Autor Thema: Japan und Amerika im Krieg  (Gelesen 1687 mal)

Offline merlin61

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Japan und Amerika im Krieg
« am: 12.01.06 (06:37) »
Reine Spekulation wird es noch lange bleiben, ob Roosevelt - mit welchen Mitteln auch immer - die Nation Kriegsbereit bekommen wollte.

Als sicher kann jedoch angenommen werden, dass Roosevelt (bzw. die dafür Verantwortlichen in den USA) die Japaner zumindest in einen
Wirtschaftskrieg getrieben haben, indem sie diesen deren Versorgung mit wichtigen Industriegüter unterbanden bzw. stark einschränkten.
Früher oder später hätte Japan deshalb reagieren müssen. Vor allem, da es von amerikanischer Seite kein Interesse an Verhandlungen gab.

@Edit[Niwre]: Thema geteilt
« Letzte Änderung: 16.03.06 (19:23) von Niwre »
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Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung.

Felix S.

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Re: Ablauf des Angriffs auf Pearl Harbor
« Antwort #1 am: 16.03.06 (08:23) »
Merlin schrieb:
Zitat
Reine Spekulation wird es noch lange bleiben, ob Roosevelt - mit welchen Mitteln auch immer - die Nation Kriegsbereit bekommen wollte.

Als sicher kann jedoch angenommen werden, dass Roosevelt (bzw. die dafür Verantwortlichen in den USA) die Japaner zumindest in einen
Wirtschaftskrieg getrieben haben, indem sie diesen deren Versorgung mit wichtigen Industriegüter unterbanden bzw. stark einschränkten.
Früher oder später hätte Japan deshalb reagieren müssen. Vor allem, da es von amerikanischer Seite kein Interesse an Verhandlungen gab.
Interessant zu diesem Thema sind dann auch die Diskussionen die in The White House in November 1941 stattfanden. Der US-Verteidigungsminister Henry L. Stimson schrieb in sein Tagebuch u.A.:

The question was how we should maneuver them into the position of firing the first shot without too much danger to ourselves. In spite of the risk involved, however, in letting the Japanese fire the first shot, we realized that in order to have the full support of the American people it was desirable to make sure that the Japanese be the ones do this so there should remain no doubt in anyone's mind as to who were the aggressors.

Ja, ich weiß, der US-Präsident & Co. fühlten sich bedroht.

Offline merlin61

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Re: Japan und Amerika im Krieg
« Antwort #2 am: 26.03.06 (03:09) »
@Felix S.

Tja, über was und deren Umsetzung wurde wohl alles hinter verschlossenen Türen im November 1941 geredet und spekuliert  ::)

Vor allem, wenn später(= wann ? keine Ahnung) bekannt wurde, was bereits ein paar Monate vorher zwischen Roosevelt und Churchill vereinbart wurde:
Und zwar im August 1941 auf einem amerikanischen Kriegsschiffes vor Neufundland: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/UNO/atlantik-charta.html
(ca. 4000 G.I.`s waren aber bereits im Juni 1941 auf Quartiersuche - für die Truppen, die noch kommen sollten - in Nordirland bzw. Schottland unterwegs)

Zitat
Die Atlantik-Charta / The Atlantic Charter
1941 gaben Churchill und Roosevelt "Grundsätze der nationalen Politik ihrer beiden Länder" bekannt
/ In the Year 1941 Churchill and Roosevelt announced "principles in the national policies of their respective countries"

Angesichts des Welteroberungskriegs des deutschen Faschismus trafen sich im August 1941 an Bord eines amerikanischen Kriegsschiffes vor Neufundland der
Präsident der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, und der britische Premierminister Winston S. Churchill.
Im Ergebnis des Treffens veröffentlichten sie eine Erklärung, in der wesentliche Grundsätze friedlicher internationaler Beziehungen verankert waren.
Diese "Atlantik-Charta", der sich die übrigen auf Seiten der Alliierten Krieg führenden Mächte durch die Erklärung über die Vereinten Nationen vom 1. Januar
1942 anschlossen, wurde zur Grundlage der Charta der Vereinten Nationen.
Der Führer der Sowjetunion, Josef Stalin, bekannte sich im September 1941 grundsätzlich zu den Prinzipien der Atlantik-Charta
und unterzeichnete sie auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945
.



Die Atlantik-Charta
14. August 1941

Der Präsident der Vereinigten Staaten und Premierminister Churchill, als Vertreter von Seiner Majestät Regierung in dem Vereinigten Königreich, erachteten es bei ihrem Zusammentreffen
für richtig, gewisse allgemeine Grundsätze der nationalen Politik ihrer beiden Länder bekannt zu machen, von denen sie eine bessere Zukunft für die Welt erhoffen.

Erstens, ihre Länder streben nach keiner Vergrößerung, weder auf territorialem Gebiet noch anderswo.

Zweitens, sie wünschen keine territorialen Änderungen, die nicht mit dem frei zum Ausdruck gebrachten Wunsch der betreffenden Völker übereinstimmen.

Drittens, sie achten das Recht aller Völker, sich die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen.
Sie wünschen die obersten Rechte und die Selbstregierung der Völker wiederhergestellt zu sehen, denen sie mit Gewalt genommen wurden
.

Viertens, sie werden, unter gebührender Achtung ihrer bestehenden Verpflichtungen, darnach streben, daß künftig alle Staaten, große und kleine,
Sieger und Unterlegene, gleicherweise Zugang zum Handel und den Rohmaterialien der Welt haben, die sie für das Gedeihen ihrer Wirtschaft benötigen.

Fünftens, sie wünschen die engste Zusammenarbeit aller Nationen auf wirtschaftlichem Gebiet, um bessere Löhne, wirtschaftlichen Fortschritt
und soziale Sicherheit zu gewährleisten.

Sechstens, nach der endgültigen Vernichtung der Nazityrannei hoffen sie auf einen Frieden, der allen Nationen die Möglichkeit bietet,
innerhalb der eigenen Grenzen sicher zu leben, und der allen Menschen die Sicherheit gibt, in ihren Ländern frei von Not und Furcht zu leben.

Siebentens, ein solcher Friede würde allen Menschen gestatten, ungehindert die Meere und Ozeane zu überqueren.

Achtens, sie glauben, daß alle Nationen der Welt, sowohl aus praktischen wie aus sittlichen Gründen, dazu kommen werden, auf Gewaltanwendung zu verzichten.


Da kein künftiger Friede aufrecht zu erhalten ist, so lange die Rüstungen zu Land, zur See und in der Luft von Nationen weiterhin zum Angriff außerhalb der Grenzen eingesetzt
werden, glauben sie auch, daß es wesentlich ist, diese Nationen zu entwaffnen, bis ein umfassenderes und dauerndes System der allgemeinen Sicherheit geschaffen wurde.
Sie wollen gleichzeitig alle anderen praktischen Maßnahmen unterstützen, welche die friedliebenden Völkern von der Last der Rüstung befreien.
(pers. Anmerkung: Dies gilt NICHT für GB & USA; nur ein "unbewaffnetes" Land kann sich NICHT mehr gegen einen Angriff der Unterzeichner wehren - logisch)


Franklin D. Roosevelt
Winston S. Churchill


Nun ja ...
Die von mir fett markierten Sätze sind während und nach Ende des Krieges von den Unterzeichnerstaaten schon "sehr eigenwillig" umgesetzt worden:
Übrigens... an welchem Tag die Atlantik-Charta von beiden Initiatoren unterzeichnet wurde ist mir unbekannt - im August 1941 war es jedoch (noch) nicht.


Der Punkt Erstens schliest ausdrücklich NICHT aus, dass man Teile des Territoriums des Verlierers anschließend unter den anderen Alliierten aufteilt.

Die Punkte "Zweitens und Drittens" interessierten nach dem Krieg eh keinen mehr - da wurden Millionen vertrieben und Grenzen mit Gewalt gezogen.
Ich mutmaße: Hätten sich "ALLE Beteiligten" nach Ende des WKI "nur" auf diese 2 Punkte geeinigt, wäre es womöglich ZU KEINER ZEIT zum WKII gekommen.

Zu Sechstens: Die bolschewistische Tyrannei hielt wohl noch mindestens 10 Jahre länger unter Stalin an ... aber man brauchte ja einen Waffenbruder.
... bei "innerhalb der eigenen Grenzen" hat Churchill wohl nur an die des Britischen Empires gedacht - die USA hatte aber schon immer andere Interessen.

Zu Achtens: Nun ja, dies galt und gilt bis heute wohl nur GEGEN die Länder, gegen die die USA (+ GB & die "Koalition der Willigen") ins Feld ziehen (wollen).



So oft, wie in dieser Atlantic-Charta Wörter wie: "friedlich", "friedliebend" ... und was-weiß-ich-noch-alles steht, könnte einem heutzutage, bei der Flut
an kriegerischen Handlung der Unterzeichnerstaaten regelrecht schlecht werden, da diese Vereinbarungen bisher nur zu ihrem Zweck missbraucht haben.
... vor allem da diese von der UN größtenteils so übernommen wurden - und die USA diese (immer noch) als "zu ihren Gunsten" frei interpretierbar ansieht.
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Felix S.

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Re: Japan und Amerika im Krieg
« Antwort #3 am: 26.03.06 (09:12) »
Das ist klare Sprache. Damit wird ja sofort das Verhalten der Amis während den Kriegs-  und Nachkriegsjahren erklärt und “gerechtfertigt”.

Der Text unter “viertens” ist auch lustig, und im Prinzip ein Freibrief für die Agression der USA in den letzten Jahrzehnten, denn sie wollten ja nur die Rechte "aller" Staaten der Welt garantieren.
Zitat
sie werden, unter gebührender Achtung ihrer bestehenden Verpflichtungen, darnach streben, daß künftig alle Staaten, große und kleine, Sieger und Unterlegene, gleicherweise Zugang zum Handel und den Rohmaterialien der Welt haben, die sie für das Gedeihen ihrer Wirtschaft benötigen.

Offline merlin61

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Re: Japan und Amerika im Krieg
« Antwort #4 am: 26.03.06 (11:03) »
@Felix S.

Vollkommen korrekt.
Damals(= "spätestens" 1941) wurde bereits die Saat, die in den letzten Jahrzehnten erste Ernten einbrachten, bereits verteilt.
Amerikas-Weltbefreiungs-Tour über sämtliche Kontinente[=ausser Australien a. gehört zu GB und b. nix zu holen] hatte begonnen.

Man könnte aber "auch" sagen: "Die USA zieht aus um alles und jeden zu befreien - ähnlich einem Ameisenstaat auf Raubzug".
Die Befreiten werden versklavt ( i.d.R. ohne das sie es merken, oder etwas dagegen tun können ) oder auch vernichtet - passt.
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