Autor Thema: Der letzte Flug von Admiral Yamamoto & das Schicksal seiner Eskorte  (Gelesen 27463 mal)

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So, mehr als die 5 Navy-Cross-Verleihungen finde ich nicht.

Somit ist festzustellen, daß einige Quellen dies falsch wiedergeben, oder ich es falsch gedeutet habe.

Beispielsweise in der englischen Ausgabe der Wiki-Seite zur Operation Vengeance ist zu lesen:

Zitat
Mitchell had been nominated for the Medal of Honor for the mission, but as a result of the security issues this was downgraded to the Navy Cross, which he and all the pilots of the killer flight were subsequently awarded.

Das Navy Cross erhielten jedoch nur Mitchell, als Führer der Mission, und die 4 Piloten der sogenannten Killer-Gruppe (Barber, Lanphier, Holmes und Hine).


Ich habe gerade noch mal etwas gegoogelt und unter anderem diese Seite gefunden:

http://www.enter.net/~rocketeer/13thaaf/13thyamr.html

Darin werden zumindest erst einmal alle 16 Namen der beteiligten P38-Piloten genannt:

Zitat
Maj. John Mitchell
Capt. Thomas Lanphier
Lt. Rex Barber
Lt. Besby Holmes
Lt. Ray Hine
Lt. William Smith
Lt. Doug Canning
Capt. Louis Kittel
Lt. Gordon Whittiker
Lt. Roger Ames
Lt. Lawrence Graebner
Lt. Delton Goerke
Lt. Julius Jacobson
Lt. Eldon Stratton
Lt. Albert Long
Lt. Everett Anglin

Auch auf dieser Seite wird es wieder so dargestellt, daß neben den beiden Bombern auch drei der japanischen Begleitjäger abgeschossen wurden.

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Einer der wohl noch leben könnte ist Doug Canning. Von oder auch über ihn habe ich gerade eine eigene Webseite gefunden:

http://www.dougcanning.com/yamamoto1943.htm

In der ausführlichen Beschreibung des Ereignisses wird zwar hier nicht von Abschüssen der japanischen Begleitjäger gesprochen, jedoch wieder von insgesamt 3 Bombern.

Aber es sind einige weitere interessante Absätze enthalten.

Zitat
The sequel to the mission was that Mitchell, Lanphier, Barber and Holmes were put in for the Congressional Medals of Honor. The rest of us were to get Navy Cross’s. However rumors were spread that we were going all over telling about the intercepted message. In fact, it seemed to be common knowledge around our airfield. (There were some forty other people at Mitchell’s briefing). Admiral Halsey called Mitchell and Lanphier in to chew them out about this so-called disclosure. In turn they tried to explain we were not the ones spreading the word. As a result he down-graded the Congressionals to Navy Crosses and for the rest of us, a classified Air Medal signed by Secretary of the Navy Forrestal.

Laut diesen Angaben wurde nicht nur Mitchell zur Medal of Honor eingereicht, sondern neben ihm auch Lanphier, Barber und Holmes. Die Restlichen wurden zum Navy Cross eingereicht. Hier fehlt mir jedoch der Name Hine. Im Ergebnis wurden die Einreichungen abgewertet, Mitchell, Lanphier, Barber, Holmes und Hine erhielten das Navy Cross. Und nun läßt sich auch die Infos finden womit der Rest ausgezeichnet wurde, sie erhielten eine besondere Ausführung der Air Medal.

Interessant ist auch dies hier:

Zitat
In 1988 the Admiral Nimitz Museum had their first symposium, the subject of which was the Yamamoto Mission, with seven American pilots and Kenji Yanagiya participating. After each of us talked at the gathering (with Henry Sadaki, a West Coast historian as an interpreter) I was able to ask Kenji several questions, including when he saw Rex about to attack Yamamoto’s plane “Why didn’t he call Y’s plane to tell them of the attack” and his answer was “He couldn’t as they had removed their radios to make the Zero lighter  to turn and climb better”. For the same reason, their fuel tanks were not self sealing which made the plane explode when it was hit and so many of their pilots did not even wear parachutes! How Pitiful!! He said that instead of going after Rex he dived and tried to get to where he could fire his guns so his tracers would warn the Admiral’s pilot that an enemy attack was about to occur. I also asked him “What was their punishment for failing to protect the Admiral’s plane. His answer was  “all six Zero pilots survived the fight”. Five landing at Kahili and one at Ballale. Then at two that afternoon, the six took off and returned to Rabaul.” Then he told me they were to fly combat missions until they were killed. He even knew where and when each of the other five were shot down. In his case he was in a fight with a F6F which hit him in his hand which he lost and thus his life was saved as he couldn’t fly any more..

1988 kam es in den USA zu einer Veranstaltung an der neben 7 amerikanischen Piloten auch der einzige noch lebende japanische Pilot Kenji Yanagiya teilnahm.

Kenji Yanagiya erzählte unter anderem, daß die Zeros keine Funkgeräte hatten, dies geschah, damit ihre Maschinen leichter wurden und so auch bessere Flugeigenschaften erhielten. Aus dem gleichen Grund waren auch die Tanks besondere Schwachstellen der Zeros, was zu vielen Explosionen bei Beschuß führte. Weiterhin trugen viele japanische Piloten auch keine Fallschirme.

Die fehlenden Funkgeräte waren der Grund, warum die Zeros keinen direkten Kontakt zu den Bombern aufnehmen und sie eventuell warnen konnten.

Weiterhin machte Kenji Yanagiya die Aussage, daß definitiv keiner der sechs japanischen Begleitjäger abgeschossen wurde. Fünf landeten nach dem Luftkampf in Kahili, einer in Ballale. Noch am Nachmittag kehrten alle 6 geschlossen nach Rabaul zurück, was die Vermutung aufkommen läßt, daß keine der japanischen Maschinen zumindest schwere Beschädigungen hatte.

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Auch Doug Canning blieb nach dem Krieg beim Militär und erreichte ebenfalls den Dienstgrad eines Oberstleutnants.

Auf der oben erwähnten Seite kann man auch ein signiertes Gruppenfoto bestellen:

http://www.dougcanning.com/picture.htm

Das Foto trägt die Signaturen von 9 der 16 P38-Piloten, darunter auch Mitchell, Barber und Holmes.

Beziehen kann man das Foto für 200 Dollar, allerdings nur gegen Vorkasse. Da stellt sich mir die Frage, von wann stammen denn die Bilder, allein Mitchell ist ja bereits 1995 verstorben. Dann müßten die ja auf Vorrat signiert worden sein, ein Vorrat der fast 20 Jahre anhält. Obwohl, bei dem Preis, ...

Nomen Nescio

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Im Netz habe ich diese Formulierung gefunden:

Zitat
The 432-mile low-level intercept mission to attack and shoot down Admiral Yamamoto was the longest successful fighter intercept mission flown during World War II.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie die korrekte Übersetzung wäre. Wäre es die längste von Jägern geflogene Abfangmission des Zweiten Weltkrieges ?
erfolgreich hast Du vergessen.
Es gab also offensichtlich längere Abfangmissionen, die aber erfolglos waren.

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Gerade habe ich eine weitere Abhandlung über die Ereignisse vom 18. April 1943 gelesen, in deren Mittelpunkt Thomas Lanphier stand. Dort wurde es so geschildert, daß noch vor dem Angriff auf die beiden Bomber drei der japanischen Begleitjäger frontal auf die Formation von Thomas Lanphier zuflogen. Dabei konnte Thomas Lanphier einen der Japaner abschießen, und schwenkte später auf den Bomber von Yamamoto zu und schoß diesen ebenfalls ab.

Das war alles ganz nett zu lesen, nur mit dem wirklichen Ablauf hat dies alles nichts zu tun.

Auch die Texte für die Verleihungen des Navy Cross an die 5 beteiligten Piloten fallen als verläßliche Quelle weg.

Zusammenfassend kann man mit heutigem Wissensstand sagen:

Den Bomber von Yamamoto schoß Rex T. Barber ab, den zweiten Bomber schoß Besby Frank Holmes ab. Im Gegensatz zu einigen Darstellungen wurde jedoch kein einziger der sechs japanischen Begleitjäger abgeschossen, dafür mit Raymond K. Hine einer der 16 amerikanischen P-38-Piloten.

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Bei der mich persönlich interessierenden Frage, wer den von den 16 P-38-Piloten eventuell noch lebt und was aus ihnen geworden ist, da bin ich mit dem Netz noch nicht wirklich weit gekommen.

John Mitchell    (14.07.1915 – 15.11.1995)
Thomas Lanphier    (27.11.1915 – 26.11.1987)
Rex Barber    (06.05.1917 – 26.07.2001)
Besby Holmes    (05.12.1917 – 23.07.2006)
Ray Hine    (?? – 18.04.1943)
William Smith
Doug Canning
Louis Kittel
Gordon Whittiker
Roger Ames
Lawrence Graebner
Delton Goerke
Julius Jacobson
Eldon Stratton
Albert Long
Everett Anglin

Nomen Nescio

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Der Plan ansich war genial, wenn er auch so umgesetzt worden wäre wie er geplant war.

Die  3. Angriffs-Welle sollte die Treibstoff-Lager vernichten, aber sie wurde nicht durchgeführt weil man den bisher erzielten Erfolg für ausreichend hielt.

Wären die Treibstoff-Lager zerstört worden, noch dazu die Trockendocks dann wäre die US-Pazifikflotte auf Monate blockiert gewesen.
Ronny, einiges solltest Du nicht vergessen

Nagumo durfte kein Risiko laufen, denn seine Flugzeugträger waren für mindestens 4 Monate «ausgebucht». Sie wurden benötigt für den Kampf bei den Philippinen, Malakka und Niederländisch Ost-Indien. Sonst könnte das Resultat da sehr wohl eine Katastrophe werden.

Weiter war es so, daß der Japanischen Konsul in Honolulu (der die Japaner dauernd unterrichtete über die Bewegungen der Amerikanischen Flotte) keine Mitteilung gegeben hatte, daß die Träger abwesend waren. Das bedeutete, daß Nagumo unweigerlich damit rechnen mußte, daß die Amerikaner in der Nähe waren. Wie gefährlich das sein konnte, zeigte Midway.

Ansonsten kann man eine wunderbare Geschichte lesen über das Brechen der Japanischen Admiralskode (wodurch die Amerikaner wußten, daß Yamamoto da fliegen würde) in «Codebrecher am Werk» (The broken seal) von Ladislas Farago. Dieses Buch empfehle ich jedem, denn es gibt soviel Information über die Vorgeschichte von Pearl Harbor.

 

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