Autor Thema: Claus Schenk Graf von Stauffenberg  (Gelesen 12601 mal)

Nomen Nescio

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Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #15 am: 03.02.10 (00:16) »
taugt der kleine Hauptmann der Wehrmacht der den Pianisten versteckte nicht sogar viel besser zum Vorbild für Menschlichkeit,Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein ?

Ich würde mir eher den Hauptmann als Vorbild für junge Soldaten wünschen.
Ich auch. Oder die einfache Frau in Köln, die Juden verbarg. Von solchen Beispielen, die es ohne Zweifel geben muß, ist kaum was bekannt. Nur fürchte ich, daß das nicht anspricht.

Nimm eine konkrete Person aus unsererer Zeit: Nelson Mandela. Früher war er derjenige, der fürs ANC sich mit «terroristischen» Anschlägen befasste. Und jetzt...

Du stelltest in Deinem Beitrag genau die Fragen, die eigentlich nicht zu beantworten sind, denn moralische Meinungen und Urteile fragen. Ich hab da keine Antwort.

Da kann nur das Gewissen entscheiden.

Christian

  • Gast
Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #16 am: 08.02.10 (15:13) »
Christian, kannst Du das für mich belegen. Denn da möchte ich gerne mehr wissen. Das interessiert mich außerordentlich.

Stauffenberg erklärte gegenüber seinem Mitarbeiter Hptm Joachim Kuhn: " Die täglichen Berichte von Stäben über die Behandlung der Bevölkerung durch die deutsche Zivilverwaltung, der Mangel an politischer Zielgebung für die besetzten Länder, die Judenbehandlung beweisen, dass die Behauptung Hitlers den Krieg für eine Umordnung Europas zu führen, falsch sind. Damit ist dieser Krieg ungeheuerlich."
Die deutschen Verbrechen im Osten waren häufig Gesprächsthema Stauffenbergs. Und diese waren nunmal - neben der "Rettung des Reichs" - eine der wesentlichen Triebfedern der Verschwörer um Stauffenberg und Tresckow.

Wenn du konkrete Fragen hast, stehe ich gerne zur Verfügung, es sei aber auch ein wenig Fachliteratur empfohlen:

Peter Hoffmann, Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Die Biographie, München 2. Aufl. 2008.
Der deutsch-kanadische Historiker Hoffmann ist Fachmann für die Geschichte des Widerstands und der Stauffenberg-Experte schlechthin.

Wer es kurz und bündig mag:

ders., Stauffenberg und der 20. Juli 1944, München 1998.

ders., Der militärische Widerstand in der zweiten Kriegshälfte 1942-1944/45, in: Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945, hrsg. von Heinrich Walle, Berlin u.a. 1994, S. 395-419.

ders., Motive, in: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, hrsg. von Jürgen Schmädeke, München 1985, S. 1089-1096.

Eine gute, aktuelle Übersicht zum militärischen Widerstand im Krieg, auch hinsichtlich der Motive, bietet:

Winfried Heinemann, Der militärische Widerstand und der Krieg, in: Die deutsche Kriegsgesellschaft, hrsg. von Jörg Echternkamp, München 2004 (=Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg 9/1), S.743-892, zur Motivation aus ethischen/moralischen Gründen v.a. S. 777-789.

Michael Wildt, Ethos der Tat. Claus Schenk Graf von Stauffenberg, in: Willensmenschen. Über deutsche Offiziere, hrsg. von Ursula Breymayer, Frankfurt a.M. 2000, S. 134-152.

Christian

Nomen Nescio

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Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #17 am: 08.02.10 (15:56) »
Wenn du konkrete Fragen hast, stehe ich gerne zur Verfügung...
Ja, kannst Du mir vllt sagen, warum Stauffenberg c.s. noch immer umstritten sind. Warum so oft Argumente wiederholt werden wie «Es gab eine Schwur».

Warum nicht realisiert wird, daß Stauffenberg nicht Ursache war, sondern Folge. Daß Ursache war das illegale, verbrecherische Benehmen, daß die Nazis förderten und anwendeten.

Sind die Menschen blind? Ist es Furcht, daß sie dann zugeben, das Vater oder Großvater für eine falsche Sache gekämpft hat. Oder sogar Anhänger war?
Die übergroße Menge der Leute ist doch geboren, als die Nazizeit vorbei war. Man kann ihnen doch schwer die Schuld geben von was passierte. Warum dann so überspannt reagieren???

IM

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Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #18 am: 08.02.10 (16:17) »
Weil heute Leute zu Helden hochstilisiert werden, die sie so keineswegs waren.

Das gilt jetzt nicht unbedingt zu Stauffenberg, sondern zur sogenannten Widerstandsbewegung allgemein.

Balsi

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Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #19 am: 09.02.10 (07:28) »
ichb frage mich  warum ausgerechnet im dt. milit. Widerstand die Konzentration von Adligen derart hoch war. Gilt der Adel in Dtl. als besonders aufgeklärt, tapfer, deutschtreu, patriotisch? Aus welchem Antrieb heraus geschag denn der Zusammenschluß zu den Widerständlern? Es gab zwar zahlreiche Betsrebungen bereits vor dem krieg zuzuschlagen, aber die eigentlichen inneren Attentäter waren doch fast allesamt junge dt. Offiziere, die ihre Meinung bzgl. des NS-Systems zwar in gewisser Weise zwar stets beibehielten, doch wirklich erst sich gezwungen sahen zu handeln, als es doch eindeutig zu spät war. Sprich jahrelang ebenfalls die Augen verschlossen. Es ist ja nun nicht so, daß sie zugeschlagen haben, einen tag nachdem sie erfahren haben, was im Hinterland passiert.

Dennoch muss ich sagen, daß ich es für richtig halte diese Leute zu ehren. Kameradenmord hin oder her. Jeder der im Raum um Hitler stand hatte tausende dt. Soldaten auf dem Gewissen, ja gar Millionen.
Es ist Stauffenbergs Dilemma.. einerseits der absolute Nazi zu sein  - für die Linken und andererseits der absolute Schweinehund - für die Rechten. Stauffenberg steht eigentlich eher für Patriotismus, der zwar in unserem Land heute nicht als hoffähig gilt, dennoch aber keine negative Eigenschaft ist. Wenn das der eigentliche Antrieb ist, dann kann ich persönlich mit dem Vorbild Stauffenberg gut leben.

Richtschuetze

  • Gast
Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #20 am: 09.02.10 (08:51) »
Zitat
Wenn das der eigentliche Antrieb ist, dann kann ich persönlich mit dem Vorbild Stauffenberg gut leben.

Ich tue mich mit dem Thema schwer! Allerdings um so länger ich drüber nachdenke kann ich mich nur der Meinung meines Vaters und der all der ehemaligen Soldaten anschliessen die ich kennen gelernt habe und in dehren Augen war und ist Stauffenberg ein Verräter!
Nie hätten sich die Masse der deutschen Verbände ergeben schon gar nicht den Russen, aber das hätten die Alliierten verlangt.
Auch hätte Stauffenberg einen Bürgerkrieg in Kauf nehmen müssen "Wehrmacht kontra WaffenSS"!
Nein, einen Krieg Deutsche gegen Deutsche lehne ich ab! >:(
Aus Erzählungen weiss ich das die Masse der deutschen Zivilisten das Attentat verurteil haben, dass wird heute auch gerne vergessen!

Zitat
Gilt der Adel in Dtl. als besonders aufgeklärt, tapfer, deutschtreu, patriotisch? Aus welchem Antrieb heraus geschag denn der Zusammenschluß zu den Widerständlern

Ich denke der Adel hatte einen besseren Überblick/Einblick in das ganze System der damaligen Zeit! Alleine aus seiner finanzielen Möglichkeiten, Reisen innerhalb Deutschland bzw ins Ausland! Kontakt zu Bürgern des Auslandes!
Dazu kam noch das vielen Adeligen es nicht gepasst hat das ein "einfacher Mann" jetzt an der Spitze des Staates steht und damit Ihnen vor steht!
Diese besser gestellten Menschen hatte nicht die Nöte und Sorgen des "normalen Volkes" und hatte Zeit sich damit zu befassen.

Gruss

Vielen Deutschen ging es kurz nach dem 1 Weltkrieg schlecht, dass wurde erst Anfang der 30.Jahre besser, dem Adel ging es in der Regel "nie" wirklich schlecht!

Bruno

  • Gast
Re:Claus Schenk Graf von Stauffenberg
« Antwort #21 am: 09.02.10 (09:28) »
Adelige und Industrielle waren damals, und sind immer noch, Opportunisten und Profiteure pur sang. Hitler war nur ein Werkzeug zum Zwecke der Selbstbereicherung, hat aber im Laufe der Zeit anders ausgepackt als sie dachten.
Tja, dann mußte er eben beseitigt werden.

 

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