Autor Thema: Holländische Armee  (Gelesen 26545 mal)

Offline waldi44

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Re: Holländische Armee
« Antwort #15 am: 17.07.07 (12:35) »
Die oben von mir erwähnten Zahlen stammen tatsächlich aus verschiedenen Quellen, wie man sich denken kann und da ist es durchaus denkbar, dass sie dem Leser etwas suggerieren sollen, je nachdem aus welcher Quelle sie gesprudelt sind ::)! Dennoch meine ich, sollte es da auf 10.000 mehr oder weniger nicht ankommen, denn ganz allgemein lässt sich feststellen, dass sich gemessen an der Gesamtbevölkerung aller besetzten Länder, eine nur verschwindent geringe Zahl der "Waffen SS" angeschlossen hat. In dem einen Land ein paar tausend mehr als in dem anderen....
Ich meine, dass sich aus solchen Zahlen nichts basteln lässt, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Offline waldi44

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Re: Holländische Armee
« Antwort #16 am: 27.07.07 (14:57) »
Nach der Befreiung schuf man in den Niederlanden eine sogenannte Sonderrechtssprechung ("Bijzondere Rechtspleging"). Mittels dieser "Rechtsprechung versuchte man gegen diejenigen Niederländer gerichtlich vorzugehen, die während des Krieges mit den Deutschen kollaboriert hatten. In 150 besonderen Lagern sassen zeitweilig für unterschiedlich langer Zeit 100.000 Personen.
Diese relativ hohe Zahl schuf innnenpolitische Probleme, so dass man schon bald, noch 1945, überein kam, nur die besonders schweren Fälle von Kollaboration zu verfolgen. Unter anderem die gegen Angehörige der Waffen SS und der niederländischen Polizei.
Zu den ausübenden bzw ausführenden Organen der Sonderrechtssprechung gehörten das Sonderkassationsgericht, fünf Sondergerichtshöfe und 19 Tribunale. Am 1. Januar 1952 wurde die Sonderrechtssprechung für beendet erklärt.

Wilden

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Re: Holländische Armee
« Antwort #17 am: 31.07.07 (20:44) »
Man muss auch berücksichtigen, dass die Niederlande bis ins 16. (oder 17.??) Jahrhundert zum Deutschen Reich gehörten, und sich die Bevölkerung ebenfalls aus Germanen zusammensetzt. Dazu die Propaganda der W-SS mit dem Verweis auf die Historie.

Offline waldi44

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Re: Holländische Armee
« Antwort #18 am: 23.09.07 (22:51) »
Man sollte aber auch nicht vergessen, dass es gegen Kriegsende doch etwas härter zuging als während der Besetzung. Nach dem "Dollen Dienstag" und dem Eisenbahnerstreik verhungerten um die 10.000 Holländer und beinahe währen es 100.000 geworden!

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Re: Holländische Armee
« Antwort #19 am: 03.10.07 (10:28) »
Man Du gehst ja wieder mit Zahlen um, wer war denn Schuld das 10.000 Holländer verhungerten?
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Offline waldi44

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Re: Holländische Armee
« Antwort #20 am: 03.10.07 (14:09) »
Da Du diem Frage SO stellst, denke ich, dass du dir die Antwort scon zurechtgelegt hast. War um schreibst Du sie dann nicht, sondern stellst so eine provokante Frage? im Übrigen geht es oft auch um die Frage, warum die Holländer oft noch heute nicht gut auf die Deutschen zu sprechen sind, obwohl man sie doch "so gut" behandelt habe. Da muss man eben mal nachforschen, woran es liegen könnte. Das mit den Hungertoten und der lebensmittelknappheit ist da nur ein Punkt.
Zur damaligen Zeit war die lage in Holland recht Schwierig und zwar für alle Beteiligten. Da man Ende 44 annahm, der Krieg ginge für die Holländer bald zu Ende beschloss der holländische Widerstand verstärkt aktiv zu werden. Das führte unter anderem auch zu einem grossen Eisenbahnerstreik. Nicht der erste Streik im besetzten Holland.
Dabei kommt nun der "Knackpunkt". Der Nachschub der deutschen Truppen wurde stark behindert und das zu einem Zeitpunkt, als jeder Waggon für den Frontnachschub gebraucht wurde. Daraufhin ordnete (soll?) der Reichskommissar Seyß-Inquart an, dass ab sofort keine Lebensmittellieferungen mehr in die besetzten teile der Niederlande gebracht werden sollten.
Ich weiss nun nicht, inwieweit das so stimmt oder ob eben nur den Lieferungen für die Front der Vorrang eingeräumt worden sei und bei sowieso eingeschränkten Lieferungen (durch den Streik), eben die für die Niederländer im wahrsten Sinn des Wortes auf der Strecke blieben. Die offizielle Niederländische Geschichtsschreibung sieht die Vorgänge eben so, dass die Deutschen, in Gestalt von Seyß-Inquart, die Lebensmittellieferungen absichtlich unterbanden.
Die Versordungssizuation war sogar so kritisch, dass noch kurz vor der Kapitulation die Alliierten durch die Front (mit deutscher Genehmigung) Lebensmittel nach Holland liefern durften, sonst wären wohl mindestens, wie oben beschrieben, 100.000 Holländer verhungert!

Nomen Nescio

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Re: Holländische Armee
« Antwort #21 am: 14.01.10 (23:28) »
Es gab viele Holländer die in Deutschland als Fremdarbeiter arbeiteten und besser entlohnt wurden als holländ. Arbeiter.
Zuerst gab es noch manche Freiwilligen. Viele aber kehrten sehr enttäuscht zurück.
Zitat
Veel van degenen die zich hadden laten overhalen keerden overigens al vóór het aflopen van hun contract terug naar Nederland, zwaar teleurgesteld in de verworvenheden van de Neuordnung.

Generalkommissar zur besonderen Verwendung Fritz Schmidt war Beauftragter für Sauckels Arbeitseinsatz.
Am 23. März 1942 wurde die Haager Konvention von 1907 außer Betrieb gestellt, und konnte der Arbeintseinsatz beginnen.
Zitat
Eines der wichtigsten Resultate der H. war die Ausarbeitung von Regeln zum Landkrieg (sog. Haager Landkriegsordnung), die auf dem Prinzip gründeten, dass Kriegführende kein unbeschränktes Recht auf die Wahl der Mittel zur Schädigung des Feindes haben und dass Zivilisten und entwaffnete Militärpersonen zu verschonen sind.
April 1942 hatte man die Holland-Aktion I, womit man 30.000 Niederländer für die Metallindustrie «rekrutierte».In September und Oktober 1942 wurden für die Holland-Aktion II 40.000 Menschen gefordert. Später wurde noch das Programm-Rüstung-November 1942 verkündigt, daß 35.000 Arbeiter liefern sollte. Danach kam am 15 Januar 1943 die Stahl- u. Eisen-Aktion wodurch innerhalb zwei Monaten noch einmal 22.000 Metalarbeiter nach Deutschland abgeführt werden sollten. Das in Berlin durchs Reichsarbeitsministerium festgestellte Quotum mußte geholt werden und so passierte es regelmäßig, daß sogar arbeitsunfähige Männer selektiert wurden.
Ende März arbeiteten schon 227.000 Menschen in Deutschland. Die übergroße Mehrheit aber nicht freiwillig. Weil die Niederländischen Soldaten sich wieder in Kriegsgefangenschaft begeben müßten, war die Zahl Anfang Januar 1944 bereits 275.000. Noch viele Niederländer würden folgen.
Nur die Razzien des letzten Kriegsjahres lieferten schon um die 120.000 Männer.

Nomen Nescio

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Re: Holländische Armee
« Antwort #22 am: 14.01.10 (23:36) »
Man Du gehst ja wieder mit Zahlen um, wer war denn Schuld das 10.000 Holländer verhungerten?
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Seyss-Inquart verbot das Transportieren von Essen für die Bevölkerung vom Osten nach dem Westen.
Zitat
DR. STEINBAUER: In dem Regierungsbericht wird behauptet, daß damals 50000 Holländer durch Hunger gestorben sind. Ich möchte daher fragen, welche Gründe haben Sie für dieses Verkehrs-Embargo damals gehabt?

SEYSS-INQUART: Ich glaube, daß ich das Wesentliche auseinandergesetzt habe. Die Verkehrslage war so, daß die Wehrmacht sich ihren Schiffsraum sichern mußte. Solange sie das macht, ist ein Schiffsverkehr an sich unmöglich. Ich wollte es auf eine möglichst kurze Zeit beschränken, damit dann nachher ein gesicherter Schiffsverkehr möglich würde und daher auch eine Versorgung Hollands mit Lebensmitteln gesichert vor sich gehen konnte. Praktisch war der Schiffsverkehr nicht erst durch mein Embargo unterbrochen, sondern, die Zeugen bestätigen es, durch die Tatsache der Beschlagnahme aller irgendwo erreichbaren Schiffe.
Quelle: Digitale Bibliothek: Der Nürnberger Prozess, S. 19739

Deine Argumentation kann ich aber auch umdrehen. Wer war denn Schuld, daß soviel Deutschen in und nach WK II starben?
« Letzte Änderung: 15.01.10 (00:08) von Nomen Nescio »

Nomen Nescio

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Re: Holländische Armee
« Antwort #23 am: 14.01.10 (23:46) »
Nach der Befreiung schuf man in den Niederlanden eine sogenannte Sonderrechtssprechung ("Bijzondere Rechtspleging"). Mittels dieser "Rechtsprechung versuchte man gegen diejenigen Niederländer gerichtlich vorzugehen, die während des Krieges mit den Deutschen kollaboriert hatten. In 150 besonderen Lagern sassen zeitweilig für unterschiedlich langer Zeit 100.000 Personen.
Diese relativ hohe Zahl schuf innnenpolitische Probleme, so dass man schon bald, noch 1945, überein kam, nur die besonders schweren Fälle von Kollaboration zu verfolgen. Unter anderem die gegen Angehörige der Waffen SS und der niederländischen Polizei.
Zu den ausübenden bzw ausführenden Organen der Sonderrechtssprechung gehörten das Sonderkassationsgericht, fünf Sondergerichtshöfe und 19 Tribunale. Am 1. Januar 1952 wurde die Sonderrechtssprechung für beendet erklärt.
@Waldi: Ein nicht unbedeutendes Teil war da aber auch gekommen, weil vielen hier eine Möglichkeit sahen persönliche Rechnungen zu begleichen. Oder aus Habsucht. Dies ist tatsächlich keine schöne Seite unserer Geschichte. Vor allem nicht, weil die Regierung schon in London solche Probleme vorsah. Die dachte aber «Besser können wir es so kanalisieren, denn dann gibt es keinen Mord und Totschlag».
Als die Archiven geöffnet wurden, fand man eine derartige Bemerkung irgendwo notiert.
« Letzte Änderung: 15.01.10 (00:10) von Nomen Nescio »

Nomen Nescio

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Re: Holländische Armee
« Antwort #24 am: 15.01.10 (18:36) »
In Holland gab es vor Kriegsbeginn auch eine rechte Strömung, die aus 7(!!!) Nationalsozialistischen Parteien bestand.
Die bedeutenste war der NSB (Nationaal-Socialistische Beweging), geführt von Dipl.-Ing. Anton Andriaan Mussert.
Es gab sogar noch viel mehr. Das waren aber meist Parteien, die einige Jahre bestanden, worin man einen erbitterten Streit hatte, und dann gab es schon zwei. Hier das Beispiel der Nationaal-Socialistische Nederlandsche Arbeiderspartij. Die kannte sieben Nazi-artige Abspaltungen (es gab also noch mehr):
    * NSNAP-Van Rappard
    * NSNAP-Smit
    * NSNAP-Haighton
    * NSNAP-Smit (2)
    * NSNAP-Van Waterland
    * NSNAP-Kruyt
    * NSNAP-Van Waterland (2)

Ich habe nach Auskünfte gesucht und sie hier gefunden. Vieles da ist nicht bedeutend. Es gibt aber auch Namen von Menschen, die noch heute als schwere Verbrecher betrachtet werden. Z.B. Rost van Tonningen.
Es wäre zuviel alles zu übersetzen. Falls spezifische Informationen gesucht werden, bitte, schreib es mir.

Groß sind sie nie gewesen. Falls sie noch bestanden, wurden sie m.E. 1940/1941 entweder gezwungen Teil der NSB zu werden oder aufgehoben.

Offline waldi44

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Re:Holländische Armee
« Antwort #25 am: 15.01.10 (23:51) »
In jedem diesbezüglichen Beitrag versuche ich, die Relation von "Freiwilligen" und Bevölkerungszahl darzustellen. Ein IMMER negatives Verhältnis, das aber auch IMMER von bestimmten Usern ignoriert wird!

Nomen Nescio

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Re:Holländische Armee
« Antwort #26 am: 16.01.10 (00:12) »
In jedem diesbezüglichen Beitrag versuche ich, die Relation von "Freiwilligen" und Bevölkerungszahl darzustellen. Ein IMMER negatives Verhältnis, das aber auch IMMER von bestimmten Usern ignoriert wird!
100x reicht noch nicht aus.  ;)

Nomen Nescio

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Re: Holländische Armee
« Antwort #27 am: 18.01.10 (13:32) »
Seyss-Inquart verbot das Transportieren von Essen für die Bevölkerung vom Osten nach dem Westen.

Ich fand noch etwas. Am 17. September 1944 wurde der Bahnstreik ausgerufen, um Operation "Market Garden"zu unterstützen. Die Deutsche Transporte wurden dadurch lahm gelegt.
Zitat
De woedende nazi’s treffen represaillemaatregelen, met verstrekkende gevolgen. Ze leggen een boycot op het transport van levensmiddelen naar het westen. De voedselvoorziening is een probleem dat de Nederlanders zelf maar moeten oplossen, zo laat rijkscommissaris Seyss-Inquart optekenen in een kranteninterview.
Die wütenden Nazis nehmen Vergeltungsmaßnahmen, mit weitreichenden Folgen. Der Transport von Lebensmittel nach dem Westen trifft einen Boykott. Die Lebensmittelversorgung ist ein Problem, daß die Niederländer selbst lösen müßen, laut Seyss-Inquart in einem Zeitungsinterview.





« Letzte Änderung: 18.01.10 (17:03) von Nomen Nescio »

Offline waldi44

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Re:Holländische Armee
« Antwort #28 am: 07.03.10 (22:29) »
Dazu das schöne deutsche Wort "Jain".
Natürlich wurde durch den Eisenbahnerstreik die Versorgung der deutschen Front stark beeinträchtigt und durch alliierte Versprech-ungen/Parolen den Holländern suggeriert, der Krieg sei in wenigen Tagen/Wochen, zumindest für sie beendet. "Marked Garden" schlug fehl und somit auch alle darauf gerichteten Prognosen. Der Krieg ging weiter...
Und ebenso natürlich wurden die durch den Streik noch mehr reduzierten Transportkapazitäten zur Befriedigung der deutschen Frontbedürfnisse benötigt und eingesetzt. Es gibt kaum ein Ereigniss des Widerstandes gegen Nazideutschland, dessen Auswirkung auf die Zivilbevölkerung eindeutig dieses Widerstandes zuzuweisen sind.
Allerdings bleibt die Frage, ob in einem besetzten Land tatsächlich gilt:"Die Lebensmittelversorgung ist ein Problem, daß die Niederländer selbst lösen müßen, laut Seyss-Inquart in einem Zeitungsinterview."


Nomen Nescio

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Re:Holländische Armee
« Antwort #29 am: 08.03.10 (11:55) »
Allerdings bleibt die Frage, ob in einem besetzten Land tatsächlich gilt:"Die Lebensmittelversorgung ist ein Problem, daß die Niederländer selbst lösen müßen, laut Seyss-Inquart in einem Zeitungsinterview."
Ein Besetzer hat u.a. die Pflicht dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung ernährt wird.