Autor Thema: Kulturgefährdent: Anglizismus  (Gelesen 3300 mal)

The Real Blaze

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Kulturgefährdent: Anglizismus
« am: 03.02.06 (21:13) »


Gestern abend bei Kerner: Drei ehemalige Tagesschausprecher, Dagmar Berghoff, Jo Brauner und Wilhelm Wieben. Es war äußerst interessant. Unter anderem mußten die drei Tagesschausprecher neue Wortkreationen in der Bedeutung verlesen, wie etwa "Arschgeweih" bei Wilhelm Wieben. Es war einfach faszinierend diese bekannten Stimmen noch einmal zu hören, die unsere deutsche Sprache regelrecht zelebrieren können. Nicht von ungefähr werden alle drei ehemalige Sprecher auch weiter gerne für Lesungen eingeladen. Besonders Wieben ist ein Meister seines Fachs, man spürt wie er unsere Sprache liebt.
 Dann tauchte das Wort "Anglizismus" in der Diskusionsrunde auf, was Wieben sofort nutzte , um seine Abneigung gegen diese deutsche Sprachvergiftung kund zu tun. "Einfach schreckklich", so Wieben. Dazu kamen dann noch bizarre Beispiele, was sich unsere Werbewortschöpfer alles einfallen liesen.


die wirklichen "Bodybags"


die blödsinnige "Sinnentfremdung"...
So das Wort Bodybags, um Handtaschen besser verkaufen zu können. Wieben legte dar, wie unmöglich dieses Wort bei den Amerikanern ankam, wurden doch mit Bodybags die Leichsäcke im Vietnamkrieg so benannt! Dann reichte Wieben noch den Satz nach: "Sack ist doch ein schönes deutsches Wort" Und wenn Wieben das sagt, dann kann man diesen Meister unserer Sprache auch glauben.

Auch wenn derzeit registriert wird, daß die Werbeindustrie wieder bevorzugt auf deutsche Sprache setzt , scheint das vielerorts noch nicht angekommen zu sein: Deutsch ist die Sprache weltberühmter Dichter!



Ich hasse es vor einem deutschen Laden zu stehen, wo "Open" und "Closed" steht. In Italien oder Frankreich findet man solche perfiden öffentlichen Anglizismen nicht. Oder neuerdings "Sale" für Schlußverkauf... Sind wir nun in Deutschland oder anderswo??? Was sollen sich vorallem die älteren Deutschen denken, die solchen aufdringlichen "Mist" zu lesen?
 Auch in der Politlandschaft gehen jetzt die ersten Angliszismusheinis mit englischen Plakatparolen auf Stimmenfang(FDP). Ich hoffe die kriegen deshalb keine Stimme!

In Gottschalks "Wetten das.." wurde zuletzt die Quote nur deshalb nach oben gebrochen, weil er nur deutsche Gäste hatte, anstatt irgendwelcher Hollywoodschauspieler.

Warum bringe ich es hier? Weil englisch, ja auch nur eine germanische Sprache ist. Angelsächsisch...vielleicht wäre es besser gewesen, wenn die Angeln nicht auf die Insel gekommen wären, dann würde dort heute nur sächsisch gesprochen ;D
Und wenn niemand von den germanischen Stämmen England erobert hätte, wäre nie die englische Sprache entstanden.

Die Anglizismusseuche ist auch ein Nebenprodukt des verlorenen letzten Weltkrieges. Gut die NS Machthaber wollten sogar das Wort Nase durch Gesichtserker ersetzen...(was sich wohl nicht durchgesetzt hätte), aber ganz bewußt wäre die deutsche Sprache heute nicht so "anglizistisch" überladen, wenn gewonnen worden wäre.

"Einfach schrecklich" das ganze sprachliche Angebiedere. Und das an einem Land, was einmal mit der Kreation "Made in Germany" die deutschen Industrieprodukte diskriminieren wollte...
« Letzte Änderung: 03.02.06 (21:17) von The Real Blaze »

Niwre

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Re: Kulturgefährdent: Anglizismus
« Antwort #1 am: 04.02.06 (12:19) »
Kulturgefährdent
Vlt. sollte man so keinen Beitrag zur Sprache einleiten...  ;)

Zitat
Dann tauchte das Wort "Anglizismus" in der Diskusionsrunde auf, was Wieben sofort nutzte , um seine Abneigung gegen diese deutsche Sprachvergiftung kund zu tun. "Einfach schreckklich", so Wieben. Dazu kamen dann noch bizarre Beispiele, was sich unsere Werbewortschöpfer alles einfallen liesen.
Unsere Sprache, und auch die unserer Nachbarn, besteht aus x Fremdwoertern. Russen, Polen, Amerikaner wiederum haben sehr viele Woerter dt. Ursprungs. Jede Epoche hat seine Einfluesse. Aber ich denke Du meinst das Englisch der Werbefuzzis ueber das sich alle aufregen. Schlimm daran ist, dass selbst die Englaender darueber lachen, nicht nur Ottonormalbuerger, Rentner und selbsternannte "Sprachpfleger". Die Werbebranche lebt vollkommen am Volk vorbei. Was interessiert mich "Megabillig", "Lass Dich nicht verarschen" Blablabla in einer Werbung? Ich will wissen: was kann das Produkt, wieso ist es besser als die Konkurrenzware und warum sollte gerade ich es kaufen? Weil es "schweineguenstig" ist?! Und dann die Sprache auf (ua.) Kosmetikartikeln: "ActivReserve" (nicht englisch: active, nicht deutsch: aktiv?!), "Kicks in EXTRA Protection" (What?) etc. pp.

Zitat
Oder neuerdings "Sale" für Schlußverkauf... Sind wir nun in Deutschland oder anderswo???
Hoffentl. nicht in Frankreich - man koennte es sonst missverstehen.  ;D

Zitat
Was sollen sich vorallem die älteren Deutschen denken, die solchen aufdringlichen "Mist" zu lesen?
Och, die wissen sich schon zu wehren. Neulich hat sich erst wieder eine aeltere Dame bei der Verkaeuferin beschwert und sich alles uebersetzen lassen (soweit wie die Verkaeuferin es konnte). Sehr vernuenftig in meinen Augen. Sollten alle machen. (Ich noergel auch immer an Deppenapostrophen (CD's, Hubert's Kneipe...), Denglisch etc. rum. Wenn diejenigen es nicht besser wissen, muss man doch helfen.  ;D)

Zitat
In Gottschalks "Wetten das.." wurde zuletzt die Quote nur deshalb nach oben gebrochen, weil er nur deutsche Gäste hatte, anstatt irgendwelcher Hollywoodschauspieler.
Soweit ich Meinungen gehoert habe, eher wegen bekannter Musikgruppen. Die B-Klassepromis waren, wenn ich mich an die letzte Sendung erinnere, doch eher peinlich. (Ich habe die auch nur wegen Depeche Mode angeguckt. Ich kann Miesezotengrabbel-Gottschalk nicht ausstehen).
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Es hat niemand die Absicht, im Privatleben harmloser Bürger herumzuschnüffeln. (W. Schäuble)

waldi44

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Re: Kulturgefährdent: Anglizismus
« Antwort #2 am: 04.02.06 (12:58) »
Ich glaube auch nicht, dass die Quote hochschnellte, weil nur Deutsche dort waren. Wichtig war, welche Leute bzw- welche Deutschen da waren. Die kannte man, die interessierten....

The Real Blaze

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Re: Kulturgefährdent: Anglizismus
« Antwort #3 am: 04.02.06 (13:22) »
 
Zitat
Die Werbebranche lebt vollkommen am Volk vorbei

Ja fragt sich nur was das soll?? So was hat wohl nur Nährboden, wo das Land ein Schlußlicht im Nationalbewußtsein ist.

 
Zitat
Neulich hat sich erst wieder eine aeltere Dame bei der Verkaeuferin beschwert und sich alles uebersetzen lassen (soweit wie die Verkaeuferin es konnte). Sehr vernuenftig in meinen Augen. Sollten alle machen.


Na das werde ich auch machen und immer hinterher fragen, in welchen Land wir uns überhaupt befinden."Wühltischware" erklärt doch einiges besser, als "Sale"zeugs.

Zitat
Soweit ich Meinungen gehoert habe, eher wegen bekannter Musikgruppen.

Also die Musik war wohl noch nie das Problem. Meiner Meinung nach stören Übersetzer den ungezwungenen Redefluß.

waldi44

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Re: Kulturgefährdent: Anglizismus
« Antwort #4 am: 05.02.06 (11:19) »
Es gibt durchaus englische Begriffe, die auch in unserer Sprache bzw unserem Alltagsleben Sinn machen. Darin sehe ich eigentlich keine Gefahr! Die "Gefahr" ist dieses Kauderwelch und natürlich auch eine Verarmung der eigenen Sprache.
Früher suchte man auf Bahnhöfen zB eine Toilette auf- ist auch kein deutsches Wort- hat sich aber auch Weltweit eingebürgert. Heute sucht man einen Wegweiser zum "Stillen Örtchen" oft vergeblich und wenn einem keiner Hilft, vermutet der unbedarfte Durchschnittsdeutsche doch hinter der Bezeichnung "Cityclean" bie und nimmer das Klo.
Nun schliesst "Cityclean" ja mehr als nur das Klo ein, das Wort Toilette aber auch!

Aber seht euch auch mal im Internet um, in den "Chatrooms". Ist das noch deutsch oder nicht eher so eine Art pitgen deutsch. Rechtschreibung, Fehlanzeige. Satzbau, unbekannt. Ausdrucksweise, ungenügend.....

Petronelli

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Re: Kulturgefährdent: Anglizismus
« Antwort #5 am: 06.02.06 (09:19) »
Es nervt zwar, dass viele nichtmal richtig Deutsch können und es in den Medien nur so wimmelt von diesen Begriffen, aber es war doch irgendwie immer so...?!
Im Mittelalter war es Latein also die römische Sprache,
vor zweihundert Jahrens sind in die Deutsche Sprache viele französische Begriffe gewandert, weil der Adel sich der oft nach Frankreich orientierte. Der alte Fritz korrespondierte nur französisch, und ist doch der Inbegriff Preußisch-deutscher Tradition und Tugenden. Ich denke dass diese Welle einfach eben über uns schwappt, und für die Zukunft einige Begriffe sich erhalten oder eingedeutscht bleiben, andere wieder verschwinden. Das kommt aus Wirtschaft, Werbung und Orientierung der aktuellen Weltsprache eben, wer weiß ob wir in 50Jahren nicht "Chinesizismen"
verurteilen..??
gruß
Peter

 

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