Autor Thema: KdF - Schiffe für den Frieden.  (Gelesen 2739 mal)

waldi44

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KdF - Schiffe für den Frieden.
« am: 12.04.09 (18:20) »
Die Organisation "Kraft durch Freude" KDF genannt, wurde am 27. November 1933 durch Dr. Robert Ley im Beisen von Rudolf Heß und Joseph Goebbels sowie zahlreichen anderen hohen Würdenträgern im Festsall des preussischen Staatsrates in Berlin zum Leben erweckt. Sie war Bestandteil der Deutschen Arbeitsfront, DAF genannt, die am 10. Mai 1933 durch die Übernahme der freien Gewerkschaften und ihres gesamten Vermögens und der meisten Mitarbeiter auf unterer Ebene, entstand.
Die DAF war, schlicht gesagt, die Gewerkschaft der Nazis. Sie übernahm nicht nur deren Vermögen und viele ihrer Mitarbeiter, sondern, soweit es die nationalsozialistische Idiologie zuliess, auch deren Ideengut. Im Mittelpunkt ihres Wirkens stand der arbeitende Mensch. Nicht nur der Arbeiter, wie bei ihrem italienischen Vorbild,  "Opera Nazionale Dopolavoro", kurz "Dopolavoro" genannt, sondern auch die Angestellten und das Landvolk wurden unter ihrem Dach von ihr betreut.
Die Betreuung ging über den Arbeitstag hinaus bis in jeden Winkel der sich weiter erhöhenden Freizeit. Schon in der Weimarer Republik gab es geregelten Urlaub bis zu 12 Tagen, der im 3. Reich bis auf 3 Wochen ausgedehnt wurde. Zeit, welche man dem Arbeiter nicht zur Selbstgestaltung überlassen wollte. Diktaturen mögen so etwas nicht! Immerhin hatte die DAF bis zu 22 millionen Mitglieder.
Vieles was im Rahmen der DAF geschah, läuft heute unter:"im 3. Reich war doch nicht alles schlecht"! Besonders gilt das für die Unterorganisation "Kraft durch Freude". Die Überschrift meines Beitrages mag etwas irritierend sein, denn "KDF" bedeute keineswegs nur Reisen mit dem Schiff. Man erinnere sich an das unvollendete Riesenbad Prora auf Rügen oder den "KDF Wagen", auch "Volkswagen" genannt. Dafür wurde im Mai 1937 extra die "Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens" gegründet und unter der Leitung von Porsche bis zum Sommer des gleichen Jahres der Prototyp des VW entwickelt.
Richtig bekannt, ja geradzu weltberühmt aber wurde die KDF Bewegung durch seine KDF Flotte, die als schwimmende Botschafter eines neuen Reiches und eines neu erwachten selbstbewustsein vornehmlich die Gewässer der Nord- und Ostsee und des Mittelmeeres bereiste. Doch geben wir uns keiner Illussion hin: Das Wohl des deutchen Menschen lag den Nazis nur insoweit am Herzen, als sie starke und gesunde Menschen brauchten und Menschen, die auch geistig völlig von ihnen beherrscht wurden. Dafür war ihnen jedes Mittel recht! KDF war sozusagen das Zuckerbrot zur Peitsche!
Richtig allerdings ist, dass die Menschen damals das ganz anders sahen und auch noch viele Jahre nach dem Krieg keinen Zusammenhang zwischen ihrer Nordland- Ostsee-  oder Mittelmeerreise und den Nazis erkannten. Für sie war es DIE Traumreise ihres Lebens und die einfachen Schiffe der damaligen Zeit, mit ihrer spartanischen Einklassenausstattung, ihre TRAUMSCHIFFE! Nicht umsonst spricht man in diesem Zusammenhang auch von "Hitlers Traumschiffe"!
Was sie aber nach übereinstimmenden Aussagen NICHT waren: sie waren keine auf den Krieg vorbereiteten Hilfskriegsschiffe. Manche Autoren meinen nämlich, es habe schon beim Bau der beiden KDF Schiffe Vereinbarungen mit den Werften gegeben, sie sozusagen kriegstauglich zu gestalten. Dafür gibt es aber keine Beweise, auch nicht die spätere Kriegsverwendung und Hilfsbewaffnung sind irgendein Beweis dafür!
Elf Ämter werden schliesslich gegründet. Darunter  zB. "Amt Feieraben", "Kulturamt" usw. Das bekannteste, weil auch beliebteste, war das Amt für "Reisen, Wandern und Urlaub".

Überlassen wir aber mal  Dr. Robert Ley das Wort anlässlich der oben genannten Gründungsveranstaltung:
"Dank der Organisation wird der Feierabend aller schaffender Deutschen zum wahren Feierabend werden. Die NSG "Kraft durch Freude" wird kulturelle Erzieherin aller Deutschen ....sein."
"Unsere grösste Aufgabe werden wir darin erblicken, durch unsere rastlose Arbeit innerhalb dieser Freizeitorganisation die wahre nationalsozialistische Gesellschaftsordnung zu formen."
"Jeder Arbeiter und Angestellte soll nach dem Willen des Führers mindestens einmal im Jahr an eine preiswerte KdF Reise teilnehmen können. ........,sondern auch Seereisen ins Ausland!"
KdF sollte und wurde zum grössten Reiseveranstalter der Welt.
Bei allem Propagandawert im Inland als auch im Ausland, stellte gerade diese Aufgabe die grössten finanziellen Ansprüche und es fiel dem durch die Rüstung und sonstige Sonderausgaben arg strapazierten Finanzhaushalt nicht leicht, die laufenden Kosten zu finanzieren. Zumal die Einnhmen durch bewusst niedrig gehaltene Reisekosten nicht die Ausgaben deckten. Darüber hinaus kamen zB. durch Auflagen der DAF auf die Betriebe gewaltige Kosten zu. Umkleideräume, Waschräume, Kantinen, Arbeitsschutz und und und wurden sozusagen "von Oben" verordnet und mussten saniert oder gar neu errichtet werden.
Einen Teil dieser Gelder hatte man bei den Gewerkschaften beschlagnahmt, ein anderer Teil stammte aus Mitliedsbeiträgen, aber ein nicht unbedeutender Teil eben auch aus dem Staatshaushalt.
Das führte natürlich zu Kollision mit anderen, so zB. mit Göring, der maulte: KdF sollte mehr Kraft zeigen, statt Freude! Dass aber die DAF und insbesondere die NSG "KdF" wegen ihrer hohen Kosten den Kriegsausbruch verzögert haben soll, halte ich doch für eine etwas gewagte Behauptung!

Fortsetzung folgt!





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