Autor Thema: Dirlewanger - Angehörige der Einheit gesucht  (Gelesen 50217 mal)

Jürgen Fritsche

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Re: Dirlewanger - Angehörige der Einheit gesucht
« Antwort #30 am: Heute um 00:15 »

Theodorus Jan de Lijster, geboren am 13. Mai 1927 in Den Haag, ist der Bruder meiner Mutter. Er verschwand im Alter von siebzehn Jahren. Ich suche Informationen über ihn. Mir ist nicht ganz klar, warum er im Zusammenhang mit der 36. SS-Division „Dirlewanger“ genannt wird. Soweit ich weiß, war er bei der 23. SS-Freiwilligen-Panzergrenadierdivision der Niederlande. Weiß jemand mehr? Warum wird er in diesem Zusammenhang erwähnt?

Moin zusammen,

die Handhabung und Analyse der VBL einschließlich der zu einer Einheit (FPN) zugeordneten Soldaten ist nicht ganz einfach - und nicht per se eindeutig!

Ein sehr gängiges Beispiel:
Unter der FPN einer Sanitätseinheit in einer VBL registrierte Soldaten sind keineswegs durchweg Sanitätssoldaten oder Angehörige dieser San-Einheit! Vielmehr wurden Verwundete, Verletzte und Erkrankte von Kampfeinheiten zu ihrer Behandlung in eine San-Einheit verlegt, was Niederschlag in den namentlich geführten Verlustlisten der betreffenden Kampfeinheit fand und ebenso in den Personal-Meldungen der San-Einheit, die allesamt an die WASt gingen. Selbstverständlich gehörten diese Soldaten ab ihrem Zugang als Verwundete, usw., "auf dem Papier" dieser San-Einheit an, jedoch nicht als Teil der Einheit in Form eines San-Soldaten, sondern eben als Patienten. Bei der WASt ist das im mil. Werdegang berücksichtigt, in den vom zivilien DRK Suchdienst geführten VBL eben nicht - weil man davon bei Erstellung des VBL-Systems z. T. lange nach Kriegsende a) keine konkrete Ahnung hatte und b) ausschließlich an der Auffindung der Soldaten Interesse hatte.

D. h., ein bei einer San-Einheit als Zugang geführter verwundeter Soldat einer Kampfeinheit wurde dort selbstverständlich mit seinem Truppen-Dienstgrad geführt, der natürlich und ganz gar kein San-Dienstgrad war. Er gehörte dieser San-Einheit also bis zu seiner Genesung und Entlassung in eine Genesendeneinheit der Truppe als Patient und nicht als San-Dienstgrad an! Das wird sehr häufig, um nicht zu sagen durchweg, von VBL-Auswertungen nicht durchdacht und beachtet, so daß anhand einer VBL einer San-Einheit alle dort aufgeführten Soldaten irrigerweise als San-Soldaten angesehen werden. Allerdings wurden natürlich auch verwundete, verletzte oder erkrankte San-Soldaten von ihrer eigenen San-Einheit zur weiteren Behandlung in eine andere San-Einheit verlegt.

Ein weiteres Hindernis der Zuordnung von Soldaten anhand ihres San-Dienstgrads als San-Angehöriger ist, daß man damals, von Kriegsbeginn bis Kriegsende, sowohl von militärischen als auch zivilen Dienststellen "großzügigerweise" gerne den Wehrmacht-Dienstgradzusatz "San-..." wegließ. Und schon war aus einem echten San-Gefreiten plötzlich in der VBL fälschlicherweise ein normaler Gefreiter der Truppe geworden.
Und diese Vorgehensweise nahm nicht eine einzige San-Dienstgradbezeichnung aus, vom San-Soldaten bis hin zum San-Oberfeldwebel (die Wehrmachtärzte ab Feldunterarzt sind ja an ihrer Dienstgradbezeichnung eindeutig als San-Angehörige erkennbar) und bei der Waffen-SS jeden SS-Dienstgrad bis hinauf in höchste SS-San-Ränge, wo sie bekanntlich nur durch den SS-typischen Dienstgradzusatz "... (San)" erkennbar wären. Dieses gravierende Problem habe ich bspw. bei meinen Forschungen, wenn bspw. unzählige auffindbare SS-Hauptsturmführer eigentlich SS-Hauptsturmführer (San) waren, also im Rang eines Stabsarztes waren, aber leider nirgendwo korrekt bezeichnet wurden und somit heute leider nicht als Waffen-SS-Ärzte identifizierbar sind.

Zurück zu Theodorus Jan de Lijster: Vielleicht war er "irgendwie" über eine Verlustliste der Waffen-SS (nicht der WASt! Die Waffen-SS hatte ein eigenes Kriegerverlustsystem, analog der WASt) auf eine VBL der der 36. SS-Division „Dirlewanger“ geraten?

Theodorus Jan de Lijster ist seit Februar 1945 in Marienburg (heute Polen) vermisst. Personalakten sind im niederländischen Nationalarchiv Open Archieven einsehbar. Open Archieven gibt den 28. Februar 1945 als Vermißtendatum an (https://www.openarchieven.nl/ghn:60a94580-a136-11e8-828a-00505693001d/de).

Viele Grüße,
Jürgen
« Letzte Änderung: Heute um 00:24 von Jürgen Fritsche »
Viele Grüße,
Jürgen



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