Autor Thema: Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division  (Gelesen 8032 mal)

JG301_Bandit

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Hallo zusammen,

ich schreibe im kommenden Jahr eine wissenschaftliche Arbeit (Bachelorarbeit) - unter anderem über die Polizei-Division, in der Folge ja auch 4.SS-Polizei-Division bzw. 4.SS-Polizei-Panzergrenadier-Division.

Hierfür wäre es natürlich sehr förderlich, wenn ich bezüglich meiner Fragestellungen noch Kontakt zu dem ein oder anderen Zeitzeugen bekommen würde. Natürlich bin ich mir durchaus bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür sehr gering ist.

Nichtsdestotrotz will ich mein Glück versuchen. Ich wohne im Süddeutschen Raum, bin aber auch gerne bereit, einen längeren Weg auf mich zu nehmen.
Ich hoffe also dass mir jemand mit einer Adresse, einer Telefonnummer oder einer Email Adresse weiter helfen kann.

Des Weiteren dürfen sich hier auch mal alle selbsterklärten Experten zu dieser Einheit melden. Es wird mit Sicherheit die ein oder andere Frage aufkommen ;)

Grüße,

Bandit

Offline uwys

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #1 am: 25.11.10 (21:19) »
Hallo,
Literatur ist bekannt?
z.B. "Die guten Glaubens waren" von Husemann
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Offline Balsi

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #2 am: 25.11.10 (22:05) »
wie ist denn das genaue Thema?

JG301_Bandit

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #3 am: 26.11.10 (11:08) »
Husemann ist bekannt, der erste Band befindet sich gerade in Bearbeitung ;) Falls dir hinsichtlich der folgenen Themendarstellung bessere Titel einfallen habe ich alle Lauscher offen.

Das genaue Thema sagt auch nicht viel mehr und ist sehr allgemein gefasst. Ich habe jedoch in Absprache mit meinem Dozenten Schwerpunkte gesetzt.
Diese Schwerpunkte liegen auf:

1. Personalrekrutierung: Wer waren die Angehörigen? Husemann hierzu: Das Offizierskorps sowie das Unteroffizierskorps wurde wohl (nahezu) ausschließlich von Polizeibeamten gestellt, die für die Dauer des Krieges von ihren Heimatdienststellen abgeordnet waren. Die Mannschaften wurden zu Beginn von 17000 ungedienten Rekruten der Ersatzinspektionen gestellt. Wenn ich das richtig verstehe, sind diese auch der Polizei zuzuordnen, weshalb diese Rekruten ebenfalls den Beamtenstatus haben müssten. Korrigiert mich, wenn ich hier falsch liege. Denn bei der Besprechung zur Aufstellung der Division bei Himmler war die Rede davon, dass die Mannschaften größtenteils vom Heer gestellt werden sollte.

Des weiteren sind bisher hier noch offen: Die Division wurde mindestens einmal nahezu komplett aufgerieben. Woher stammte der Nachschub des Personals? Polizei? Wehrmacht? SS? Beim groben Überfliegen von Band 1 habe ich bei Husemann hierzu nichts gefunden.

Des weiteren wäre noch wichtig für mich, die Persönlichkeit des Bewerbers anzusprechen. Haben sich hier viele bei der Polizei beworben, um dem Kriegsdienst an der Front zu entgehen? Und landeten hier dann durch Abordnung trotzdem an der Front? Wurden die Polizeibeamten nach bestimmten Kriterien ausgewählt? Bei dem 101. Polizei Reservebataillon habe ich z.B. von einer speziellen Auswahl des Personals zur geplanten Vollstreckung von Kriegsverbrechen (Hinrichtungen, Deportationen) gelesen.


2. Verstrickung in Kriegsverbrechen: Der bekannteste Fall hierzu ist wohl Distomo '44. Hier suche ich noch nach weiteren Beteiligungen der Einheit an Kriegsverbrechen. Da Teileinheiten in Griechenland die Aufgabe der Partisanenbekämpfung hatte, war, wenn man ehrlich ist, ein Kriegsverbrechen bei entsprechender Partisanenaktivität früher oder später vorherzusehen.

In diesem Zusammenhang will ich auf die Gründe eingehen, wie es zu genau diesen Kriegsverbrechen kommen konnte. Durch die Erkenntnisse der Täterpsychologie will ich versuchen, hierzu eine Erklärung zu finden.  Hierzu dient mir bisher das englische Buch "On killing" von Dave Grossman. Da es für mich doch nicht so einfach ist, mich durch das englische Buch zu kämpfen, wäre ich hier für ähnliche Titel in deutscher Sprache dankbar.


Vielen Dank für Euer Interesse!


Offline uwys

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #4 am: 26.11.10 (17:50) »
Kriegsverbrechen ist ein mehr als heikles Teham!
Vor allem bei der Partisanenbekämpfung, die ja meist selbst aus dem Hinterhalt und ohne iregendwelche Rüchsichtnahme kämpften.
Dies wäre meiner Meinung nach ein eigenes Thema, wobei vielleicht eine genauere Erörterung nicht willkommen wäre.
uwys
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Offline Balsi

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #5 am: 26.11.10 (20:05) »
also bei sowas empfhele ich immer sich auch mal Gedanken darüber zu machen viell. auch einen Mikrofilm zur Division zu besorgen. Da ist Original-Material enthalten. bis zu 1500 Seiten.. da kann ein Husemann nicht mithalten (zumindest bis 1944 nicht).

Grundsätzlich ein hochinteressantes Thema...und schön das sich ein Dozent dafür bereiterklärt.. Ich habe meine Bachelorarbeit zum Thema Bergung von Kriegstoten geschrieben, da gab es fast nichts an Material (veröffentlicht).. Welche Uni ist es denn?

Veteranen der SS-Polizei-Division finden sich viell. eher über die zeitung "Der Freiwillige". Allerdings würde ich dazu eher nicht raten wollen. Die Arbeit muss ja wissenschaftlich sein und dann muss auch wissenschaftliches Material verwendet werden. Leider ziehe ich gerade um und meine Literatur ist in irgendeiner der 70 Kisten. Es gibt eine Arbeit zur Waffen-SS und da wird auch auf die Polizei-Division eingegangen.

Wann ist denn Abgabetermin?

Offline byron

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #6 am: 26.11.10 (21:59) »

Der Kdr. des SS-Pol.Pz.Gren.Rgts.7, Standartenführer Schümers, befahl die totale Zerstörung und Ermordung der Einwohner der Dörfer Klissura (04.04.1944, 272 Tote) und Distomon (10.06.1944, 223 Tote). Er ist  am  18. August 1944, bei einem Minenanschlag der Partisanen, vor Arta umgekommen.

Mitverantwortlich für  Distomon waren:

Hstuf. Rickert, Hstuf. Lautenbach, (Kp.Chef der 2. Kp.), Stubaf. Zabel, Kdt. von Lewadia, Hstuf. Köpfner, Hscha. Wilhelm Janz, Vize-Kdt. der G.F.P. von Lewadia und der G.F.P. Angehörige von Lewadia Sekretär Karl Paar.

Die Vernichtung von Klissura  führte Stubaf. Günther Ortmann Kdr. III./SS. Pz.Gren.Rgt. 7 am 05.04.44 mit dem Kdt. der Stadt Florina, Hptm. Komp, aus.

siehe

http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/schlimmer-als-der-satan-322633/

JG301_Bandit

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #7 am: 27.11.10 (20:38) »
Vielen Dank für die weiteren Antworten.

Zunächst: Was ist unter einem Mikrofilm zu verstehen? Augenscheinlich kein Film, wenn er aus 1500 Seiten besteht ;) Und so etwas gibt es zur Polizei-Division? Wo bekomme ich das? Wer ist der Autor dieses Mikrofilms bzw. woher stammen die Daten genau? Aus archivierten Unterlagen? Und wo spielt man so einen "Film" ab?

Ich schreibe die Bachelorarbeit an der Hochschule für Polizei in Villingen Schwenningen. Abgabetermin ist Anfang Oktober 2011 - ich will allerdings bis Juli fertig werden, dass ich die freien Tage im Sommer, welche eigentlich für die Bearbeitung vorgesehen sind, frei habe.

Erklär mir mal bitte warum es nicht wissenschaftlich ist, wenn ich eine Befragung von einem Zeitzeugen durchführe? Meinst du weil ich wenn überhaupt nur eine Aussage bekomme und diese mangels Vergleich nicht repräsentativ ist?


Offline Leutnant

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #8 am: 28.11.10 (07:57) »
Einer der Experten zu dieser Thematik ist Prof. Dr. Wegner an der Helmut Schmidt Universität! Wenn ich mich richtig erinnere, ist zur Rekrutierung von SS Personal auch ein Beitrag in seinem Buch "Hitlers politische Soldaten".

Offline Balsi

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #9 am: 28.11.10 (09:24) »
zum Mikrofilm:

http://downloads.sturmpanzer.net/guides/NARA_T733_R7_Guide_75.pdf
ab Seite 162 beginnen die Angaben zur Polizei-Division

diese Filme (Mikrofilme) enthalten die originalen Unterlagen der Division. Hier findest Du weitere Angaben zum Procedere: http://forum.balsi.de/index.php?topic=6162.0

Ich kann es einfach nur empfehlen. Kein Buch kommt an diese Informationsfülle heran, da diese Sachen keine Sekundärquellen sind, sondern Primärquellen

Würde mich auch beteiligen wollen.

@ Leutnant...danke..genau dieses Buch meinte ich.

Zu Veteranen... letztlich hat ein Mann kaum einen guten Überblick. Er kann über die eigene Geschichte erzählen, die Frage ist nur, ob dies dann auch als allgemein gültig anerkannt werden kann. Grundsätzlich sind Befragungen von Zeitzeugen, immer sehr interessant...ob sie allerdings zur Untermauerung von wissenschaftlichen Thesen hernazuziehen sind, halte ich nicht wirklich für glücklich.

Bspw. über "Der Freiwillige" zu gehen.. ist darum etwas prekär, weil Du evt. dies auch als Quelle bzw. Literatur angeben müsstest, womit Deine Arbeit vielleicht nicht ganz so zum "glänzen" kommt. Das Heft gilt als rechtsextrem.

Zur Einheitsgleiderung empfehle ich zunächst einmal das hier:

Die Waffen-SS und Polizei, 1939-1945 Führung und Truppe - da hast Du eine Stellenbesetzung und die Einheitsgeschichte, denn es ist gerade bei der SS-Poliozei-Division hoch interessant und wichtig, herauszuarbeiten wann es eine Polizei-Division und wann es eine SS-Polizei-Division war.

Dies hier ist auch ganz interessant: Freispruch für das Mord-Bataillon. Die NS-Ordnungspolizei und die Nachkriegsjustiz

Offline Ronny22

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #10 am: 28.11.10 (10:57) »
Bei dem 101. Polizei Reservebataillon habe ich z.B. von einer speziellen Auswahl des Personals zur geplanten Vollstreckung von Kriegsverbrechen (Hinrichtungen, Deportationen) gelesen.

Da Gegenteil war der Fall! Also in dem Buch "Ganz normale Männer" von Christopher Browning stellt der Autor eindeutig fest:

War ein solches Ausleseverfahren - die sorgfältige Auswalhl von für den Massenmord besonders geeignetem Personal - auch für die Zusammensetzung
des Reserve-Polizeibataillons 101 bestimmend?
Im Hinblick auf die Mannschaften muß diese Frage mit einem eingeschränkten Nein beantwortet werden. Von den meisten Kriterien her gesehen war eigentlich
genau das Gegenteil der Fall. Nach Alter, regionaler und sozialer Herkunft waren die Männer des Reserve-Polizeibataillons 101 alles andere als geeignetes
"Material" zur Heranbildung zukünftiger Massenmörder.


...

Mit anderen Worten. das Reserve-Polizeibataillon 101 wurde nicht etwa deshalb zur Ermordung von Juden nach Lublin geschickt, weil es aus Männern bestanden hätte, die eigens für diese Aufgabe ausgewählt worden waren, weil sie als besonders geeignet galten. Vielmehr fand sich im Bataillon der Rest der in diesem Stadium des Krieges verfügbaren Einsatzkräfte, und es wurde zur Vernichtung von Juden nur herangezogen, weil es die einzige Einheit war, die für eine solche Aufgabe hinter den Linien zur Verfügung stand.


Quelle: Christopher R. Browning "Ganz normale Männer" -  Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die Endlösung in Polen



Wird in deiner Arbeit auch der Themenkomplex behandelt was aus den "Tätern" geworden ist und wieso viele einfach wieder in der Polizeidienst übernommen worden sind? ...
« Letzte Änderung: 28.11.10 (22:35) von Balsi »
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JG301_Bandit

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #11 am: 30.11.10 (12:59) »
Was aus den Tätern nach dem Krieg geworden ist wird vermutlich nicht abgehandelt werden, da es den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

Okay - 120 € für einen Mikrofilm. Ist halt die Frage ob ich wirklich die Informationen darin finde, welche ich suche. Vor allem vor dem Hintergrund, dass nach '43 wohl kaum Originalmaterial vorhanden ist.
Im Grunde genommen ist für mich nur folgendes interessant:
1. Personalauswahl und Zusammensetzung - und zwar nicht nur bei der Aufstellung zu beginn des Krieges, sondern während des ganzen Krieges. Hierfür habt ihr mir ja schon einen Buchtipp gegeben. Hat jemand Erfahrung mit den Mikrofilmen hinsichtlich der Frage, ob der Weg des Personalnachschubs hier dargelegt wird?
2. Ein kurzer Überblick über die Aufgaben und Tätigkeiten der Division von 1939 bis 1945 - mit dem Ergebnis, dass es sich in der Hauptsache um eine Einheit handelt, die größtenteils an der Front gekämpft hat. Die Division hat folglich bis auf Ausnahmen in Frankreich und Griechenland keine polizeilichen Aufgaben oder Aktionen zur Befriedung des Besetzten Landes durchgeführt. Korrigiert mich wenn ich falsch liege - ich bin noch am Anfang meiner Recherchen.
3. Wie konnte es zu den von der 4.Pol.Div. begangenen Kriegsverbrechen kommen? Und zwar hauptsächlich aus psychologischer Sicht. Evtl. kann ich auch anführen, dass sich die Personalzusammensetzung entscheidend geändert hat und dadurch Kriegsverbrechen begünstigt wurden?

Eurer Erfahrung nach - wird mir ein Mikrofilm hierbei eine Hilfe sein oder lohnt die Anschaffung nicht?

Wisst ihr, ob diese Mikrofilme auch zum Verleih angeboten werden? Von einer Bibliothek oder einem Archiv vielleicht?


Offline Balsi

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Re:Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #12 am: 30.11.10 (22:40) »
nur schnell meine Antwort bzgl. der Mikrofilme...Du kannst diese Filme im Bundearchiv auf jeden Fall am Dienstort Berlin einsehen. Vorher anmelden und spezifizieren. Wie es an anderen Dienstorten aussieht, weiß ich leider nicht. Dabei kannst Du dann auch Kopien machen lassen. Aber halt teurer. Zumindest aber den Vortel, daß Du reinschauen kannst.

Grundätzlich würde ich sagen, das zu Personalangelegenheiten wie Du sie suchst, wohl eher weniger enthalten sein wird.
Dann wären viell. Filme vom Hauptamt..oder von Polizeibehörden eher interessant.

Die Filme finde ich dann schon interessanter für Deine Thematik:

http://downloads.sturmpanzer.net/guides/NARA_T733_R2_Guide_32.pdf
http://downloads.sturmpanzer.net/guides/NARA_T733_R2_Guide_33.pdf


Nachfahre

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Re: Suche Angehörige / Zeitzeugen der Polizei-Division
« Antwort #13 am: 11.08.17 (05:36) »
Hallo Bandit,

was ist aus deiner Arbeit geworden ? Interessiere mich sehr für das Thema, denn mein Großvater war Teil der Polizei-Division. Kannst du mir evtl. Kopien davon schicken ?

Beste Grüsse
ein Nachfahre