Autor Thema: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront  (Gelesen 120604 mal)

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #30 am: 09.01.13 (18:05) »
Karl von Bülow erhielt den PLM am 4. April 1915 als Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der 2. Armee.

Karl von Bülow hatte seine Armee in den Vormarschkämpfen bis zum Beginn des Stellungskrieges äußerst erfolgreich geführt. Ende März 1915 erlitt er einen leichten Schlaganfall und mußte den Oberbefehl niederlegen. Den PLM erhielt er daraufhin als Anerkennung seiner gesamten Führungsleistung seit Kriegsbeginn.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #31 am: 10.01.13 (14:30) »
Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg erhielt den PLM am 30. Mai 1915 als General der Infanterie und Kommandeur der 8. Infanteriedivision.

Auch diese Verleihung ist nicht einfach zuzuordnen. Die 8. ID hatte der Herzog seit dem 20. März 1915 geführt. Bei Kriegsbeginn war er als Generalleutnant und Regimentskommandeur seines heimatlichen IR 153 ins Feld gezogen. Er führte sein Regiment in den erfolgreichen Vormarschkämpfen, ehe er am 7. Oktober 1914 zum Kommandeur der 16. Infanteriebrigade ernannt wurde, der das IR 153 unterstellt war. Die Brigade wiederum gehörte zur 8. ID.

Die Verleihung des PLM erfolgte an dem Tag, als der Herzog das Kommando über die 8. ID abgab, um sich anderen Aufgaben widmen zu können. Es war quasi ebenfalls die Belohnung für seinen bisherigen Einsatz seit Kriegsbeginn.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #32 am: 10.01.13 (17:30) »
Eberhard von Claer erhielt den PLM am 29. Juni 1915 als General der Infanterie und Kommandierender General des VII. Armeekorps.

Die Verleihung erfolgte wiederum an dem Tag, an dem er sein Kommando abgab und rückwirkend für seine Verdienste in der Führung des Korps seit dem 12. September 1914. Seit dem 9. Mai 1915 kämpfte das Korps in der Frühjahrsschlacht bei La-Bassée und Arras, die wohl mit zur Verleihung beigetragen haben dürfte.


Damit hätten wir jetzt das erste Kriegsjahr Anfang August 1914 - Anfang August 1915 abgearbeitet. In diesem Zeitraum gab es 44 Verleihungen des PLM, von denen nur 15 auf die Westfront entfielen. Im gleichen Zeitraum gab es auch 12 Verleihungen des Eichenlaubes, von denen jedoch nicht eine mit den Kämpfen an der Westfront in Verbindung stand.

Von den 15 genannten Verleihungen des PLM entfiel nur eine an einen "Frontkämpfer", an Leutnant Otto von der Linde. Man kann also sagen, im ersten Kriegsjahr war der PLM im Westen, und sicher auch allgemein, eine Auszeichnung für die oberen Kommandeure.
« Letzte Änderung: 31.10.13 (17:49) von IM »

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #33 am: 11.01.13 (01:00) »
Helmuth von Moltke erhielt den PLM am 7. August 1915 als Generaloberst und Chef des Stellvertretenden Generalstabes der Armee.

Moltke hatte bereits 1906 die Nachfolge von Alfred von Schlieffen als Chef des Großen Generalstabes in Berlin angetreten. Er selbst hatte aber darum gebeten, dieses Amt nicht bekleiden zu müssen, da er sich diesen Aufgaben nicht gewachsen sah. Bei Kriegsbeginn sollte er damit Recht behalten.

Es würde aber an dieser Stelle zu weit führen, daher beschränke ich mich auf den Hinweis, daß Moltke, auch besonders aus gesundheitlichen Gründen, am 14. September 1914 von der Leitung der Operationen entbunden wurde. Er blieb zwar als nomineller Chef des Generalstabes des Feldheeres im Großen Hauptquartier, aber die wirkliche Leitung übernahm Kriegsminister General von Falkenhayn. Moltke wurde quasi kaltgestellt und stand nur noch mit seinem Namen für die folgenden Ereignisse gerade.

Der Belagerung und Eroberung der Festung Antwerpen wohnte Moltke noch bei, wofür ihm der Kaiser das EK I verlieh. Am 3. November 1914 wurde er dann aber endgültig seines Amtes enthoben. Am 30. Dezember 1914 wurde er dann zum Chef des Stellvertretenden Generalstabes der Armee ernannt.

In dieser Funktion wurde ihm am 7. August 1915 der PLM verliehen. Die Verleihung erfolgte zum Jahrestag der Einnahme von Lüttich und war eine Anerkennung der Generalstabsleistungen, die den deutschen Vormarsch im Sommer 1914 erst möglich gemacht, und an denen Moltke großen Anteil gehabt hatte.

Die Verleihung an Moltke war erst der Auftakt für weitere, ähnliche Verleihungen anläßlich des ersten Jahrestages der Ereignisse aus dem August 1914.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #34 am: 11.01.13 (15:45) »
Herzog Albrecht von Württemberg erhielt den PLM am 22. August 1915 als Generaloberst und Oberbefehlshaber der 4. Armee.

Die Verleihung erfolgte rückwirkend zum ersten Jahrestag der Schlacht von Neufchâteau vom 22. bis 23. August 1914, an deren Ausgang Herzog Albrecht von Württemberg mit seinen Entscheidungen maßgeblichen Einfluß gehabt hatte.

Am 25. Februar 1918 erhielt Herzog Albrecht von Württemberg das Eichenlaub anläßlich eines Kaiserbesuches in seinem Frontabschnitt verliehen. Er war zu diesem Zeitpunkt Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Herzog Albrecht von Württemberg". Diese Funktion versah er seit dem 25. Februar 1917. Die Heeresgruppe hielt die Front in Elsaß-Lothringen ohne größere Kampftätigkeiten im Vergleich zu anderen Frontabschnitten.
« Letzte Änderung: 12.01.13 (15:55) von IM »

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #35 am: 11.01.13 (18:56) »
Kronprinz Rupprecht von Bayern erhielt den PLM am 22. August 1915 als Generaloberst und Oberbefehlshaber der 6. Armee.

Die Verleihung erfolgte rückwirkend für die Schlacht in Lothringen vom 20. bis 22. August 1914 an der Spitze der ersten 6. Armee.

Am 20. Dezember 1916 wurde dem Kronprinzen des Eichenlaub verliehen. Er war zu diesem Zeitpunkt Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe "Kronprinz Rupprecht von Bayern", die er seit dem 26. August 1916 führte. Die Verleihung erfolgte für die Somme-Schlacht.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #36 am: 12.01.13 (18:42) »
Kronprinz Wilhelm von Preußen erhielt den PLM am 22. August 1915 als Generalleutnant und Oberbefehlshaber der 5. Armee.

Als deutscher Kronprinz führte man schon als Generalleutnant den Oberbefehl über eine Armee, dies aber durchaus erfolgreich und auch nach dem Krieg mit guten Kritiken seitens anderer Befehlshaber. Die Verleihung des PLM erfolgte rückwirkend für die Schlacht von Longwy vom 22. bis 25. August 1914.

Die 5. Armee führte 1916 den Kampf um Verdun, wofür dem Kronprinzen, der noch immer im Rang eines Generalleutnants war, am 8. September 1916 das Eichenlaub verliehen wurde.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #37 am: 13.01.13 (10:11) »
Hermann von Strantz erhielt den PLM am 22. August 1915 als General der Infanterie und Oberbefehlshaber der Armeeabteilung "Strantz".

Die Führung der Armeeabteilung "Strantz" hatte er seit dem 15. September 1914. Die Verleihung des PLM an Hermann von Strantz erfolgte ebenfalls rückwirkend für die Kämpfe im August 1914. Er hatte unter anderem als Kommandierender General des V. Armeekorps ebenfalls an der Schlacht bei Longwy teilgenommen.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #38 am: 14.01.13 (19:44) »
Ludwig Freiherr von Falkenhausen erhielt den PLM am 23. August 1915 als Generaloberst und Oberbefehlshaber der Armeeabteilung "Falkenhausen".

Auch diese Verleihung erfolgte rückwirkend, in seinem Falle zum Jahrestag der Kämpfe in Lothringen, an denen Freiherr von Falkenhausen als General der Infanterie und Kommandierender General eines Korps innerhalb der 6. Armee teilgenommen hatte.

Falkenhausen verblieb mit seiner Armeeabteilung in Lothringen und erlebte mit ihr die Stellungskämpfe des kompletten Jahres 1915 und bis zum 15. April 1916. An diesem Tag erhielt er dann ein neues Kommando, unter gleichzeitiger Verleihung des Eichenlaubes.

Das dürfte die erste Verleihung des Eichenlaubes an der Westfront gewesen sein, eine Verleihung an einen Oberbefehlshaber eines doch eher ruhigen Frontabschnittes.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #39 am: 15.01.13 (12:02) »
Max von Fabeck erhielt den PLM am 23. August 1915 als General der Infanterie und Oberbefehlshaber der 1. Armee.

Doch auch diese Verleihung erfolge rückwirkend für die Kämpfe im August 1914. Max von Fabeck hatte daran als General der Infanterie und Kommandierender General des XIII. Armeekorps im Rahmen der 5. Armee teilgenommen. Besondere Verdienste hatte er sich in der Schlacht von Longwy erworben.

Nach weiteren Verwendungen im Westen und im Osten schied Max von Fabeck am 16. Dezember 1916 freiwillig aus gesundheitlichen Gründen aus dem Leben, indem er sich die Pulsadern öffnete.

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #40 am: 16.01.13 (11:42) »
Hans Gaede erhielt den PLM am 25. August 1915 als General der Infanterie und Oberbefehlshaber der Armeeabteilung "Gaede".

Diese Verleihung wäre dann mal wieder eine für Kämpfe des Jahres 1915, in seinem Fall für die seit Januar 1915 im Elsaß. Hans Gaede führte seine Armeeabteilung bis zum 3. September 1916, ehe er wegen gesundheitlicher Probleme dieser Funktion enthoben wurde. Kurz darauf verstarb er am 16. September 1916.
« Letzte Änderung: 16.01.13 (11:47) von IM »

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #41 am: 20.01.13 (13:40) »
Josias von Heeringen erhielt den PLM am 28. August 1915 als Generaloberst und Oberbefehlshaber der 7. Armee.

Diese Verleihung ist noch einmal eine, die rückwirkend für die Kämpfe im August 1914 erfolgte. Josias von Heeringen hatte als OB der 7. Armee die erfolgreiche Schlacht in Lothringen mit geführt.

Nach der Umstrukurierung der erstarrten Front führte Josias von Heeringen die neue 7. Armee. Diese kämpfte ab Ende 1914 an der Aisne. Der Generaloberst führte die 7. Armee bis zum 28. August 1916. Am gleichen Tag wurde ihm das Eichenlaub verliehen. Auch diese Eichenlaubverleihung ist, ähnlich wie die an Ludwig Freiherr von Falkenhausen, aufgrund eines Wechsels im Aufgabenbereich erfolgt. Die Front an der Aisne war im Gegensatz zu anderen Abschnitten wohl eher "ruhig".

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #42 am: 20.01.13 (19:53) »
Damit wären die Verleihungen für das Kriegsjahr 1914 wohl endgültig alle genannt. Die nächste Verleihung des PLM für die Kämpfe an der Westfront erfolgte dann erst am 13. Oktober 1915. An diesem Tag erhielt die Auszeichnung Kunon von Steuben. Er war General der Infanterie und Kommandierender General des XVIII. Reservekorps.

Das Korps führte er seit Kriegsbeginn und die Verleihung erfolgte für die Herbstschlacht in der Champagne.

Das Kriegsende erlebte Kuno von Steuben an der zusammenbrechenden Front in Mazedonien. Für die dortigen Kämpfe wurde er noch zum Eichenlaub eingereicht. Eine Verleihung erfolgte jedoch aufgrund des Kriegsendes nicht mehr.
« Letzte Änderung: 20.01.13 (19:59) von IM »

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #43 am: 22.01.13 (19:14) »
Konstantin Schmidt von Knobelsdorf erhielt den PLM am 17. Oktober 1915 als Generalleutnant und Chef des Generalstabes der 5. Armee.

Die Verleihung erfolgte für seinen Einsatz während der Herbstschlacht in der Champagne.

Konstantin Schmidt von Knobelsdorf blieb in seiner Funktion bis zum 21. August 1916 und er war so auch einer der führenden Köpfe in der Schlacht um Verdun. Am gleichen 21. August 1916 wurde ihm dafür das Eichenlaub verliehen. Er erhielt diese Auszeichnung somit früher als sein Oberbefehlshaber, Kronprinz Wilhelm von Preußen.
« Letzte Änderung: 22.01.13 (22:03) von IM »

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Re: Verleihungen des "Pour le Mérite" an der Westfront
« Antwort #44 am: 22.01.13 (21:52) »
Damit wären die Verleihungen bis Ende des Jahres 1915 durch.

Seit Beginn des Krieges bis Ende Dezember 1915 wurde der PLM insgesamt 68 Mal verliehen, davon entfielen 26 Verleihungen auf die Kämpfe an der Westfront, also weniger als 38 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurde das Eichenlaub bereits 21 Mal verliehen, jedoch kein einziges Mal für die Kämpfe im Westen.

Aufgrund der vielen nachträglichen Verleihungen anläßlich des Jahrestages der Kämpfe im August 1914 gab es bis Ende 1915 ganze 12 Verleihungen für die Kämpfe des Jahres 1915 an der Front im Westen. Hier waren es besonders die zwei großen Materialschlachten in der Champagne, in denen die Oberbefehlshaber mit dem PLM bedacht wurden.

http://forum.balsi.de/index.php/topic,7574.msg59978.html#msg59978

Allgemein blieb bis Ende 1915 die Verleihung an Leutnant Otto von der Linde wohl mehr eine Ausnahme. In den ersten 17 Kriegsmonaten blieb der PLM eine elitäre Auszeichnung für hohe Kommandeure, in erster Linie Kommandierende Generäle und Oberbefehlshaber von Armeen.
« Letzte Änderung: 31.10.13 (17:50) von IM »