Autor Thema: [Wallmeister] Atombombe im Gully  (Gelesen 2957 mal)

Niwre

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[Wallmeister] Atombombe im Gully
« am: 21.01.08 (17:22) »
Atombombe im Gully

Zitat
Eine Gruppe von Hobby-Historikern spürt die Reste der Festung Deutschland auf: geheime Kriegsanlagen, die einst den Vormarsch sowjetischer Panzer stoppen sollten. [...]
Truth is invariant under change of notation. (J. A. Goguen)
Es hat niemand die Absicht, im Privatleben harmloser Bürger herumzuschnüffeln. (W. Schäuble)

Jan-Hendrik

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Re: [Wallmeister] Atombombe im Gully
« Antwort #1 am: 21.01.08 (17:36) »
Naja, SPIEGEL-typisch mal wieder "Im Westen nix neues"...aber immerhin mal ne nette Würdigung für Michaels hervorragende Arbeit  :D

Jan-Hendrik


AK 74 ZF

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Re: [Wallmeister] Atombombe im Gully
« Antwort #2 am: 22.01.08 (10:02) »
Jan Hendryk ... welches Problem hast Du mit der Veröffentlichung daß bestimmte Bauwerke zur konventionellen Sprengung vorbereitet waren bzw. es Pläne zur Sperrung ganzer Geländes-As mittels Kernminen gab ? (Oder tu ich Dir unrecht und hab das jetzt falsch interpretiert ??? )  ... Eigentlich ganz normale Vorbereitung der Infrastruktur für den E-Fall.

Daß ein Teil der Wallmeistertrupps auch zum Anlegen von Kernmienenschächten ausgebildet war ist doch inzwischen, auch im Westen ???, offenes Geheimnis. Die Nuklearminen gehörten dem Ami  ... aber im E-Fall wären bestimmte KW an die BuWe übergeben worden. Sowohl KW für die Artillerie (Granaten mit kleiner Ladung Kal. 155 mm, Sprengköpfe für Raketen sowie Bomben für die Lw) als auch Bomben für die Luftwaffe befanden sich in speziellen Lagern, welche im E-Fall (westdt. "Verteidigungsfall") an die BuWe übergeben worden wären. Bei den Kernminen lehn ich mich jetzt mal nicht so weit aus dem Fenster (kann da aber bei einem unserer Akl, welcher bei der NATO im Planungsstab Einsicht hatte und die Pläne kennt mal anfragen). Fakt dürfte sein, daß die Kernminen selbst vorrangig von den Amis eingesetzt und gezündet worden wären. Aber an der Logistischen Vorbereitung ... Planung und Vorbereitung der Sperrpunkte/Kernminenschächte waren die Wallmeistertrupps der BuWe schon beteiligt. Hinsichtlich der Kernminenschächte ein Thema über welches aus politischen Befindlichkeiten bis heute sehr ungern gesprochen wird. Bei der in der westdeutschen Bevölkerung vorhandenen "Atom-Phobie" auch kein Wunder. Dazu kommt das Problem der Empörung von Teilen der Bevölkerung -> "Die hätten uns geopfert !"

Mag sein daß man bis heute in der BRD von diesem Thema "nichts weiß", weil dies nicht opportun ist. Zudem darf man davon ausgehen daß es auch heute nicht üblich ist solche "Top Secret" bzw. sogar noch höher eingestuften Infos, noch dazu bei dieser Brisanz ( denn westdeutsche Ziviltote wären bei diesen Sprengungen unvermeidlich gewesen !) der deutschen Bevölkerung aufs Marmeladenbrot zu schmieren.... In diesem Fall ist es, abgesehn von den Planern und Verantwortlichen selbst, so daß wir im Osten da besser informiert waren. Das lag daran daß ein Teil der Planungen, Dank "Topas" u.v.a. Kundschafter/Aufklärer, eher in Ost-Berlin auf dem Tisch lagen als diese über den Dienstweg bei den NATO-Kommandeuren ankamen.

Da uns das Problem der Kernminen bekannt war, gab es bei uns in der NVA, für ausgesuchte Angehörige einiger Spezialeinheiten (Fallschirmjäger, Fern- und Spezialaufklärer, Pionieraufklärer, Kampf-/Spreng-/Pioniertaucher und Sperr-/Sprengpioniere), eine Spezialausbildung im Suchen und Aufklären von Kernminen/Kernminenschächten im "Kernminenzentrum Klietz". Einige Spezialisten waren auch im möglichen Entschärfen oder Zerstören derselben ausgebildet. ... Wobei wir uns da keinen Illusionen hingaben. Diese Schächte waren, obwohl zum Teil aus Planungen/Geheimplänen bekannt, sehr schwer zu finden. Und das rankommen, durch die gegnerische Sicherung, und eventuelle Entschärfen/Vernichten wären ein "Glücksspiel" gewesen. ... Wir gingen sehr wohl davon aus daß ein großer Teil dieser Ladungen von der NATO erfolgreich gezündet worden wären.

"Im Westen nichts Neues" ... nein "Neu" ist daran nichts. ... Aber glücklicherweise ist das ganze Thema inzwischen Geschichte ! ... Die atomaren Einsatzpläne beider !!! Seiten waren für (Rest)Deutschland (BRD+DDR) wirklich nicht lustig. ... Und es gab da auf beiden Seiten, Ost wie West, Männer welche ohne nachzudenken auf den Befehl "Zünden", "Start" oder "Feuer" auf den berühmten "Roten Knopf" gedrückt hätten.

Übrigens, nicht jeder Wallmeister oder Wallmeistertrupp hatte mit Kernminenschächten zu tun. Der weitaus größte Teil dieser Trupps kümmerte sich um die Vorbereitung konventioneller Sprengungen und Zerstörungen von Brücken, Dämmen, Pässen, Engstellen u.a. neuralgischen Punkten. Es ist sehr wohl möglich daß viele dieser Männer von der Vorbereitung von Kernminenschächten nicht einmal etwas wußte. ... Obwohl ich mir zumindest bei Längerdienern oder Berufssoldaten soviel "Blauäugigkeit" ansich nicht vorstellen kann. ???

AK 74 ZF

P.S. ... Jan Hendryk ... übrigens hat man auch bei uns die Bevölkerung hinsichtlich eigener KW-Einsatzstrategien richtig im Dunkeln gelassen. Da war es immer der aggressive imperialistische Klassenfeind (BBKF = Bitterböser Klassenfeind) welcher den Atomkrieg plante und vorbereitete.

Jan-Hendrik

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Re: [Wallmeister] Atombombe im Gully
« Antwort #3 am: 22.01.08 (10:14) »
Zitat
Jan Hendryk ... welches Problem hast Du mit der Veröffentlichung daß bestimmte Bauwerke zur konventionellen Sprengung vorbereitet waren bzw. es Pläne zur Sperrung ganzer Geländes-As mittels Kernminen gab ?

Ich meinte damit lediglich , daß die Thematik so bald 18 Jahr' nach der Wende nix sensationell neues mehr ist, und Michaels Seite schon verdammich lange onleine ist  ;D

Das geht eher in Richtung Schlafmützigkeit dieses Blattes genannt SPIEGEL  :P

Und das unser schönes Deutschland von beiden Seiten bei einem realen Krieg als Schlachtfeld mißbraucht und ausgelöscht worden wäre, das wagt doch wohl heute keiner mehr zu bezweifeln, oder? Allein schon deshalb können mir die "Freunde" des WP und der NATO so ziemlich gestoheln bleiben, die wollten alle nach Möglichkeit einen 3.WK auf das Territorium des Reiches kanalisieren, und wir wären wohl zu ca. 90% dabei übern Jordan gegangen  ::)

Jan-Hendrik

AK 74 ZF

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Re: [Wallmeister] Atombombe im Gully
« Antwort #4 am: 22.01.08 (11:39) »
Jan da sind wir mal einer Meinung. Die Amis (+Franzosen, Engländer, Belgier) und Russen hätten uns Deutsche für ihre Interessen verheizt. Von der BRD und der DDR wär nur ein ziemlich verstrahlter TRümmerhaufen übrig geblieben.

Hinsichtlich "Im Westen nix neues" hab ich Dich dann (ich ahnte es irgendwie schon bei Deiner Würdigung für Michaels Seite ... wußte aber nicht wie dies gemeint war) falsch interpretiert.

Wie schon geschrieben ... für einige von uns im Osten war dies nichts neues. Wir haben uns ja nicht aus blanken Spaß durch diverse mit Üb-Minen versehene Schächte, Kanalisationsanlagen u.ä. gequält. ... Einer unserer Taucher hing mal genau zwischen zwei Auslösedrähten (im Zugangstunnel) fest, zudem noch mit den Flaschen verkeilt ... der Kanal/Tunnel war sehr eng ... und er wurde nachdem seine Flasche leer war mittels Ersatzflasche beatmet ... bis die Ladungen entschärft waren und das Vordringen durch den Sprengschacht weitergehen konnte. ... Alles so real wie möglich. Trotzdem war uns bewußt daß diese "Kernminenjagd" ein Himmelfahrtskommando mit nur geringen Chancen auf ERfolg und Überleben war. Die meisten Minen wären eindeutig gezündet worden. ... Zumindest drei der mir bekannten Sperrungen/Zerstörungen hätten sehr große Teile der Bevölkerung betroffen.

Kein schönesThema und für jeden inzwischen älter und klüger gewordenen Soldaten (aus Ost und West) ein Grund zu sagen : "Bloß gut daß nichts passiert ist !".  Ich denke schon, abseits aller ideologischen Verblödung und Manipulation auf beiden Seiten, daß der größte Teil der Soldaten der BuWe und der NVA generell für die Bewahrung des Friedens und den Schutz ihres Vaterlandes gedient haben. Der BuWE-Soldat unter dem Slogan "Einigkei und Recht und Freiheit" und der NVA-Soldat "Für Frieden und Sozialismus".

Sowohl die USA als auch die UdSSR hatten KW-Einsatzstrategien, wo jeder Deutsche heute froh sein sollte daß es nicht zu einer offenen Konfrontation beider Pakt-Systeme kam. Zumindest höher ausgebildete Offiziere der NVA und BuWe wußten durchaus was da abgegangen wär ! Und trotzdem hätten sie auf Befehl, in "Treuer Pflichterfüllung" und aus Überzeugung das richtige zu tun, ihre Feuerschläge ausgelöst. Auch das ist Tatsache ... und glücklicherweise nie geschehen.