Autor Thema: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866  (Gelesen 39194 mal)

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #30 am: 11.12.14 (10:34) »
Wiederum vielen Dank ! Ich freue mich, daß rege mitgearbeitet und ergänzt wird.

Ich habe auch eine neue Ergänzung. Ich würde sagen, die richtige Schreibeweise ist wohl wirklich Berken.


Ich habe mal gesucht und siehe da, ich habe die Regimentsgeschichte des 3. Niederschlesischen Infanterieregiments Nr. 50. Darin werden die Kämpfe des Bataillons von Major von Berken auf mehreren Seiten ausführlich beschrieben. Somit können wir nun ergänzen, er war der Kommandeur des 2. Bataillons im 3. Niederschlesischen Infanterieregiment Nr. 50. Abgedruckt ist im Buch auch die komplette Kriegsrangliste des Regiments. Und wie gesagt, die Schreibweise ist Berken.




Offline StefaHHn

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #31 am: 11.12.14 (12:36) »
In Kneschkes Adelslexikon wird das Geschlecht auch ausschließlich Berken geschrieben.

Offline JakeV

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #32 am: 11.12.14 (13:00) »
Im Gegensatz zu die o.g. Quellen, in Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser von 1941 (von wo die Daten stammen), das Geschlecht ist "Bercken" geschrieben. Auch die Rangliste der königlich Preussischen Armee von 1855 nennt ein Secondeleutnant von Bercken im 2. Bataillon des 1. Landwehr-Regiments in Wehlau.

Jake

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #33 am: 11.12.14 (16:18) »
Hermann von Wichmann erhielt den PLM am 16. September 1866 als Oberstleutnant und Kommandeur 2. Schlesisches Dragonerregiment Nr. 8 / 11. Infanteriedivision / VI. Armeekorps / 2. Armee

Die Verleihung erfolgte für die Schlacht bei Nachod am 27. Juni 1866. Eingereicht wurde er von Generalmajor von Wnuck, der zur Disposition der 2. Armee stand:

"Führte das Regiment (im Gefecht bei Nachod, 27. Juni) mit Geschick und großer Bravour in die feindlichen Kürassiere, erhielt im Handgemenge eine Kopfwunde und verlor in demselben durch einen Schuß sein Pferd. Wenn auch nicht gefährlich, so doch sehr schmerzhaft blessiert, verließ er das Regiment nicht, sondern führte dasselbe ohne Unterbrechung mit Kaltblütigkeit und Umsicht fort."


Wenn ich richtig liege, daß er in seiner weiteren Karriere bis zum General der Kavallerie aufstieg, dann habe ich zu Hermann von Wichmann die Lebensdaten.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #34 am: 16.12.14 (21:42) »
Anton Max Konrad von Paczensky-Tenczyn erhielt den PLM am 16. September 1866 als Major im 2. Schlesischen Dragonerregiment Nr. 8 / 11. Infanteriedivision / VI. Armeekorps / 2. Armee

Die Verleihung erfolgte für die Schlacht bei Nachod am 27. Juni 1866. Major von Paczensky-Tenczyn zeichnete sich im gleichen Angriff aus, für den auch Rittmeister Hugo von Pogrell mit dem PLM ausgezeichnet wurde.

Eingereicht wurde Major von Paczensky-Tenczyn vom Regimentskommandeur Oberst von Wichmann:

"Zeichnete sich bei den vom Regiment am 27. Juni in der Schlacht bei Nachod ausgeführten Attacken durch kaltblütige und zweckmäßige Einwirkung beim Ralliieren des Regiments aus und leitete die günstige Attacke auf das Jäger-Bataillon durch selbständige Vorfürhung zweier rangierter Züge der 1. Eskadron in die Flanke des Feindes ein, was wesentlich dazu beitrug, das Bataillon auseinander zu sprengen."

Bemerkung des Generalmajors von Wnuck dazu:

"Führte selbständig die Attacke auf die feindlichen Bataillone, war der erste im Karree und trug daher persönlich zum Gelingen des Angriffs bei, weshalb ich ihn zu einer ganz besonderen Auszeichnung alleruntertänigst in Vorschlag bringe."


Wieder ein schwieriger Fall, ... Ich habe zu ihm momentan weder die Lebensdaten noch seine genaue Verwendung im Regiment.

Offline JakeV

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #35 am: 17.12.14 (14:53) »
Moin,

Paczensky war auch für mich ein schwieriger Fall... ;D

kgl. preuß. Oberst à la suite der Armee Anton Conrad von Paczensky und Tenczin
* 24.02.1815 in [?]
† 02.02.1869 in Charlottenburg

Am 30.10.1866 wurde Paczensky Kommandeur des Ulanen-Regiments „Hennigs von Treffenfeld“ (Altmärkisches) Nr. 16. Dieser Position behielt er bis 21.01.1869, kurz von seinem Tode.

Jake

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #36 am: 17.12.14 (17:03) »
Hm, ... sehr schön. Vielen Dank !

Einige sind nicht wirklich alt geworden. Wenn er nach der Verleihung zum Regimentskommandeur ernannt wurde, muß er ja vorher Bataillonskommandeur gewesen sein. Dann kann ich auch das ergänzen.

Wenn ich mir die Regimentsgeschichten so anschaue, dann erlitt die preußische Armee einen großen Anteil ihrer Verluste in Böhmen erst nach dem Ende der Kampfhandlungen, und zwar durch den Ausbruch der Cholera. Unter den bisher Genannten war auch ein PLM-Träger unter diesen Todesfällen.

Hier einer, der sogar die Jahrhundertwende erlebte:

Adalbert von Barby erhielt den PLM am 16. September 1866 als Oberst und Kommandeur des Schlesischen Kürassier-Regiment Nr. 1 "Prinz Friedrich von Preußen"

Die Verleihung erfolgte für ein Gefecht bei Biskupitz am 14. Juli 1866. Eingereicht wurde er von Generalmajor von Borstell:

"Am 14. Juli nachmittags wurde das Schlesische Kürassier-Regiment Nr. 1 zu einer forcierten Rekognoszierung von Kostelez über Prossnitz gegen Prerau beordert. Hieraus entspann sich das Gefecht bei Biskupitz, in welchem Oberst von Barby an der Spitze der 1. Eskadron gegen ein feindliches Karree attackierte, es zum großen Teil überritt und nur durch Eintritt der Dunkelheit, neues Gewehr- und Geschützfeuer aus der Dorflisiere bewogen wurde, von weiteren Erfolgen abzustehen. Seine Führung war anfeuernd und ruhmwürdig: die Verluste des Regiments sprechen für seine Bravour und Haltung."

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #37 am: 18.12.14 (16:45) »
Leonhard von Blumenthal erhielt das Eichenlaub zum PLM am 17. September 1866 als Generalmajor und Chef des Generalstabes der 2. Armee

Den PLM hatte er sich bereits 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg, ebenfalls als Chef des Generalstabes einer Armee erworben. Zum Eichenlaub reichte ihn sein Oberbefehlshaber, General der Infanterie Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen ein.

Die Verleihung erfolgte in Anerkennung für den erfolgreichen Feldzug in Böhmen. Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen, der Oberbefehlshaber der 2. Armee, der zu diesem Zeitpunkt für die Erfolge der 2. Armee den PLM und das Eichenlaub erhalten hatte, hatte einen großen Teil der Erfolge seinem Chef des Generalstabes zu verdanken, daher schlug er Generalmajor von Blumenthal selbst zu der hohen Auszeichnung vor.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #38 am: 19.12.14 (09:26) »
Wolf Louis Anton Ferdinand von Stülpnagel erhielt den PLM am 17. September 1866 als Generalmajor und Oberquartiermeister der 1. Armee

Eingereicht wurde er von seinem Armeeoberbefehlshaber, Friedrich Karl Prinz von Preußen:

"Der Generalmajor von Stülpnagel hat auch während des Feldzuges, seiner Natur, die rastlos arbeitet und ehrgeizig ist, getreu, viel selbst getan. Ehrgeiz und Unruhe trieben ihn, auch den Gefechten beizuwohnen, bei denen sich meine Anwesenheit verbot (Gitschin bei der 3. Division, Holicz bei Göding, Preßburg). Wenn der Natur der Sache nach das Wirken eines Oberquartiermeisters auch durch dasjenige des Chefs des Generalstabes etwas in den Hintergrund gedrückt wird, so erscheint mir doch der General von Stülpnagel der erbetenen hohen Auszeichnung durchaus würdig ..."

Somit erfolgte die Verleihung als Anerkennung seines Einsatzes während des gesamten Feldzuges in Böhmen.

Hier ist interessant, daß bis zu diesem Zeitpunkt der Oberbefehlshaber der 1. Armee, Friedrich Karl Prinz von Preußen, selbst noch nicht mit dem PLM ausgezeichnet wurde. Im Stab der 1. Armee wurden somit der Chef des Generalstabes und der Oberquartiermeister vor dem Oberbefehlshaber mit dem PLM ausgezeichnet, Friedrich Karl Prinz von Preußen hatte sogar die Auszeichnungen selbst erbeten und die Angehörigen seines Stabes dazu eingereicht.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #39 am: 19.12.14 (16:38) »
Ernst von Unger erhielt den PLM am 17. September 1866 als Major und Generalstabsoffizier im Stab der 1. Armee

Die Verleihung erfolgte für die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866. Einen Tag vorher war Major von Unger mit einer Rekognoszierung gegen die bei Dub stehenden feindlichen Vorposten beauftragt worden. Durch kühnes und entschlossenes Heranreiten an diese drängte er sie so weit zurück, daß er die Anwesenheit größerer feindlicher Streitkräfte feststellen konnte. Hier ging die Absicht der Österreicher hervor, am 3. Juli dem weiteren Vormarsch der 1. Armee entgegenzutreten, so daß sich die Meldung von Major von Unger von großer Bedeutsamkeit für die folgenden Ereignisse erwies. Sein Aufklärungsritt trug so wesentlich dazu bei, daß sich die preußischen Verbände für die Schlacht positionieren konnten.



Bereits im Deutsch-Dänischen Krieg des Jahres 1864 hatte sich Ernst von Unger als Hauptmann und Generalstabsoffizier im Stab einer Division ganz besonders auszeichnen können, so daß er nach dem Ende der Kampfhandlungen zum damals jüngsten Major der preußischen Armee befördert worden war.

Was die Dienstgrade und das entsprechende Alter betrifft, muß man allerdings auch beachten, daß die Söhne der Adels- und Herrscherhäuser ganz besondere Stellungen auch innerhalb des Militärs einnahmen. Der Oberbefehlshaber der 2. Armee war 1866 Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen. Er hatte das gleiche Geburtsjahr wie beispielsweise Ernst von Unger: 1831. Während Ernst von Unger im Jahr 1864 zum damals jüngsten Major der preußischen Armee befördert wurde, war Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen im Jahr 1866 General der Infanterie. Er war mit seinen noch nicht vollendeten 35 Lebensjahren Oberbefehlshaber einer Armee.


Mit Ernst von Unger lebte bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges somit noch mindestens ein Träger des PLM des Krieges von 1866. Ernst von Unger erlebte sogar das Ende des Weltkrieges und damit den Untergang der Monarchie in Deutschland. Er verstarb am 10. Oktober 1921.

Somit erhielt Ernst von Unger am 17. September 1916 aus den Händen von Kaiser Wilhelm II. die Krone zum PLM.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #40 am: 19.12.14 (17:29) »
Im Buch von Theodor Fontane "Der Deutsche Krieg von 1866" findet sich in Band 1 eine Beschreibung des Aufklärungsrittes von Major Ernst von Unger.






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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #41 am: 20.12.14 (11:23) »
Albrecht von Stosch erhielt den PLM am 17. September 1866 als Generalmajor und Oberquartiermeister der 2. Armee.

Eingereicht wurde er von seinem Oberbefehlshaber, Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen:

" ... hat sich bald nach Beginn der Schlacht von Nachod dadurch ausgezeichnet, daß er durch persönliches energisches Eingreifen dem plötzlichen und übereilten Zurückgehen einzelner Truppenkörper aller Waffen Halt gebot und sie zum sofortigen geordneten Wiedervorgehen gegen den Feind ordnete. Da er auch als Generalquartiermeister der 2. Armee durch rastlose Tätigkeit und Energie sehr wesentlich zu allen Erfolgen dieser Armee beigetragen und dadurch namentlich den sehr schwierigen Marsch durch das Gebirge und die darauf folgenden glücklichen Gefechte ermöglicht hat, so glaube ich ihn Eurer Majestät für den Orden PLM in Vorschlag bringen zu müssen."

Ich ordne diese Verleihung somit im Hauptpunkt der Schlacht von Nachod am 27. Juni 1866 zu.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #42 am: 22.12.14 (16:43) »
Ernst von der Burg erhielt den PLM am 17. September 1866 als Major und Generalstabsoffizier im Stab der 2. Armee

Eingereicht wurde er von seinem Armee-Oberbefehlshaber, Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen:

"Major von der Burg ist von mir vorzugsweise zu Aufträgen gebraucht worden, die ihn stets unmittelbare in die vordersten Reihen der fechtenden Truppen führten. Er hat alle diese Aufträge nicht nur zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt, sondern bei mehreren Gelegenheiten, wie bei Trautenau und Königgrätz, selbständig die gegebenen Befehle nach richtiger Erkenntnis der augenblicklichen Gefechtslage zu ergänzen verstanden. Ich halte ihn daher für völlig würdig der höchsten Auszeichnung durch den Orden PLM."

Somit ordne ich diese Verleihung mit in die Kategorie ein, daß sie allgemein für die gezeigten Leistungen während des Feldzuges in Böhmen erfolgte.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #43 am: 23.12.14 (16:25) »
Carl Heinrich von Wnuk erhielt den PLM am 17. September 1866 als Generalmajor und zur Disposition der 2. Armee

Eingereicht wurde er von General der Infanterie von Steinmetz:

"Führte am 27., 28. und 29. Juni eine kombinierte Dragoner-Brigade und machte damit am 27. Juni eine glänzende Attacke, warf eine österreichische Kürassierbrigade, wobei 2 Standarten erobert wurden. Obgleich hierbei am Hinterkopf beträchtlich verwundet, blieb der General doch im Gefecht und führte auch am folgenden Tage die Brigade, vor welcher die feindliche Kavallerie nicht mehr Stand hielt. Überall ist das Verhalten des Generals von Wnuk ein besonnenes, umsichtiges, von persönlicher Bravour, Entschlossenheit und Energie unterstütztes gewesen. Ich erbitte mir deshalb für ihn den Orden PLM."

Somit erfolgte die Verleihung für die Schlacht bei Nachod am 27. Juni 1866.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" im Krieg von 1866
« Antwort #44 am: 23.12.14 (16:41) »
Ferdinand von Dannenberg erhielt den PLM am 17. September 1866 als Oberst und Chef des Generalstabes des Gardekorps / 2. Armee

Der Vorschlag kam von General der Kavallerie August Prinz von Württemberg, dem Kommandierenden General des Gardekorps:

"... Hat in dem Gefecht bei Soor und in der Schlacht bei Königgrätz so viel Sachkenntnis und Energie in Ausführung der von mir getroffenen Anordnungen entwickelt, daß ihm ein wesentlicher Teil des Verdienstes um die erlangten Vorteile zufällt, und ich ihn daher zu der nebenstehenden Auszeichnung alleruntertänigst in Vorschlag zu bringen mir erlaube."

Ich ordne die Verleihung somit in die Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 ein.

 

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