Autor Thema: Hochausgezeichnete des Sanitätswesens  (Gelesen 126845 mal)

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #60 am: 20.01.10 (19:20) »
Jetzt schreibe ich doch mal etwas ausführlicher über die Tat von Dr. Heinrich Neumann, die zu seiner Ritterkreuzverleihung führte.

Dr. Neumann sprang am frühen Morgen des 20. Mai 1941 mit der ersten Welle über Kreta ab. Er sprang gemeinsam aus einem Flugzeug mit Generalmajor Eugen Meindl, dem Kommandeur des Fallschirmsturmregimentes, und Hauptmann Walter Gericke, dem Kommandeur des IV. Bataillons. Die drei sprangen ihren Fallschirmjägern voraus auf ihren Landeplatz nahe des Dorfes Tavronitis.

Bei Tavronitis sammelte sich die Absprunggruppe anschließend, sie war einigermaßen geschlossen abgesprungen. Generalmajor Meindl übernahm die Führung über die Kampfgruppe des IV. Bataillons. Angriffsziel war eine nahegelegene Brücke.

Dr. Neumann blieb mit der Sanitätsstaffel zurück und richtete den Hauptverbandsplatz ein. Kurz darauf traf die Meldung ein, Generalmajor Meindl sei schwer verwundet worden. Dr. Neumann selbst eilte nach vorn, um seinen Kommandeur zu versorgen.

In dieser ersten Phase des Kampfes hatten Dr. Neumann und seine Sanitätsdienstgrade sofort ihre eigentliche Aufgaben übernommen. Die Ausfälle waren hoch und ihr Einsatz rettete vielen Fallschirmjägern das Leben.

Der Zustrom an Verwundeten wurde immer größer. Durch die Informationen, die auf diese Weise ebenso zum HVP kamen, kam auch Dr. Neumann zu der Erkenntnis, daß der Angriff alles andere als planmäßig verläuft. Ganze Einheiten der Fallschirmjäger wurden aufgerieben. Auch die Feindlage schien eine andere zu sein als vermutet.

Als die Info eintraf, daß noch viele Verwundete in einem britischen Zeltlager südlich des Flugplatzes Malemes unversorgt und unter Beschuß lägen, machte sich Dr. Neumann mit nur zwei Begleitern selbst auf den Weg. Am Zeltlager angekommen, bemerkte Dr. Neumann, daß sich auf einer Höhe rechts davon britische Artillerie befindet, die das Zeltlager und die vorderen deutschen Stellungen am Flugplatz Malemes unter Feuer hält, es handelt sich um die Höhe 107. Dr. Neumann und seine beiden Begleiter begaben sich in dieses Artilleriefeuer, um die Verwundeten zu versorgen. Durch dieses Vorbild kamen weitere Fallschirmjäger zum Vorschein, es handelte sich um Versprengte des I. Bataillons. Gemeinsam werden alle Verwundeten geborgen und versorgt.

Der Flugplatz Malemes befand sich in britischer Hand, und würde es auch bleiben, solange die britische Artillerie auf der Höhe 107 saß und das Gelände kontrollierte. Dr. Neumann erkannte dies. Er beschloß die Initiative zu ergreifen und die Höhe zu erstürmen. Dafür sammelte er unter den Versprengten einige Freiwillige um sich und verständigte das Regiment von seinem Vorhaben.

Der Sturm auf die Höhe 107 begann am Nachmittag mit lediglich 15 Mann. Was weiter geschah, da fasse ich mich einmal kurz. Es gelang, die wichtige Höhe in deutschen Besitz zu bringen und auch zu halten. Diese selbständige Entscheidung von Dr. Neumann brachte entscheidende Ergebnisse für den weiteren Verlauf der Kämpfe im Raum Malemes.



So, dies ist jetzt jedoch lediglich ein auf die Schnelle zusammengetragener Überblick der Ereignisse, ...

Balsi

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #61 am: 21.01.10 (08:33) »
also in erster Linie sind Sanitäter Soldaten....erst in Zweiter Sanitäter....

Nomen Nescio

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #62 am: 21.01.10 (11:24) »
1. Dr. Neumann blieb mit der Sanitätsstaffel zurück und richtete den Hauptverbandsplatz ein. Kurz darauf traf die Meldung ein, Generalmajor Meindl sei schwer verwundet worden. Dr. Neumann selbst eilte nach vorn, um seinen Kommandeur zu versorgen.

In dieser ersten Phase des Kampfes hatten Dr. Neumann und seine Sanitätsdienstgrade sofort ihre eigentliche Aufgaben übernommen. Die Ausfälle waren hoch und ihr Einsatz rettete vielen Fallschirmjägern das Leben.

Der Zustrom an Verwundeten wurde immer größer. Durch die Informationen, die auf diese Weise ebenso zum HVP kamen, kam auch Dr. Neumann zu der Erkenntnis, daß der Angriff alles andere als planmäßig verläuft. Ganze Einheiten der Fallschirmjäger wurden aufgerieben. Auch die Feindlage schien eine andere zu sein als vermutet.

Als die Info eintraf, daß noch viele Verwundete in einem britischen Zeltlager südlich des Flugplatzes Malemes unversorgt und unter Beschuß lägen, machte sich Dr. Neumann mit nur zwei Begleitern selbst auf den Weg. Am Zeltlager angekommen, bemerkte Dr. Neumann, daß sich auf einer Höhe rechts davon britische Artillerie befindet, die das Zeltlager und die vorderen deutschen Stellungen am Flugplatz Malemes unter Feuer hält, es handelt sich um die Höhe 107. Dr. Neumann und seine beiden Begleiter begaben sich in dieses Artilleriefeuer, um die Verwundeten zu versorgen. Durch dieses Vorbild kamen weitere Fallschirmjäger zum Vorschein, es handelte sich um Versprengte des I. Bataillons. Gemeinsam werden alle Verwundeten geborgen und versorgt.

2.
Der Flugplatz Malemes befand sich in britischer Hand, und würde es auch bleiben, solange die britische Artillerie auf der Höhe 107 saß und das Gelände kontrollierte. Dr. Neumann erkannte dies. Er beschloß die Initiative zu ergreifen und die Höhe zu erstürmen. Dafür sammelte er unter den Versprengten einige Freiwillige um sich und verständigte das Regiment von seinem Vorhaben.

Der Sturm auf die Höhe 107 begann am Nachmittag mit lediglich 15 Mann. Was weiter geschah, da fasse ich mich einmal kurz. Es gelang, die wichtige Höhe in deutschen Besitz zu bringen und auch zu halten. Diese selbständige Entscheidung von Dr. Neumann brachte entscheidende Ergebnisse für den weiteren Verlauf der Kämpfe im Raum Malemes.
Hier ist also genau den Fall, wobei dieser Arzt allen Artikeln zuwider handelte.
Er verrichtete medizinische Diensten. Hat vllt sogar dadurch militärische Kenntnisse bekommen. Und betätigte sich danach als Soldat am Kampf.

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #63 am: 21.01.10 (11:53) »
Er war von Anfang an Soldat. Man kann einfach keinen Unterschied machen zwischen Rettungs- und Kampfeinsatz in seinem Fall ziehen. Wie Balsi ebenfalls schon sagte, er war zuerst Offizier, dann Arzt.

Die Aufgabe eines Arztes ist es doch, Leben zu retten. Bleiben wir doch bei seinem Fall. Mit der Erstürmung des Hügels hat er sicher Leben gerettet, das Leben seiner Kameraden, die sonst weiterhin unter britischem Beschuß gestanden hätten.

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #64 am: 23.01.10 (09:05) »
Dann mache ich mal weiter mit dem nächsten Namen:

Dr. med. Horst Wilcke

geboren am 11. Dezember 1911 in Danzig
verstorben am 20. Januar 1995 in Rockenhausen

Dr. med. Wilcke erhielt das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 25. Juli 1942 als Oberarzt und Truppenarzt  im III.Bataillon / Infanterieregiment 120 (mot.) / 60. Infanteriedivision (mot.)


Auch hier kann ich wieder mit einer kleinen Info dienen, wofür die Auszeichnung erfolgte.

In der Grafinger Zeitung vom 31. Juli 1942 findet sich dazu ein kleiner Artikel:

"Oberarzt d.R. Dr. Horst Wilcke übernahm in der Kesselschlacht von Charkow, als die Bolschewisten im Abschnitt einer Division plötzlich vor einem Truppenverbandsplatz erschienen, zum Schutze der ihm anvertrauten Verwundeten die Abwehr und zerschlug in zähen Kämpfen alle Angriffe des Feindes."


In meiner namentlichen Aufzählung hatte ich noch Horst Wilke geschrieben. Warum kann ich diesen Beitrag eigentlich nicht mehr ändern ?

byron

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #65 am: 23.01.10 (10:33) »
Hier ein Photo von Dr. Neumann das ich vor etwa 7 Jahren im Soldatenfriedhof von Maleme aufnahm. Es war ein Veteranentreffen am 20. Mai, wie es fast jedes Jahr stattfindet. Er sitzt etwa in der Mitte, trägt eine rote Mütze und hat einen Stock neben sich.


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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #66 am: 24.01.10 (09:15) »
Dr. med. Hans-Joachim Schulz-Merkel

geboren am 6. April 1913
verstorben am 2. September 2000 in Marktoberdorf

Dr. med. Hans-Joachim Schulz-Merkel erhielt das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 23. Dezember 1943 als Stabsarzt und Truppenarzt der I. Abteilung im Panzerregiment 35 der 4. Panzerdivision.

Bereits am 21. Oktober 1943 in gleicher Funktion das Deutsche Kreuz in Gold erhalten.

Weitere Auszeichnungen waren u.a.:

EK II am 24. Juni 1940
Verwundetenabzeichen in Schwarz am 4. Juli 1940
EK I am 21. Juli 1941
Panzerkampfabzeichen in Silber mit Einsatzzahl 25 am 28. August 1944

Dr. med. Schulz-Merkel hat sich somit mehrfach im Kampf besonders bewährt. Eine richtige Begründung für die Verleihung des Ritterkreuzes habe ich dieses Mal nicht zur Hand. Er hat jedoch einige Male die Führung der I. Abteilung des Panzerregimentes 35 übernommen und für einen Einsatz an der Spitze dieses Regimentes auch das Ritterkreuz erhalten.

http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Panzerregimenter/PR35-R.htm

Balsi hat zu ihm eine kleine Bio:

http://www.ritterkreuztraeger-1939-45.de/Infanterie/S/Schulz-Merkel-Hans-Joachim.htm

Die Bio könnte man ja mit den Angaben über die weiteren Auszeichnungen ergänzen.

Unser Mitglieder Loerscher hat hier im Forum schon einmal zu Dr. med. Schulz-Merkel folgendes geäußert:

Zitat
Ich weiß von Dr. med. Hans-Joachim Schulz-Merkel (RK 23.12.43), dass er das Panzer-Regiment 35 vertretungsweise geführt hat und dabei am 22.07.1943 einmal selbst mit seinem (Arzt?)-Panzer 10 russische Panzer abgeschossen hat.

http://forum.balsi.de/index.php?topic=2967.60

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #67 am: 24.01.10 (09:18) »
Hier mal noch ein Bild aus dem Bestand des Bundesarchives:



Im AHF wurden die Personen identifiziert mit Dr. med. Hans-Joachim Schulz-Merkel (links) und Ernst-Wilhelm Hoffmann.

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #68 am: 24.01.10 (09:33) »
Auf dieser Seite habe ich gerade noch ein weiteres Bild gefunden:

http://hans-mueller.blogspot.com/



Das Bild zeigt die drei Ritterkreuzträger Hans-Detloff von Cossel, Dr. med. Hans-Joachim Schulz-Merkel und Fritz-Rudolf Schultz.

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #69 am: 30.01.10 (10:36) »
Dr. med. Walter Keup

geboren am 3. Januar 1916 in Berlin-Charlottenburg
verstorben am 17. März 1947 in Bad Nauheim

Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erhielt er am 21. März 1944 als Assistenzarzt und Bataillonsarzt  I.Bataillon / Grenadierregiment 202 / 75. Infanteriedivision.

Zu ihm habe ich leider keinerlei weitere Infos. Vielleicht jemand anders ?

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #70 am: 04.02.10 (17:43) »
Dr. med. Friedrich Salamon

geboren am 10. Mai 1912 in Waldau / Ostpreußen
verstorben am 17. April 1985

Er erhielt das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 20. Juli 1944 als Stabsarzt und Bataillonsarzt  II. Bataillon / Panzergrenadierregiment 26 / 24. Panzerdivision.

Auch zu ihm habe ich derzeit wieder keinerlei weitere Infos. Vielleicht findet sich etwas in einem Buch zur 24. PD ?


Hier noch ein Fotos, links ist der Ritterkreuzträger Gustav Koller zu sehen.

« Letzte Änderung: 08.12.16 (22:51) von IM »

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #71 am: 05.02.10 (19:36) »
Dr. med. Ernst Gadermann

geboren am 25. Dezember 1913 in Wuppertal
verstorben am 26. November 1973 in Hamburg

Dr. med. Gadermann ist der höchstdekorierte deutsche Arzt des Zweiten Weltkrieges, und er ist der einzige Arzt der Luftwaffe, der sich sein Ritterkreuz beim Einsatz als Fliegendes Personal verdiente.

Dr. Gadermann erhielt am 17. Oktober 1943 als Stabsarzt und Truppenarzt in der III. Gruppe des Stukageschwaders 2 "Immelmann" das Deutsche Kreuz in Gold. In gleicher Funktion wurde er am 19. August 1944 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.



Der Name Gadermann ist eng verbunden mit dem von Hans-Ulrich Rudel, denn gemeinsam flogen sie Hunderte Feindflüge. Als Rudel seinen Bordfunker Erwin Hentschel am 20. März 1944 im eiskalten Dnjestr verlor, wurde Dr. Gadermann dessen Nachfolger. Und als Rudel am 9. Februar 1945 abgeschossen und verwundet wurde, war es sein großes Glück, daß sein Bordfunker eigentlich Arzt war und ihm das Leben rettete.


In einem Artikel anläßlich der Ritterkreuzverleihung an Dr. Gadermann heißt es am 4. September 1944 in der Grafinger Zeitung:

"Der Führer verlieh das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Stabsarzt Dr. Ernst Gadermann, Gruppen- und Geschwaderarzt in einem Sturzkampfgeschwader. Gadermann ist ein vorbildlicher Offizier und Kamerad und fürsorglicher, verständnisvoller Truppenarzt. Daneben beseelt ihn eine unbedingt kämpferische Einsatzbereitschaft, die er auf Hunderten von Feindflügen bewies. Er besitzt eine hervorragende, sowohl im Luftraum wie auf der Erde immer wieder gezeigte Beobachtungsgabe."

GR162

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #72 am: 05.02.10 (19:50) »
Was macht ein Arzt als Bordfunker in nem Stuka frag ich mich ? Ich würde sagen das er sich um ein Lazarett am Boden kümmert anstatt auf hunderte Feindflüge zu gehen. Irgenwie den Job verpeilt oder nicht ? Finde ich seltsam.Klar der Infanterie Arzt als möglicher höchster Offizier der den gegenstoss führt oder das Lazarett veteidigt ist klar. Aber der Doc als Funker im Stuka ?
Ok wenn er zivil Arzt wäre und dann als Funker verwendung fände,aber offensichtlich war er ja auch als Arzt eingesetzt.  Steh ich auf der Leitung oder woran liegts das ichs nicht nachvollziehen kann ?

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #73 am: 05.02.10 (19:55) »
Mit über 850 Feindflügen steht Dr. Gadermann mit in der Spitzengruppe aller Flieger des Krieges. Rudel dürfte mit ihm den größten Teil seiner Panzerabschüsse erzielt haben.

Rudel war für sich etwas Außergewöhnliches, ...

Ich suche Dir mal noch mehr zu Dr. Gadermann raus.

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #74 am: 05.02.10 (20:56) »
Ich habe mir einmal das Buch „Das waren die deutschen Stuka-Asse 1939-1945“ von Georg Brütting gezogen.

Da läßt sich auf Seite 197 folgende Bio über Dr. Gadermann finden:

„Dr. Gadermann, Ernst, geboren am 25. Dezember 1913 in Wuppertal, Oktober 1941 Truppenarzt der III. / Stukageschwader 2 „Immelmann“, befreundete sich bald mit dem damals noch unbekannten Oberleutnant Rudel, da beide Sportsleute waren und auch im harten russischen Winter trainierten. Mit Rudel machte er auch seinen ersten Feindflug, um eine vermißte Besatzung zu suchen und eventuell helfen zu können. In den nächsten Jahren flog Gadermann auch mit anderen Flugzeugführern, um sie im Einsatz testen und betreuen zu können. Sie flogen gerne mit ihm, da er „sehen“, das heißt aufklären konnte. Gadermann wurde vom Sanitätsdienst abgestellt. Seine intensive fliegerische Tätigkeit mit Rudel begann nach dem Tode von Hentschel, dem Bordschützen von Rudel. Als Rudels Bordschütze flog er von Mai 1944 bis zum 11. Februar 1945, war an zahllosen Panzerabschüssen beteiligt, schoß selbst mehrere russische Jäger ab, überstand mit Rudel all die Notlandungen, wurde nach 850 Einsätzen am 19. August 1944 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet, bis zu jenem 9. Februar 1945, als Rudels Ju 87 in Brand geschossen wurde, sein Unterschenkel zerschmettert war. Unter Aufbietung der letzten Energien vermochte Rudel noch zwischen den ersten deutschen Stellungen zu landen und Gadermann konnte ihn eben noch aus der brennenden Maschine herausziehen. Das war auch Gadermanns letzter Einsatz. Er beendete den Krieg als 31jähriger Oberstabsarzt der Reserve. Nach dem Krieg wurde Prof. Dr. Gadermann ein angesehener Herz- und Kreislaufspezialist, war sportmedizinischer Leiter der Olympischen Spiele 1972 in München, starb überraschend am 26. November 1973 in Hamburg auf dem Weg zur Vorlesung an einem Herzinfarkt.“


Anmerkung meinerseits. Die Erwähnung mit den 850 Feindflügen zum Zeitpunkt seiner Ritterkreuzverleihung ist falsch. Diese Zahl hatte Gadermann bei Kriegsende. Das Ritterkreuz erhielt er nach 600 Feindflügen.