Autor Thema: AK47 vs. M16  (Gelesen 20069 mal)

Offline Hero-Dude

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AK47 vs. M16
« am: 18.02.12 (12:39) »
Hallo,

kann mir jemand sagen welche von den beiden Waffen die Bessere ist?

In einem Vergleich auf youtube habe ich gesehen, dass die AK47 ziemlich unpräzise ist, im Gegensatz zum M16?!

Kann man das so stehen lassen?


Gruss

AK 74 ZF

  • Gast
Re:AK47 vs. M16
« Antwort #1 am: 18.02.12 (18:28) »
Die häufig kolportierte geringere Präzision der 7,62x39 Munition der AK-47 versus der .223er "Mickey-Maus"-Munition des M16 verleitet im Ungang mit Schützenwaffen eher unerfahrene "Nicht-Sturmgewehr-Schützen" (ohne Vergleichsmöglichkeit) zu einseitigen Urteilen/Einschätzungen und ahnungslose "Spezialisten" zu manchmal eher lächerlichen Aussagen.

Da beide Waffen während des Vietnamkrieges das erstemal so richtig aufeinandertrafen (obwohl die AK-47 die ältere der beiden Waffen ist), werden sie natürlich häufig miteinander veglichen. Das Problem dabei ist daß beide Waffen ihre Vor-/Nachteile haben. Hinsichtlich der von Dir gestellten Frage zur Präzision wie folgt. Die .223er Munition des M-16 besitzt die höhere Vo/ Rasanz und gestrecktere Flugbahn. Das sorgt dafür daß sie im Bereich bis ca. 250-300 Meter sowohl die höhere Präzision besitzt und auch die Waffe im Feuerstoß, Aufgrund des geringeren Rückstoßes des M-16, ruhiger liegt und somit die Streuung der Waffe geringer ist. ... Soweit so gut. ...  (Hinsichtlich Vergleich im ähnlichen Kaliber AK-74 5,45x39 und M-16 5,56x45 ist, sowohl hinsichtlich Ballistik wie Zuverlässigkeit, eindeutig die AK 74 die überlegene/bessere Waffe. Wobei sich beide Waffen beim Schießverhalten und auch den Trefferleistungen auf 300 Meter nicht viel nehmen.)

Nun zum Vergleich/Problem der AK 47 (7,62x39) mit dem M-16 (5,56x45)

Die .223er Patrone (die ersten Varianten waren übrigens durch ihren schlechten Masseschwerpunkt/Hecklastigkeit für ihre geringe Flugstabilität und extrem leichte Beeinflußbarkeit ihrer Flugbahn durch Laub, Gras, Äste etc. bekannt) baut allerdings oberhalb 300 Meter hinsichtlich Stabilität, Auftreffenergie/Durchschlagsleistung und auch durch ihre höhere Anfälligkeit gegenüber Seitenwind durch ihr geringes Gewicht und die nachlassende Geschwindigkeit stark ab. ... Die 7,52x39 mm Patrone der AK-47 besitzt eine geringere Anfangsgeschwindigkeit und durch die höhere Erhebung der Flugbahn eine geringere Präzision und auch Trefferwahrscheinlichkeit. Wobei diese geringere Präzision in der hauptsächlichen Einsatzreichweite beider Waffen (günstigste SE/Einsatzentfernung/Hauptkampfentfernung bis 300 Meter ... im "verzahnten" Gefecht sogar noch darunter) keine große Rolle spielt. Die Entfernung des direkten Schusses auf liegende Schützen (bei welchem die Flughöhe des Geschosses die Höhe des Ziels nicht überschreitet) der AK-47 betrug 300 (330) Meter. Und das Treffen einer Scheibe liegender Schütze (50 breit, 50 hoch ... dabei oben im Kopfbereich schmaler) auf 250-300 Meter Entfernung erfolgte bei meinen Soldaten fast immer mit dem ersten Feuerstoß !!! ... Dazu muß man wissen daß man bei der NVA den kurzen Feuerstoß (max. 2-3 Schuß) als Schießtechnik trainierte. Dies hatte mehrere Hintergründe. Zum einen den daß lt. Streuung/Treffwahrscheinlichkeit auf diese Entfernung teoretisch 2-3 Patronen "berechnet" waren (ein normal guter Schütze traf "verbotenerweise" Einzelfeuer schießend diese Ziele durchaus gut und sicher mit einer Patrone), zum zweiten daß man angesichts der geringeren Trefferwahrscheinlichkeit im realen Gefecht (durch gegnerisches Feuer von Schützenwaffen, Ari, Panzern etc. neigt der Soldat dazu sich nur kurz dem gegnerischen Feuer auszusetzen und "schnell" und eher grob gezielt zu schießen um schnell wieder den Kopf in die Deckung einzuziehen) auf eine hohe Feuerdichte sowie Ausnutzung der natürlichen Streuung setzte um Ziele zu vernichten. Die AK 47 war durch ihre rückstoßarme Kurzpatrone in solchen kurzen Feuerstößen (im Gegensatz zum G-3, welches dafür allerdings die bessere Präzision im Einzelschuß besaß), sowohl im Angriffs- wie Verteidigungsgefecht in kontollierten Feuerstößen (linke untere Kante anhalten und der Feuerstoß zog rechts hoch durch das Ziel), eine ausreichend treffsichere und auch hinsichtlich ihrer Durchschlagsenergie völlig ausreichende Waffe. ... Die heute häufig zu lesende Aussage daß man mit ihr Aufgrund ihrer "geringen Präzision" auf weitere Entfernungen angeblich nichts treffen könne ist ausgemachter Blödsinn ! ... Die ersten Ziele in den Kontollübungen der Mot-Schützen/Akl/Fj, liegender Schütze und eine MG-Scheibe waren i.d. R. auf 200-250 Meter und fielen fast immer in den ersten beiden Feuerstößen. ... Mit der AK 74 (Kalibermäßig eher dem M-16 vergleichbar) bekämpfte man mit Feuerstößen laufende Schützen in Schrägfahrt zwischen 450 und 550 Metern ... und auch da wurde ... trotz der offenen Visierung mit Kimme und Korn (unpräziser als eine Loch-/Dioptervisierung ... dafür im Gefecht "schneller" in der Zielauffassung) ... die Zielgruppe durch erfahrene Schützen i.d.R. "vernichtet".

Mit einer 7,62x39 Kurzpatrone auf dem Schießstand auf 100 oder 300 Meter gegen eine .223er im Kampf um geringe Streukreise anzutreten ist verlorene Liebesmüh. Wenn es um Streukreise im "Milimeterbereich" bei Wettkämpfen geht ist die AK-47 gegen eine gut eingeschossene M-16 keine gute Wahl. Im offenen Gelände, mit Wind und realen Gefechtsbedingungen wo es reicht das "Ziel" mit ausreichender Präzision (Plus/Minus ein paar Zentimeter) in den "lethalen Zonen" zu treffen, würde ich dagegen jederzeit die AK-47 (noch besser AK 74) bevorzugen. ... Im übrigen, ähnlich der stärkeren (dadurch aber auch Rückstoßintensiveren) NATO-Standardpatrone, ist das schwerere Geschoß der AK-47 auf Entfernungen oberhalb 250/300  Meter "durchschlagsintensiver" als die leichtere "Micky-Maus"-Munition, da sie bei nachlassender Geschwindigkeit der Geschosse aufgrund des höheren Geschoßgewichtes über höhere Auftreffenergie verfügt bzw. beim Durchschlagen von Deckungen weniger Energie verliert und trotzdem im Ziel ausreichend viel Energie abgibt. ... Ich möchte auf 300 Meter weder vom Stahlkerngeschoß einer 7,62er AK, einer AK-74 (5,45x39) oder .223er M-16 (5,56x45) getroffen werden ! ... Das Ergebis ist definitiv "final".
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Übrigens zur Frage "bessere" Waffe. ... Das amerikanische GIs (und auch andere Soldaten), sowohl in Vietnam als auch im Irak, Afghanistan und anderen Konflikten sehr häufig ihre M-16 (und Nachfolger) auf dem Fahrzeug lassen und mit AK-47 kämpfen ... da dies die zuverlässigere und auch (hinsichtlich Deckungen) durchschlagssichere Waffe ist ... dürfte Deine Frage beantworten. ... Trotz geringerer Präzision ist die AK 47 hinsichtlich ihrer Trefferleistungen als "Kriegswaffe" völlig ausreichend.

Vorteile M-16: geringeres Gewicht der Waffe, kleineres Kaliber (dadurch auch geringeres Gewicht der Munition/Magazine), höhere Anfangsgeschwindigkeit und dadurch gestrecktere Flugbahn der Geschosse und dadurch höhere Präzision, sehr gute Treffwahrscheinlichkeit, geringer Rückstoß, stabile Lage im Feuerstoß,kompakte Bauweise, gutes "Zubehör" (von Magazin-Clips, Anbau von Zielhilfen, ZF, NSG, Lampen usw.), relativ kurze Magazine  
Nachteile M-16 : Neigung zu Störungen und geringere Robustheit/Zuverlässigkeit, neigt dazu bei Verschmutzung durch den geringen Rückstoß Patronen schlecht zuzuführen/auszuziehen (Ladehilfe/Ausstoßer re an der Seite als "Abhilfe"), Anfällig gegen Sand, Schlamm, zuviele mickrige Kleinteile (bei Notwendigkeit des Zerlegens unter Streß Gefahr des Verlustes von Bolzen) leichteres Gewicht der Geschosse und höherer Energieabfall, geringere Durchschlagskraft bei Deckungen usw. (dadurch eher Querschläger/Abpraller ... im Häuserkampf nicht immer nur Nachteil -> "Flurfegen"/Abprallerschießen), geringes Gewicht der Waffe beim Schießen unter Belastung negativ ("Zittern"), hohe Visierlinie (dadurch häufig Kopfschüsse bei den GIs beim Schießen über Deckungen)

Vorteile AK 47 : extrem Robust/Zuverlässig, kaum Anfällig für Störungen, Dreck, Schlamm, Nässe, mangelnde Pflege ... "Null-Problemo", wenige Bauteile, leichtes Zerlegen in die Hauptteile (dabei nix verbummelbare Kleinteile) leicht bedienbar und  zu warten, ausreichende Präzision, gute Treffwahrscheinlichkeit, gute Durchschlagsleistung und geringerer Energieabfall der Geschosse, durch ihr Gewicht gute Lage beim Schießen und gute Aufnahme des Rückstoßes, Schiene für NSG/ZF, niedige Visierlinie
Nachteile AK 47 : geringere Vo und höhere Flugbahn dadurch geringere Präzision, höheres Gewicht als das M-16, höheres Gewicht der Munition/Magazine, höherer Rückstoß und Auswandern (kontolliert nach oben rechts) der Waffe im Feuerstoß, relativ langes Magazin (stört beim Liegendanschlag -> hinter Deckung selten problematisch ansonsten "Magazinloch" ausheben oder eben leider etwas höherer Liegendanschlag)

Vor-/Nachteil der Visierung:

M16 : Lochkimme(Diopter) und Korn ... Vorteil hinsichtlich Genauigkeit, Nachteilig hinsichtlich Schnelligkeit beim Schießen auf schnell auftauchenden Zielen usw. und Nachteilig bei Dämmerung/Nacht, Nachteilig bei schneller Zielauffassung (Fokussierung auf die Lochblende und dadurch geringere Übersicht und Einschränkung des Sichtfeldes)
AK 47 : Kimme und Korn ... etwas ungenauer dafür schneller ... insbesondere beim Schießen auf schnell auftauchende Ziele und bei Nacht, schnelle Zielauffassung und mehr seitliche Übersicht
Das Schießen (incl. Schießausbildung) mit Kimme und Korn ist etwas schwerer und auch schwieriger auszubilden als das mit Lochkimme/Diopter. Beiden Waffen gemeinsam die relativ kurze Visierlinie.

Über die Aussage vieler "Counterstrike- und Internetwaffenexperten" daß man mit der AK 47 oberhalb 100/200/300 Metern, wegen ihrer angeblich geringen Präzision, nix sicher treffen könne kann ich als ehemaliger "intensiver" Nutzer dieser Waffe nur lächeln. In der Einsatz- und Kampfentfernung der AK 47 bis 300/400 Meter (je nach Einsatztaktik) ist ihre Präzision völlig ausreichend. ...  Ob nunmit K98, Mosin-Nagant-Gewehr, AK 47, AK 74, G3, M16 auf 300/400 Meter (und je nach Waffe, Visierung und Feuerart sowie Mun-Vorrat) auch auf größere Entfernung ... ist das Treffen "weicher Ziele" für gute Schützen kein Problem.

Hinsichtlich Vergleich Präzision/Streukreise etc. (zumeist hinsichtlich Sportschießen) gibt es genügend Material in den Zeitschriften Visier, DWJ, Kaliber oder auch im Internet. Die Aussage daß das M-16 präziser schießt als die 7,62er AKs ist zumindest ... um Deine Frage kurz zu beantworten ... richtig. Was aber eben nicht heißt daß es damit die bessere Waffe (insbesondere "Sturmgewehr"/"Automat"/"Assault Rifle") ist. Es kommt auch auf die Verwendung der Waffe an. ... (Es muß bei einem Sturmgewehr eben nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig sein.)

Über beide Waffen gibt es Bücher und Fachbeiträge ohne Ende. Dazu kommt noch daß es bei Waffen auch eine Frage der Präferenz, Einsatz-/Verwendungszweck, taktischen Einsetzbarkeit je nach unterschiedlicher Ausbildung, Einsatztaktik, usw. ist. Im Einsatz haben sich beide Waffen bewährt und wurden auch weiterentwickelt. Wobei Eugen Stoner (der Konstrukteur des M-16) in Interviews größte Hochachtung vor Michael Kalschnikow besitzt und Respekt und Anerkennung für dessen Waffe, insbesondere hinsichtlich Einfachheit, Robustheit, Zuverlässigkeit äußert. ... Stoner wurde Millionär, Michail Kalaschnikow hat inzwischen zumindest eine auskömmliche Rente. ;)

Sorry für den etwas langen ... und hinsichtlich Lesbarkeit, Verständlichkeit etwas "durcheinanderigen" Beitrag. Ist mir leider auch net gelungen manche Aussagen so richtig eindeutig leicht begreiflich darzustellen. Da wäre so einiges sicher auch diskutabel oder müßte (hinsichtlich "Für und Wider" und Praxisrelevanz) viel besser erklärt werden. :(

AK 74 ZF - inzwischen nur noch Sportschütze -
« Letzte Änderung: 18.02.12 (18:35) von AK 74 ZF »

Offline Hero-Dude

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Re:AK47 vs. M16
« Antwort #2 am: 20.02.12 (19:42) »
Hallo,

ich danke Dir vielmals!!

Gerade die Ausführlichkeit und die einzelnen Punkte der Verwendung etc. haben mich weitergebracht, bzw. meine Fragen beantwortet.

Danke!!

Gruss
Torben