Autor Thema: Hochausgezeichnete des Sanitätswesens  (Gelesen 98877 mal)

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #15 am: 31.12.09 (10:27) »
Der letzte in dieser kleinen Aufzählung wäre nun Franz Schmitz.

Geboren wurde er am 12. Oktober 1918 in Walenberg bei Bonn. Schmitz überlebte den Krieg und verstarb am 10.Juni 1985 in Inden-Pier / Rheinland.


Zu ihm hat Balsi wieder eine kleine Bio:

http://www.ritterkreuztraeger-1939-45.de/Infanterie/S/Schmitz-Franz.htm


Eine weitere Bio findet sich hier:

http://www.rktraeger.de/Personenregister/S/SchmitzF.htm

Allerdings sind darin einige Fehler enthalten. So wird beispielsweise bei einigen Ereignissen statt 1941 von 1943 geschrieben. Auch das Datum für das EK I ist falsch, nicht bloß der erwähnte Fehler mit dem Jahr, auch Tag und Monat stimmen nicht.

Aber es findet sich eine Beschreibung der Tat, die zur Ritterkreuzverleihung führte:

Zitat
Bei den schweren Kämpfen im Raum Milejewo griff am 25. Juli 1943 das I./Grenadierregiment 279 den Feind bei Panof an. Dabei kam die 3. Kompanie kurz vor erreichen eines Waldstreffens in derart schweres Artilleriefeuer, das der Angriff zu erliegen kam. Als der Kompanieführer und zwei Zugführer ausfielen, riss der Sanitätsunteroffizier Schmitz in dieser kritischen Lage aus eigener Initiative die Führung an sich. Er fasste die noch vorhandenen Kräfte zusammen und brach durch die feindliche Stellung in den Wald ein, wo er sich jedoch in den schweren Nahkämpfen gegenüber dem weit überlegenen Gegner nicht behaupten konnte.
Wieder am Westrand des Waldes angekommen, sah er wie starke Kräfte des Gegners die von Panoff kämpfenden Teile seine Bataillons im Rücken umgangen hatten und gerade zum Angriff ansetzten. Das Schicksal des 1.Bataillon schien besiegelt.
Mit nur noch 33 Mann fasste Schmitz den selbstständigen Entschluss, den Gegner seinerseits im Rücken anzugreifen und sein bedrängtes Bataillon heraus zu hauen. Es gelang Ihm im harten Kampf ein Bresche in den überraschten Feind zu schlagen, so das sich das Bataillon der Umklammerung und der Vernichtung entziehen konnte. Drei Tage später, Unteroffizier Schmitz war gerade mit der Nahkampfspange in Bronze ausgezeichnet worden, wurde er bei der Rettung eine schwerstverwundeten Kameraden an beiden Armen und am rechten Oberschenkel scher verletzt.
Im Feldlazarett rang Schmitz mit dem Tode. Im Reservelazarett Krakau erfuhr er über Rundfunk, das ihm am 13. September 1943 das Ritterkreuz verliehen worden ist.


Über Franz Schmitz gibt es übrigens ein komplettes Landser-Heft, ...

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #16 am: 02.01.10 (15:45) »
Von den 5 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichneten Sanitätern sind 2 gefallen (Jordan und Pieper), 3 haben den Krieg überlebt, sind aber inzwischen auch verstorben (Bäcker, Nowotnik und Schmitz)

Da Rudolf Bäcker als einziger von diesen 5 Personen auch noch das Deutsche Kreuz in Gold erhalten hat, könnte man ihn als den am höchsten dekorierten deutschen Sanitäter des Zweiten Weltkrieges bezeichnen.

Offline Jürgen Fritsche

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #17 am: 02.01.10 (19:54) »
Moin Ingo,

ein gutes neues Jahr, und danke für diese ausgezeichneten Biografien und interessanten Beschreibungen.
Viele Grüße,
Jürgen



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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #18 am: 02.01.10 (19:57) »
Danke Jürgen, wünsche ich ebenfalls.

Ich hoffe, daß noch einiges zusammenkommen wird. Ich mache als nächstes weiter mit den Ärzten, die ebenfalls das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes bekommen haben.

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #19 am: 05.01.10 (16:47) »
Ärzte, die mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurden, finde ich derzeit 10. Falls ich einen übersehen haben sollte, oder jemand weitere Namen nennen kann, dann immer her damit.

Hier erst einmal wieder die Auflistung nach Namen, geordnet nach dem Tag der Verleihung:

- Dr. med. Rolf Jäger, RK am 15.05.1940 als Oberarzt in der Fallschirmjägersturmabteilung „Koch“

- Dr. med. Werner Wischhausen, RK am 26.05.1940 als Oberfeldarzt und Divisionsarzt der 22. Infanteriedivision (LL)

- Dr. med.  Heinrich Neumann, RK am 21.08.1941 als Oberstabsarzt und Truppenarzt im Fallschirmjägersturmregiment

- Dr. med.  Horst Wilke, RK am 25.07.1942 als Oberarzt d.R. und Truppenarzt im III. Bataillon / Infanterieregiment 120 (mot.) / 60. Infanteriedivision (mot.)

- Dr. med. Hans-Joachim Schulz-Merkel, RK am 23.12.1943 als Stabsarzt und Truppenarzt in der I. Abteilung / Panzerregiment 35 / 4. Panzerdivision

- Dr. med. Walter Keup, RK am 21.03.1944 als Assistenzarzt und Bataillonsarzt I. Bataillon / Grenadierregiment 202 / 75. Infanteriedivision

- Dr. med. Friedrich Salamon, RK am 20.07.1944 als Stabsarzt und Truppenarzt im II. Bataillon / Panzergrenadierregiment 26 / 24. Panzerdivision

- Dr. med.  Ernst Gadermann, RK am 03.09.1944 als Stabsarzt und Truppenarzt in der III. Gruppe / Stukageschwader 2 „Immelmann“

- Dr. med.  Heinrich Hüls, RK am 21.09.1944 als Oberarzt und Hilfsarzt in der II. Abteilung / Panzerregiment 11 / 6. Panzerdivision

- Dr. med. Carl Langemeyer, RK am 18.11.1944 als Stabsarzt und Kommandeur der 1. Fallschirm-Sanitätsabteilung
« Letzte Änderung: 17.01.10 (17:42) von IM »

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #20 am: 07.01.10 (17:49) »
Dr. med. Rolf Jäger

geboren am 1. November 1912 in Klein Kunterstein / Westpreußen
verstorben am 6. Januar 1984 in Hagen / Westfalen

Dr. Jäger erhielt das Ritterkreuz als Oberarzt und Truppenarzt in der Fallschirmjägersturmabteilung "Koch" für seinen entscheidenden Einsatz während des Unternehmens gegen Eben Emael.


Vielleicht kann jemand im entsprechenden Band der RK-Reihe aus dem Biblio-Verlag nachschauen und die entsprechenden Details liefern ?

Offline Balsi

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #21 am: 07.01.10 (20:08) »
ich werde morgen mal versuchen seine Biographie zu schreiben...

Offline Balsi

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #22 am: 08.01.10 (09:57) »
et voila: Dr. Rolf Jäger

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #23 am: 08.01.10 (15:31) »
Das ging schnell.

Ich habe gestern noch im Buch "Die deutsche Fallschirmtruppe 1936 - 1941" geblättert. Da wird Dr. Jäger mit erwähnt. Allerdings wird dort geschrieben, er hätte das Kommando übernommen. Bei Dir kommt es so rüber, als hätte er das Ritterkreuz ausschließlich für seine ärztlichen Tätigkeiten erhalten.

Und noch eine Frage:

Zitat
zum Offizier gewählt

Wie ist das gemeint ?

Offline Balsi

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #24 am: 08.01.10 (17:16) »
das hab ich öfter mal.. es scheint irgendwie eine Offizierswahl durch die Einheit selbst gegeben zu haben... vor dem Krieg. Ich verstehe das so, das die Einheit Mitspracherecht hatte ob derjenige Offizier werden sollte oder nicht.

Ob er das Kommando übernommen hat, weiss ich bisher nicht. Schacht - Chef der Sturmgruppe- hat das ganze ja überlebt und war zuletzt in der Bundeswehr...ich bleibe mal dran

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #25 am: 08.01.10 (17:26) »
Schacht ist ja schon 1972 verstorben.

Das erwähnte Buch ist übrigens Klasse und ich kann es nur empfehlen. Ich suche es noch einmal heraus und bringe mal den Absatz mit der Erwähnung von Dr. Jäger.

Offline GR162

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #26 am: 08.01.10 (17:27) »
Ich kenn das nur so das Offiziere turnusmässig befördert wurden entsprechend Dienstalter und Dienststellung. Es wurde dann eine Beförderung wohl vom Heerespersonalamt ausgesprochen. Diese wurde aber erst wirksam durch die Bekanntgabe durch den vorgesetzten Offizier. Hatte dieser etwas dagegen einzuwenden wurde nicht befördert z.B wegen vermeintlicher Untauglichkeit,mangelndem Verhalten etc.

Ich habe da eine Art Tagebuch eines Berufsoffiziers des AR161 der soetwas beschreibt und auch wie Personen nicht befördert wurden obwohl sie dran gewesen wären. Deren Beförderung wurde durch Vorgesetze abgeblockt obwohl vom Personalamt ausgesprochen.Die "Würdigkeit" wurde anscheinedn vom Vorgesetzten beurteilt und dieser konnte somit eine bereits erfolgte Beförderung verhindern.

Andere kennen sich da sicher genauer aus.

Vieleicht könnte mit Offizierswahl in der Einheit die Bekanntagbe durch Vorgesetzte Offiziere gemeint sein und damit ist die Beförderung dann erst ganz offiziell wirksam.

Gruss Sascha

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Re:Hochausgezeichnete des Sanitätswesens
« Antwort #27 am: 08.01.10 (19:49) »
Ich muß meine Aussage korrigieren. Ich hatte gestern wohl zu viel im erwähnten Buch geblättert, und nun etwas durcheinander gehauen. Dr. Jäger wird nur einmal kurz erwähnt.

"...
Der Lastensegler mit dem Führungstrupp der Sturmabteilung an Bord setzt ca. 150 m westlich der Brücke (Anmerkung von mir, gemeint ist Vroenhoven) auf. Hauptmann Koch rollt zusammen mit Oberleutnant Kieß, der die Maschine geflogen hatte, sowie einem Unteroffizier ein besetztes Grabenstück in Richtung auf die Brücke zu auf und befiehlt einen Offizier und fünf weiteren Soldaten zur Sicherung nach Westen und gegen das Dorf Vroenhoven. Der Lastensegler mit dem Funktrupp der Sturmgruppe an Bord kommt zwischen den Ortschaften Vroenhoven und Kesselt, ca. 500 m nordwestlich der Brücke herunter. Seine Besatzung, geführt von Oberarzt Dr. Jäger, gerät unter schweres MG-Feuer, wobei ein Funker fällt und ein weiterer verwundet wird.
..."

Offline Jürgen Fritsche

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Offizierswahl
« Antwort #28 am: 08.01.10 (23:23) »

Und noch eine Frage:

Zitat
zum Offizier gewählt

Wie ist das gemeint ?

Moin zusammen,

die Offizierswahl (Kooptation) gab es in der Preußischen Armee seit 1813 und in ihren Nachfolgearmeen. Offizieraspiranten (Offiziersanwärter) konnten nach bestandener Offiziersprüfung bei ihrem Regimentskommandeur beantragen, vom Offizierscorps zum Leutnant der Reserve (also zum Reserveoffizier) gewählt zu werden.

Das schien wohl jedoch häufiger zu Problemen zu führen, wenn das Offizierscorps in seiner Gesamtheit negativ abstimmte, aus welcher Haltung und Einstellung heraus auch immer (politisch-weltanschauliche und religiöse Gründe standen wohl im Vordergrund). Gegen eine Ablehnung, deren Gründe dem Kandidaten nicht bekanntgegeben wurden, konnte keine höhere Instanz angerufen werden. Siehe bspw. Henry Hoffstaedt, "Das Recht bei der Offizierswahl", der das System aus konfessioneller (jüdischer) Sicht attackiert.
Viele Grüße,
Jürgen



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Offline Jürgen Fritsche

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Offizierswahl
« Antwort #29 am: 08.01.10 (23:28) »
das hab ich öfter mal.. es scheint irgendwie eine Offizierswahl durch die Einheit selbst gegeben zu haben... vor dem Krieg. Ich verstehe das so, das die Einheit Mitspracherecht hatte ob derjenige Offizier werden sollte oder nicht.
Moin Robert,

wie oben erläutert, nicht durch die Einheit, sondern auf eigenen Antrag des OA durch das Offizierscorps.
Viele Grüße,
Jürgen



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