-125202 Moskau
Wuiborgskaja Strasse 3
Russia/Rossiskaja Federazija

Oder auch bei der Liga für Russisch Deutsche Freundschaft. Hierzu hat Hannes einen Erfahrungsbericht geschrieben.

weitere Fragen:
Militaergeschichtliches Forschungsamt
Bundesarchiv - Militaerarchiv (Bestaende&Findmittel -> Bestaendeuebersicht)

Das ist das, was mir auf die Schnelle einfiel. Waere nett, wenn Ihr noch ergaenzen wuerdet.

Weitere Infos auch unter: http://www.vksvg.de/thread.php?threadid=1118

Dank an rolfracing, Privates Antiquariat, Balsi, Gaentzsch und Hannes.

----------------------------------
1
Bundesarchiv
Abteilung Deutsches Reich
Finckensteinallee 63
12205 Berlin

Tel.: (01888) 7770-411
Fax.: (01888) 7770-111
ePost: berlin@barch.bund.de

2
Verwaltet auch die ehemaligen Bestaende der Zentralnachweisstelle/Aachen.
Kontakt: militaerarchiv@barch.bund.de

Versuchen Sie soviel Daten wie moeglich zu senden. Name, Vorname, Geburtsdatum, letzter Dienstgrad, Truppenteil etc..
Desweiteren sollten Sie nachweisen, dass Sie ein "berechtigtes" Interesse haben. Hier reicht schon ein Nachweis ueber das Verwandtschaftsverhaeltnis (zB. Erlaubnis des Rechtsnachfolgers).
« Letzte Änderung: 26.11.08 (11:01) von Niwre »
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Offline Niwre

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Re: Personenrecherche allgemein (bitte vorher lesen)
« Antwort #1 am: 02.02.06 (18:27) »
Bericht von Hannes zur Liga für Deutsch-Russische Freundschaft

Also ich hatte ja schon geschrieben, dass ich mit der "Liga für Deutsch-Russische Freundschaft" einen Volltreffer gelandet hatte. Da im Beitrag nur der Link angegeben ist, wollte ich hier noch kurz einige Ergänzungen zur Verfahrensweise dort vornehmen, vielleicht kann Niwre die ja einbauen...

Allgemein

Die Liga kann nach ehemaligen Kriegsgefangenen, egal welchen Wehrmachtsteils und Dienstgrad, suchen. Sind Personen vermisst, so kann sich unter Umständen trotzdem eine Suche lohnen, da derjenige auch in Krieggefangenschaft verstorben sein kann. Es sind einige Fälle bekannt, in denen die Angehörigen nicht von der Gefangennahme informiert waren und die Person lediglich als vermisst galt.

Die Liga sucht in Archiven der ehemaligen Sowjetrepubliken. Da diese nicht zentral organisiert sind, kann sich die Suche hinziehen.

Verfahrensweise

1. Es ist ein schriftlicher Antrag per Post und ein Online-Suchantrag möglich. Beim Online-Suchantrag erhält man eine Betätigungsmail, ob dies beim Antrag per Post auch so ist, kann ich leider nicht sagen.

2. In dem Antrag sollten soviel wie möglich Angaben gemacht werden, da dies die Erfolgschance erhöht und auch die Suchzeit verkürzen kann. Es sind ganz ausdrücklich auch Anträge möglich und ohne Erfolgsversprechend, bei denen die Lagernummer oder -ort nicht bekannt sind!

3. Vorab müssen 30 Euro auf ein deutsches Konto überwiesen werden, dass die Liga die Suche aufnehmen kann. Dabei ist es besonders wichtig, dass der Empfänger bei der Überweisung exakt so angegeben wird, wie auf der Homepage beschrieben! Es mag etwas unseriös klingen, wenn man vorher für etwas Kosten aufwenden muss, bei dem man gar nicht weiss, ob eine Erfolgsmeldung herauskommt. Die Erfahrung zeigt aber, dass wirklich gesucht wird und die Suche das Geld wert ist.

4. Auf keinen Fall sollte man drängeln oder ständig nach dem Verlauf der Suche nachfragen. Das hören die Leute dort drüben nicht so gern, wenngleich der Kontakt nach Moskau äußerst angenehm ist.

5. Bei Erfolgsmeldung erhält man eine Nachricht. In dieser ist kurz der Inhalt der gefunden Dokumente aufgezeigt. Das Kopieren und Zuschicken der Dokumente erfordert weitere Kosten, welche sich aber nach dem Aufwand zu richten scheinen.

6. Da viele der Dokumente auf russisch verfasst sind, bietet die Liga auch eine öffentlich anerkannte Übersetzung der Akten an. Auch dies ist allerdings wieder kostenpflichtig.



Ich habe zwar den Inhalt der 9 Aktenseiten zu meinem Grossvater noch nicht vorliegen, verspreche mir aber einiges davon und die Suchzeit von 3 Monaten war mehr als erträglich, vor allem wenn man einen Vergleich mit Deutschen Stellen zieht.  ;D

Ich hoffe, diese kurze Schilderung hilft vielleicht etwas...

Gruss

Hannes
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Offline Niwre

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Re: Personenrecherche allgemein (bitte vorher lesen)
« Antwort #2 am: 19.11.06 (15:17) »
Wer sich fuer die Arbeit der Suchdienste interessiert, findet vlt. an diesem Buch gefallen:

Zitat
"Narben bleiben"
Das Buch über die Arbeit der Suchdienste - 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg



Ich hab es heute fuer eine 5Eur-Spende bei der Volkstrauertagveranstaltung mitgenommen - also bei div. Auktionshaeusern nicht mehr bieten.  ;)
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Offline Niwre

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Krankenbuchlager
« Antwort #3 am: 18.07.07 (18:38) »
Laut FdW werden bzw. wurden die Daten des Krankenbuchlagers an die Wast uebergeben und private Anfragen nicht mehr bearbeitet. (Quelle)
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