Autor Thema: Die Justiz und die Nazis  (Gelesen 15191 mal)

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #30 am: 20.02.09 (09:21) »
Durch das pure Weglassen von Zahlen kann man natürlich auch eine Justitz als verbrecherisch erklären.
Nehmen wir die hier dargestellten Zahlen 1,5 Mill. Verurteilungen zu 23.000 vollstr. Todesurteilen entspricht ca. etwas über 1,5% der Verurteilungen zum Tode.
Wenn die USA 146 exekutierten dann interessiert mich schon die Gesamturteilslage und der %tentuale Anteil daran der dort ja nichrt auftauchte ! Wer kann helfen? ???
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Niwre

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #31 am: 20.02.09 (09:57) »
Zitat
Wenn die USA 146 exekutierten dann interessiert mich schon die Gesamturteilslage und der %tentuale Anteil daran der dort ja nichrt auftauchte !
Es gab 763 Todesurteile, davon 146 vollstreckt und 1 wegen Fahnenflucht. Die meisten Deutschen hatten ja das Glück, nur wegen "unerlaubten Entfernens" verklagt zu werden.
Truth is invariant under change of notation. (J. A. Goguen)
Es hat niemand die Absicht, im Privatleben harmloser Bürger herumzuschnüffeln. (W. Schäuble)

waldi44

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #32 am: 20.02.09 (11:45) »
»Verordnung gegen Volksschädlinge«
vom 5. September 1939
Ȥ 4
Ausnutzung des Kriegszustandes als Strafverschärfung
Wer vorsätzlich unter Ausnutzung der
durch den Kriegszustand verursachten
außergewöhnlichen Verhältnisse eine sonstige
Strafttat begeht, wird unter Überschreitung
des regelmäßigen Strafrahmens
mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren, mit lebenslangem
Zuchthaus oder mit dem Tode
bestraft, wenn dies das gesunde Volksempfinden
wegen der besonderen Verwerflichkeit
der Straftat erfordert.«
(Reichsgesetzblatt I, 1939, S. 1679)

Der Volksgerichtshof unter seinem Präsidenten Dr. Roland Freisler (1942-1945) wurde zumSynonym für den Justizterror im »DrittenReich«. Die Zahl der von Sondergerichten verhängten und vollstreckten Todesstrafen, selbst für Bagatelldelikte, stieg bis zum Kriegsende in die Tausende.
Die Sondergerichte waren ursprünglich als Vollstreckungsinstrument der »Reichstagsbrandverordnung
« von 1933 und des »Heimtücke-Gesetzes« von 1934 (siehe weiter unten) aufgebaut worden. Ihr Zweck war die strafrechtliche Verfolgung der Opposition. Mit Kriegsbeginn übernahmen die Sondergerichte jedoch immer stärker die Bestrafung der allgemeinen und der kriegsbedingten Kriminalität.
Ob ein Beschuldigter vor das traditionelle Strafgericht oder vor ein Sondergericht gestellt wurde, lag im Ermessen der Staatsanwaltschaft.
Im Krieg stieg die Zahl der Sondergerichte, was zur Folge hatte, daß bei der Ernennung der Richter nicht durchgängig auf absolute Regimetreue geachtet werden konnte.
Möglicherweise liegt hierin der Grund für die uneinheitliche Rechtsprechung der Sondergerichte– zum Beispiel beim Strafmaß.
Wehrmacht, Wehrmachtsjustiz und Geheime Feldpolizei, SS und Polizei, zivile Strafjustiz, Sondergerichte und Verwaltung waren die entscheidenden Trägergruppen der Terrorpolitik
in den besetzten Gebieten. Der Terror war, wie der Historiker Werner Röhr schrieb,integraler Bestandteil der Okkupationsherrschaft:
»Alle Verbrechen der Okkupanten an den Völkern der besetzten Länder – von ihrer Entrechtung und Diskriminierung über ihre Enteignung und Ausplünderung bis zur Aushungerung,
von der Deportation zur Arbeit nach Deutschland über die Vertreibung bis zur ›Pazifizierung‹ von Orten und Gebieten und zur systematischen Zerstörung der Lebensgrundlagen,
von Geiselerschießungen über Massenexekutionen bis zum technisierten Völkermord – wurden als terroristische Gewaltmaßnahmen verübt.«
Der »Führererlaß« vom 13. Mai 1941 »über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet ›Barbarossa‹ (ehemalige Sowjetunion)
und über besondere Maßnahmen der Truppe« sorgte später dafür, daß Straftaten von Zivilisten der Gegenseite nicht in den Zuständigkeitsbereich der Kriegs- und Standgerichte fiel.

http://www.dhm.de/ausstellungen/grundrechte/katalog/74-75.pdf

Nomen Nescio

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #33 am: 20.02.09 (12:10) »
Zitat
Bei Nichtanwendung des Todesurteils waren Bewährungskompanien und Strafarbeitslager als Strafen vorgesehen – erstere konnten einem Todesurteil nahe kommen (schlechte Verpflegung, Minenentschärfung, unbewaffnet an der Front).

Da verwechselt der Schreiber wohl deutsche und sowj. Bewährungseinheiten  ::)
Ich denke es nicht. In meinem Buch "Hitler's Prisons. Legal Terror in Nazi Germany" steht das auch erwähnt. Viele wurden versetzt nach Bewährungstruppe 500.
BA Berlin, R 3001/alt R 22/5015, S. 54-55:RJM an Generalstaatsanwälte. 10. Juli 1942; Klausch, Bewährungstruppe 500, besonders die Seiten 92, 100, 110, 128, 184 und 351.

Nomen Nescio

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #34 am: 20.02.09 (12:22) »
Durch das pure Weglassen von Zahlen kann man natürlich auch eine Justitz als verbrecherisch erklären.
Durch das pure sich weigern Fakten zu akzeptieren, kann man natürlich eine Traumwelt kreieren.

Da wurde auch Deutschland aus WK I verglichen mit Deutschland aus WK II. Aber das gilt ja natürlich auch nicht.
Uns die Gesamtzahl Soldaten von USA und GB ist selbstverständlich viel kleiner als die Anzahl der Deutschen Soldaten. Darum kann man die Zahl der hingerichteten Toten beiderseits natürlich auch nicht vergleichen.

PS Gab es nicht insgesamt mehr Amerikaner + Briten als Deutschen???
« Letzte Änderung: 20.02.09 (12:28) von Nomen Nescio »

Nomen Nescio

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #35 am: 20.02.09 (12:36) »
Nehmen wir die hier dargestellten Zahlen 1,5 Mill. Verurteilungen zu 23.000 vollstr. Todesurteilen entspricht ca. etwas über 1,5% der Verurteilungen zum Tode.
Es wurde eingeschätzt, das rund 100.000 verurteilte Personen noch starben wegen der schrecklichen Entbehrungen und gefährlichen Umstände. Die waren versetzt nach Bewährungstruppen oder nach Emsland.
Die Tatsache, daß es in Emsland relativ viel Freiwillige gab für das Front, sagt alles über die Verhältnisse dort.
100.000 ist vermutlich zu hoch. Dagegen ist 60.000 sehr konservativ. Laß mal sagen 80.000 verurteilte Deutschen bekamen also ein indirektes Todesurteil.

Jan-Hendrik

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #36 am: 20.02.09 (13:06) »
Zitat
Ich denke es nicht. In meinem Buch "Hitler's Prisons. Legal Terror in Nazi Germany" steht das auch erwähnt. Viele wurden versetzt nach Bewährungstruppe 500.

Ich denke schon, so ein klein wenig kenn ich mich nämlich in der "Welt" der Bewährungstruppen innerhalb der dt. Streitkräfte im 2.Wk schon aus  ;)

Jan-Hendrik

Richtschuetze

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #37 am: 20.02.09 (15:26) »
Zitat
zumindest anders als ein Deutscher, der sich logo oder Richtschütze nennt !
Männers! Versetzt euch doch mal in Rolle der anderen!

@Waldi weisst Du der liebe Nomen sollte sich mal darüber im klaren sein das er hier in eimem Deutschen Forum ist das in erster Line Deutsche besuchen.
Desweitern haben eben viele dieser Besucher auch Väter/Opas Mütter etc die im 2 Weltkrieg kämpfen mußten weil es um Ihr Land gegangen ist! Das in seiner Geschichte von seinen Nachbarn nicht immer Lieb und Nett behandelt worden ist. (nicht immer nur die bösen Deutschen, man sollte nach 60 Jahren bereit sein beide Seite genau unter die Lupe nehmen ::))

Bei mir war es sogar noch der Vater und die Onkels die für Ihr Land gekämpft haben und die Er damit angreift!(wenn auch nicht persönlich)

Meine Mutter/Oma (eben diese noch den Hungerwinter 1918/19 als der Krieg vorbei war, Nomen ja immer gerne nur den Hungerwinter seines Volkes anbringt) die unter den Bombenangriffen der "Befreier" leiden mußten. Später dann darunter das sich eben diese in Ihrer Wohnung breit gemacht haben und meine Oma mit 2 Kinder(ein Kleinkind) auf die Straße gesetzt haben. >:(

Ich nehme mir herraus das Leid der meinen Seite und meiner Nation für mich an erster Stelle kommt, so wie Er es und auch andere für Ihre Nation tun!


Zitat
Dann aber, bzw. auch bewusst, weil ich mich eben breitgefächert mit dem 3. Reich beschäftige, dacht ich an in Schlafanzug dicke Häftlingskleidung gekleidete KZ Häftlinge. die stundenlan in eisiger Kälte stehen mussten

Weisst Du Waldi das Beispiel kenne ich von Hochwasser Einsätzen her da haben wir uns auch Gedanken gemacht wie es wohl dem armen Landser an der Front gegangen sein muß!!
An den Ivan oder den GI/Tommy haben wir nur am Rande gedacht weil es eben die Feinde waren und diese auf unsere Soldaten geschossen haben.
An die armen Schweine im KZ nicht! Warum? Keiner den ich kenne hatte damit zutun! ::)

Weisst Du Waldi obwohl wir ja selten einer Meinung sind finde ich deine Beiträge gut und schätze Deine Arbeit hier für das Forum.
Das was Nomen macht sehe ich als Provokation an!

Gruss

Nomen Nescio

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #38 am: 20.02.09 (16:37) »
Das was Nomen macht sehe ich als Provokation an!
Was du findest, ist mir ganz einfach Wurscht.

Besonders seit ich dies gelesen hatte
Die Grenzfälle von früher sind doch alle bei PostScriptum geblieben.
Und wer findet man dort??? Genau
Zitat
Benutzername:     Richtschuetze Männlich
Geburtstag:    20. November 1970
Persönliche Informationen:    Ich komme aus NRW

„Deutsche Einigkeit meine Stärke – meine Stärke Deutschlands Macht“.

An Deiner Stelle würde ich mal darüber sinnen, was es bedeutet, das Hitler in 1942 durch kein Grundgesetz mehr gehemmt wurde. Seine Befehle und Wünsche wurden Justiz. Ob gerecht oder ungerecht.
Und was es bedeutet, daß geschrieben wurde
Zitat
Das Militärstrafgesetzbuch wurde während die vorkriegse Zeit erheblich geändert, und wurde 1939 durch die Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO) "ergänzt". Das Analogieverbot wurde außer Kraft gesetzt, der Begriff Tatbestand erweitert, das Verfahren konnte abgekürzt werden und das Strafausmaß nahm enorm zu. Sich beschweren oder Berufung war nicht mehr möglich; eine Verteidigung bekamen Soldaten nur noch, wenn Todesstrafe drohte. Und so waren die rechtsstaatlichen Prinzips aus dem Wehrmachtsstrafrecht entfernt worden.
Ob in Einzelfällen davon abgewichen wurde, ist an sich unbedeutend. Denn wichtig ist, daß die Regeln eine Vergewaltigung von wirkliches Recht geworden waren.

Darum handelt es sich. Die Launen der Nazis und von ihnen angestellten Personen waren seitdem bestimmend.

Richtschuetze

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #39 am: 20.02.09 (17:04) »
Zitat
Was du findest, ist mir ganz einfach Wurscht.

Dito! Na also mal einer Meinung! :P


Zitat
Die Grenzfälle von früher sind doch alle bei PostScriptum geblieben.

Ja Niwre hat nicht Unrecht! (Ich meine mich daran zu erinnern das er da auch mal was geschrieben hat! ::))

Gruss

Niwre

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #40 am: 20.02.09 (17:24) »
Zitat
Die Grenzfälle von früher sind doch alle bei PostScriptum geblieben.

Ja Niwre hat nicht Unrecht! (Ich meine mich daran zu erinnern das er da auch mal was geschrieben hat! ::))
Damals (2005) hatte ich noch den Zugang über unser Forum. Und die paar Beiträge über Guderian, Manstein, Nationalhymne und das Gruselbuch "Im Feuer der Ostfront" zählen nicht wirklich bzw. passen nicht zu dem, was dort heute so zusammengesponnen wird.
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Es hat niemand die Absicht, im Privatleben harmloser Bürger herumzuschnüffeln. (W. Schäuble)

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #41 am: 20.02.09 (19:40) »
Durch das pure Weglassen von Zahlen kann man natürlich auch eine Justitz als verbrecherisch erklären.
Durch das pure sich weigern Fakten zu akzeptieren, kann man natürlich eine Traumwelt kreieren.

Da wurde auch Deutschland aus WK I verglichen mit Deutschland aus WK II. Aber das gilt ja natürlich auch nicht.
Uns die Gesamtzahl Soldaten von USA und GB ist selbstverständlich viel kleiner als die Anzahl der Deutschen Soldaten. Darum kann man die Zahl der hingerichteten Toten beiderseits natürlich auch nicht vergleichen.

PS Gab es nicht insgesamt mehr Amerikaner + Briten als Deutschen???

Aber natürlich, deswegen habe ich auch auf die Gesamtverurteilungen in Bezug auf Todesurteile z.b. der US Boys abgestellt, dann kann man ja prozentual sehen ob es so "verbrecherisch "war, wie Du behauptest. Ob  der WKI mit dem WKII auch nur ansatzweise vergleichlich ist, wage ich zu bezweifeln. Fakt ist das man im Gegensatz zu Amerikanern auch an Heimatfronten kämpfte, über 2 Jahre länger kämpfte und auch noch "etwas" mehr Kriegschauplätze hatte.
Ach übrigens wer lebte in einer Traumwelt , weil er es bestimmt so irgendwo gelesen hat, in Bezug mit Schlesien ? Hieß der Nomen ;), Du und Deine Fakten  ;D ich warte immer noch aud Deine Fakten vom jahrhundertelangen polnischen Schlesien..... :o
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Nomen Nescio

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #42 am: 20.02.09 (20:09) »
Ach übrigens wer lebte in einer Traumwelt , weil er es bestimmt so irgendwo gelesen hat, in Bezug mit Schlesien ? Hieß der Nomen ;), Du und Deine Fakten  ;D ich warte immer noch aud Deine Fakten vom jahrhundertelangen polnischen Schlesien.....
Erstens, Herr ohne logos, habe ich hier geschrieben über verbrecherische Nazijustiz. Statt darauf mit Fakten - wie "Sie" es nennen - zu antworten, kommt wieder die Gebetsmühle "Ja, aber...".
Falls "Sie" historisch nicht so informiert sind, so wurde die Wahrheit während der Nazizeit auch verdreht.

Zweitens gibt ein einfaches Suchen bei Wikipedia schon ein Faktum, das sie offensichtlich suchten
Zitat
Schlesien gehörte zunächst zum Großmährischen Reich, danach von 992 bis 1348 zum Herzogtum Schlesien bzw. Königreich Polen.
Erst ab
Zitat
1740/45 (Schlesische Kriege Friedrichs II.) bis 1945 gehörte der größte Teil Schlesiens zum Königreich Preußen und damit von 1871 bis 1945 zum Deutschen Reich.

Niwre

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #43 am: 20.02.09 (20:22) »
Zwei Zahlen kann ich noch nachwerfen:

Zitat
Desertion during World War II was no less a problem than in previous wars. Desertion rates peaked at 6.3% in 1944, but dropped to 4.5% the following year. During the war, 21,049 US soldiers were sentenced for desertion, and 49 of them received death sentences.

(Fantina: Desertion and the American Soldier, 1776-2006. Seite 116.)

Allerdings beruft er sich dort nur auf eine Netzseite.
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Es hat niemand die Absicht, im Privatleben harmloser Bürger herumzuschnüffeln. (W. Schäuble)

Nomen Nescio

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Re: Die Justiz und die Nazis
« Antwort #44 am: 20.02.09 (20:54) »
Zwei Zahlen kann ich noch nachwerfen:

Zitat
Desertion during World War II was no less a problem than in previous wars. Desertion rates peaked at 6.3% in 1944, but dropped to 4.5% the following year. During the war, 21,049 US soldiers were sentenced for desertion, and 49 of them received death sentences.
Also 0,23%. Erheblich weniger als
Zitat
ca. etwas über 1,5% der Verurteilungen zum Tode
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