Autor Thema: Die Akte Alois Brunner  (Gelesen 4122 mal)

Andi

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Die Akte Alois Brunner
« am: 16.05.06 (17:35) »
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Ronny22

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Re: Die Akte Alois Brunner
« Antwort #1 am: 16.05.06 (20:28) »
Die Akte Alois Brunner - Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist

von Georg M. Hafner & Esther Schapira




rororo Taschenbücher Nr.61316»

ISBN: 3-499613166

Kartoniert - 382 Seiten m. zahlreiche Fotos sowie Dokumenten




Campus Verlag, Frankfurt am Main 2000

ISBN: 3593365693

Gebunden - 326 Seiten


Klappentext :

Die Autoren folgen den Spuren des größten noch lebenden NS-Kriegsverbrechers Alois Brunner. Als engster Mitarbeiter von Adolf Eichmann in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung schickte Brunner zwischen 1939 bis 1945 über 120000 Menschen in den Tod. Nach dem Krieg gelingt es ihm unterzutauchen und sich nach Syrien abzusetzen. In Frankreich wird er zweimal in Abwesenheit zum Tode verurteilt, Mitte der achtziger Jahre wird er vor der UN-Vollversammlung angeklagt, aber ansonsten lebt Brunner unbehelligt. Ein brisantes Buch, das auf dem international vielbeachteten ARD-Dokumentarfilm Die Akte B. - Alois Brunner, die Geschichte eines Massenmörders basiert. Die Nachforschungen der Autoren ergeben, dass es sich im Fall Brunner um den größten Skandal der Nachkriegszeit handelt, der zu der Frage führt: Wann wird die Bundesregierung endlich tätig?


Rezensionen:

- Frankfurter Rundschau vom 01.03.2001

"Die Akte Alois Brunner" von Georg M. Hafner und Esther Schapira belegt einmal mehr die These, dass die Mehrheit der großen Naziverbrecher straffrei geblieben sind und sich nach dem Krieg unbehelligt eine neue, bequeme Existenz aufbauen konnten, empört sich Ute Gutzeit. Das Buch findet sie glänzend geschrieben und präzise recherchiert. Sie verweist zunächst auf den umfangreichen Mittelteil, in dem das grausame Wirken Brunners für die Nazis dargestellt wird. Im zweiten Teil ihrer informativen Rezension umreißt sie das Ergebnis der Recherche, nämlich die Antwort auf die Frage, wie es möglich ist, dass ein Verbrecher vom Kaliber Brunners im Nahen Osten aufgespürt wird, sich dort aber weiter unbehelligt seines Lebens erfreuen kann, ohne dass die deutschen Behörden sich um seine Auslieferung bemühen. Des Rätsels Lösung, so deutet Gutzeit an, liegt darin, dass die Amerikaner nach dem Krieg "deutsche Berater" in den Nahen Osten schickten, um ihren Einfluss dort zu wahren. Brunner war selbstverständlich strikt antikommunistisch - dass er auch antisemitisch war, störte da nicht. Im Gegenteil. Syrer und Ägypter hätten ihn sonst wohl kaum so willkommen geheißen. Das Fazit des Buches, so die Rezensentin, lautet: an einem Prozess gegen Brunner ist die Bundesregierung ebenso wenig interessiert wie die USA, Ägypten und Syrien.


- Süddeutsche Zeitung vom 18.10.2000

Das vorliegende Buch über den Kriegsverbrecher Alois Brunner ist das Ergebnis "akribischer Recherche" und wird von der Rezensentin Sabina Griffith "zum ausführlichen Studium empfohlen". Brunner war Adolf Eichmanns rechte Hand und soll für den Tod von mehr als 120 000 Menschen verantwortlich sein. Allein: der heute 88-jährige lebt irgendwo in Syrien, zu seiner Ergreifung werden keine Anstrengungen unternommen. So jedenfalls die Autoren des Bandes, die bei ihren Recherchen auf heftigen (passiven) Widerstand bei den deutschen Behörden gestoßen sind. Dafür gebe es in einem Vorwort auch heftige Kritik von Serge Klarsfeld, dessen Vater vermutlich von Brunner persönlich abgeholt wurde, schreibt die Rezensentin. Das Buch belege: Die Autoren und ihre Unterstützer haben den Kampf noch nicht aufgegeben.


- Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16.10.2000

Was den "Fall Brunner" so spannend mache, meint Jost Dülffer, sei Brunners "Weiterleben" nach dem 2. Weltkrieg. Und nur sehr vage ist seiner Buchbesprechung zu entnehmen, dass das Motiv der Autoren für dies Buch möglicherweise nicht das "Spannende" an dem Fall war, sondern der Skandal. Denn dieser Naziverbrecher wurde nie gefasst. Er lebt möglicherweise heute noch in Syrien. Der Rezensent klickt ein paar Themenbereiche des Buches an, Verbindungen Brunners zum späteren BND, seine Hilfe beim Aufbau von Geheimdiensten im Nahen Osten beispielsweise. Auch dass immer wieder falsche Todesmeldungen verbreitet wurden. Warum Brunner nie gefasst wurde und warum seinen Spuren von den Verfolgungsbehörden nicht intensiver nachgegangen wurde, bleibt für Dülffer auch "nach der Lektüre eine offene Frage".

« Letzte Änderung: 16.05.06 (20:34) von Ronny22 »
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merlin61

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Re: Die Akte Alois Brunner
« Antwort #2 am: 17.05.06 (05:03) »
Die Akte Alois Brunner - Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist

[...]

Rezensionen:

- Frankfurter Rundschau vom 01.03.2001

"Die Akte Alois Brunner" von Georg M. Hafner und Esther Schapira belegt einmal mehr die These, dass die Mehrheit der großen Naziverbrecher
straffrei geblieben sind und sich nach dem Krieg unbehelligt eine neue, bequeme Existenz aufbauen konnten
, empört sich Ute Gutzeit. [...]


[...]

Meiner Empfindung nach ist das schon ein ziemlich "harter Tobak", den Frau Ute Gutzeit im Jahr 2001 da von sich gegeben hat.
Kann Sie für diese Unterstellung auch Namen und überprüfbare Quellen vorweisen, oder "glaubt" Sie nur das dies so sein muss ?
Aber egal.


Infos zum Buch: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499613166/qid=1147832202/sr=1-1/ref=sr_1_8_1/303-6856078-6881022
... und das meiste was über Alois Brunner bekannt ist, dürfte sich wohl hier dazu finden => http://lexikon.freenet.de/Alois_Brunner
Zitat
[...]
1961 wurde auf Alois Brunner ein Anschlag verübt: Er verlor ein Auge. Im Juli 1980 erhielt Alois Brunner/Georg Fischer in Damaskus Post
vom "Verein Freunde der Heilkräuter" aus Österreich: Die Briefbombe zerfetzte ihm vier Finger der linken Hand. Den Anschlägen folgten
keine Bekennerschreiben, sie werden jedoch dem Mossad zugeschrieben, der vergeblich versuchte, seiner habhaft zu werden. [...]

[...]

Am 10. Oktober 1985 gab Fischer alias Brunner der Zeitschrift Bunte ein Interview in dem er betonte: "Israel wird mich nie bekommen."
Das Interview strotzt derart vor antisemitischen Ausfällen, dass die Bunte nur eine zensierte Fassung veröffentlicht. [...]

1992 forderte das Bundeskriminalamt von dem Journalisten, der Alois Brunner 1985 interviewte, die Fotos und kam nach langer Zeit zu dem Ergebnis,
dass es sich "vermutlich um Aufnahmen von Alois Brunner handelt". Mehrere Auslieferanträge Deutschlands und anderer Staaten sowie ein
Interpol-Haftbefehl und Aktivitäten des Simon Wiesenthal-Zentrums blieben erfolglos. [...]

1993 ist ein weiterer Kontakt zu Brunner überliefert. Er wurde von Touristen in einem Café erkannt, stellte sich mit seinem alten Namen vor und plauderte
angeregt. Danach ging er mit seinem Schäferhund und fuhr in sein neues Domizil - ein Gästehaus Hafiz al-Assads in den Bergen nahe Damaskus.
1995 wurde von deutschen Staatsanwälten eine 333.000 US$ Belohnungssumme für Informationen zur Ergreifung Brunners ausgesetzt.[...]

Im Dezember 1999 kamen Gerüchte auf, Brunner sei 1996 verstorben. Zur Widerlegung gaben deutsche Journalisten an, sie hätten Brunner lebend
im Meridian Hotel in Damaskus angetroffen, wo er nunmehr ansässig sei
. Am 2. März 2001 wurde Brunner von einem französischen Gericht in Abwesenheit
wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. [...]
Etwas merkwürdig finde ich es schon, das bei sämtlichen Rezensionen diese beiden Anschläge auf Brunner völlig unerwähnt bleiben <= unwichtig ::)
Von allen wird nur vermutet, dass sich Brunner seit Ende des Krieges in Syrien aufhält. Er war es aber erst ab 1954 - dies wussten erstaunlich viele!
Nur die 3 Rezensionisten haben offensichtlich noch heute keine Ahnung, ob, ab wann und wo sich Alois Brunner in Syrien bzw. Damaskus aufhält...

Gab es im Jahr 2000 etwa kein Internet? (=ich hab die Infos in knapp 20 Sekunden gefunden) oder auch keine Pressearchive, z.B. über die BUNTE?
« Letzte Änderung: 17.05.06 (05:16) von merlin61 »
Optimismus ist ein Mangel an Information.
Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung.