Autor Thema: Heinz Rühmann und andere  (Gelesen 7153 mal)

waldi44

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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #15 am: 03.04.07 (12:12) »
Nun, die Demokratie der Weimarer Zeit kannste getrost in der Pfeife rauchen. Ein ungewolltes und daher auch ungeliebtes "Kind" voller Geburtsfehler. Da hatte man in der Tat schnell die Schnauze gestrichen voll und suchte nach Alternativen. Die einen fanden sie bei den Kommuniste, die anderen bei den Nazis.
Was anderes, neues, wollten sie alle und da hat Logo nicht so unrecht, wenn er die Verhältnisse der frühen DDR mit anführt. Da herrsche teilweise auch so etwas wie Aufbruchstimmung und das nicht nur "go West" und man konnte nicht unbedingt ahnen oder hellsehen, was da einmal entstehen würde.

Man darf bei der wirtschaftlichen Entwicklung des 3. Reiches (Industrie, Rüstung, Forschung) aber nicht übersehen, dass vieles aus dem entstand, was zB. jüpdische Forscher/Wisssenschaftler entwickelt hatten, die dann das Land verliessen - Einstein ist da eben das bekannteste, aber bei weiten nicht einzigste Beispiel. Auch in der Industrie schufen die Juden einiges, von dem, nach Enteignung und/oder Zwangsverkäufen auch die Nazis provitierten. DAS konnte man dann in der Öffentlichkeit schon eher sehen auch das Verschwinden jüdischer oder politisch unliebsamer Künstler, aber vielen war das egal und nicht wenige sympatisierten mit den Aktionen der Nazis und andere wiederum profitierten sogar davon.

Übrigens brauchte man ab 41 auf keinen Kunstschaffenden "Druck" ausüben. Alleine die Nennung der "Ostrfront" war wohl "Druck" genug und es gab nicht wenige Künstler, die eben weniger berühmt oder bekannt waren, die dann, wenn sie Glück hatten, im Fronttheater Dienst tun durften statt im Schützengraben! Dass musste und wollte man sich nun sicher nicht freiwillig antun. Auch ein Rühmann nicht oder ein Albers und hätte ein damals lebender Knopp das getan?
Aber diese Frage steht ja nicht im Raum. Man sollte sie sich aber vielleicht gelegentlich stellen, wenn man über die Zeit zwischen 1933 und 1945 redet!

Nightwish

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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #16 am: 03.04.07 (12:37) »
Zitat
Nun trotzdem war es nur eine Randnotiz, es sei denn Du bist der Meinung der Vorsprung in Technik war exorbitant , wenn die Entwicklung eine andere gewesen wäre!

Ein exorbitanter Vorsprung ist unter den Staaten der westlichen Hemisphäre nur schwer zu erreichen gewesen. Was ich meine ist der Verlust an wissenschaftlichem Potential und intellektuellen Kulturschaffenden.

Zitat
Scheinbar nicht denn es wurden genug kulturelle, wissenschaftliche und viele andere Leistungen erbracht um die die Welt Deutschland beneidete und bewunderte, wir sprechen übrigens immer noch von 33-39 !

Keine Frage, ja.

Zitat
Du machst schon wieder einen Denkfehler !
Die deutsche Bevölkerung war die so genannte Demokratie leid, sie hatten die Schnauze voll. Du interpretierst die Nachkriegserfahrungen der Demokratie in die Zeit von damals und denkst ,wie heute übrigens die Amis immer noch, das Demokratie exportierbar sei, nein die Deutschen haben sie abgewählt weil sie damals einen zerstörten Staat hinterlassen haben.

Nein, ich denke nicht, dass Demokratie exportierbar sei. Und die Demokratie der Weimarer Republik hatte sehr schlechte Vorraussetzungen aufgrund der Versailler Vertrages. Dann kam noch die Weltwirtschaftskriese... Das alles sind aber keine Fehler der Demokratie. Denn in den zwanzigern gab es durchaus positive, auch wirtschaftliche Entwicklungen. Und auch 32 zeichnete sich ein Verbesserung ab. Im übrigen gab es Ansätze einer Demokratie ja bereits nach 1871. Die Sozialdemokraten betrachten die Weimarer Republik als Fortsetzung der Demokratisierung Deutschlands, nicht als Implantat. Sebastian Haffner übreigens auch ;-) ...

Zitat
Ob Du Dich nun "hüstelnd" hin und her bewegst ist mir völlig egal, richtig ist das Deine Intellektuellen ob nun jüd. Glaubens oder pazifist.,kommunist. etc. pp. das Land verlassen mußten, weil sie sich mit den Nazis anlegten und zwar in der Weimarer Republik, gibt genug Zeitungen, Zeitschriften, Pamphlete im Staaatsarchiv in Berlin wo sich diese Zeitgenossen mit den Nazis öffentlich anlegten. Es war eben für sie nicht überraschend, sondernd zwingend das sie emigrierten.

Und? Wieso soll man sich nicht mit dem politischen, oder gar semitischen Gegner anlegen dürfen? Verliert man damit nach deiner Meinung das Recht in Deutschland leben zu dürfen? Wieso sollte man sich nicht kritisch äußern dürfen? Da du dich ja so gut im Staatsarchiv auskennst, könntest du dir ja nochmal die Zeitungen der 'anderen' Seite anschauen. Und ich denke nicht, dass sich alle Emigrierten persönlich mit den Nationalsozialisten angelegt haben. Meinst du, dass alle jüdischen Uni-Profs Schriften gegen die NSDAP verfasst haben? Oder  jüdische Beamte Aushänge gemacht haben? Oder kommunistische Arbeiter? Mit welchem Recht hat man über z.B. Carl Zuckmayer Aufführungsverbot verhängt? Mit welchem Recht sein Haus beschlagnahmt? Gut, die Demokratie war quasi abgeschafft, aber ist das moralisch? Das war es weder damals noch heute, bevor du mir wieder mit deinem "deine eingeschränkte Sicht von heute kommst". Dir würde es vielleicht ganz gut tun, deinen Geist vom Gedankengut der Zeit zwischen 33 und 45 zu emanzipieren. Was hast du denn für ein Deutschlandbild?

Zitat
Es war eben eine Randnotiz, heute bis in allen Spähren des Widerstandes gegen Nazis aufgebauscht, wurde es damals kaum bis überhaupt nicht wahrgenommen !

Welcher Widerstand? Davon habe ich nicht gesprochen und will das auch nicht heroisieren. Aber bist du der Meinung, dass die Nationalsozialisten völlig zu unrecht kritisiert wurden? Dass sie Juden nicht aus ihren Stellungen gedrängt haben? Dass sie politisch anders denkende, die es nun mal,  wie das in Demokratien üblich ist, gibt, und die Demokratie bestand nunmal bis 33, verfolgt und inhaftiert haben? Dass Teile der jüdischen Bevölkerung - die die konnten - emigrieren mussten um nicht ermordet zu werden? Dass sie Schriftstellern, sogar Ernst Jünger, Publikationsverbote auferlegt haben, wenn sie sich nicht für ihre Zwecke haben einspannen lassen?

Zitat
Es gab nämlich andere Probleme der Bevölkerung nämlich Arbeit, Auskommen, Wohnung und überleben.

Die gab es, ohne Frage. Aber das ist jetzt Verschleierungsrethorik, oder!?

Zitat
Nochmals zu Deiner ersten "Hüstel" Attacke, ist Dir eigentlich schon mal in den Sinn gekommen, das es viele gab die ein neues Deutschland aufbauen wollten und den "alten Dreck" abstreifen wollten ? Das es viele Idealisten (wie später in der DDR auch) gab die was neues wollten? Nein ? Kannst Du auch nicht weil Du immer nur von der jetzigen Zeit zurückblickst, ohne auch nur im Geringsten die Zeitumstände von damals in Betracht zu ziehen.

Doch, das tue ich durchaus. Du scheinst das leider nicht erkennen zu wollen. Oder nicht erkennen zu können? Ist "Alter Dreck" eigentlich von dir? Dann ist deine Einstellung ja klar. Dann ist dein Blick vielleicht  etwas vernebelt durch den Dunstkreis der 'schönen Verhöltnisse' 33 - 45?

Zitat
Ja es wurde Druck auf Rühmann ausgeübt, wie übrigens in der DDR auch (auf Ehepartner mit Westverwandschaft z.B.) und ?

Und? Ja, und? Das ist okay oder was möchtest du mir sagen?

Zitat
Es spielte bei den meisten nur eine marginale Rolle, weil andere Themen (s.o.) wichtiger waren und auch erachtet wurden.
Es wurde, wenn überhaupt einmal erlebt im Umfeld, abgetan mit neue Zeiten, die neue Mechanismen erfordern.
Mag dies aus heutiger Sicht befremdlich erscheinen, so hat sich dies so abgespielt

Ja, ich weiß, dass es damals zum Teil tatsächlich so gesehen wurde, dass es einer neuen Zeit mit neuen Mechanismen bedarf. Und ich weiß auch, dass die Menschen Orientierung suchten und die Orientierungslosigkeit der Weimarer Republik leid waren. Aber es gab eben auch Menschen in Deutschland, die eine demokratische Veränderung wollten, die, wie das in Teilen der nationalen Bewegung, auch der National-Bolschewisten übreigens, nicht aus dem Weltkrieg ableiteten, dass aus eine neue Zeit anbrechen müsste, die eines starken Führers bedürfe. Diese haben, wie die Nationalsozialisten auch, ihre Meinung vertreten. Teils mit den gleichen Methoden, z.B. Saalschlachten, das damals einfach üblich. Aber so wie du es darstellst, sicn die guten, harmlosen Nationalsozialisten immer von den bösen Demokraten, Intelektuellen und auch den Juden angegriffen worden und als sie dann trotzdem in demokratischen Wahlen die Macht hatten, mussten sie ihnen natürlich zeigen, dass das mit der NSDAP nicht geht! Ist doch klar, dass man dann Stellen kündigt, Verhaftungen durchführt oder Bestitz einzieht! Ist das deine Meinung?

Zitat
und Beispiele aus jüngster Geschichte beweisen, das es sich immer wieder so abspielen würde , wenn ich die ganzen Opportunisten und Abnicker in diesem Lande sehe.

Ja, vermutlich hast du Recht...

NW
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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #17 am: 03.04.07 (12:41) »
Zitat
Übrigens brauchte man ab 41 auf keinen Kunstschaffenden "Druck" ausüben. Alleine die Nennung der "Ostrfront" war wohl "Druck" genug und es gab nicht wenige Künstler, die eben weniger berühmt oder bekannt waren, die dann, wenn sie Glück hatten, im Fronttheater Dienst tun durften statt im Schützengraben! Dass musste und wollte man sich nun sicher nicht freiwillig antun. Auch ein Rühmann nicht oder ein Albers und hätte ein damals lebender Knopp das getan?
Aber diese Frage steht ja nicht im Raum. Man sollte sie sich aber vielleicht gelegentlich stellen, wenn man über die Zeit zwischen 1933 und 1945 redet!

Ja sicher, besser im Fronttheater, als an der Ostfront. Und ob Knopp damals was gesagt hätte ist wohl auch fraglich. Vielleicht hätte er auch Publikationsverbotr bekommen oder so...
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waldi44

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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #18 am: 03.04.07 (15:19) »
Vielleicht aber wäre er auch wieder Historiker geworden, nur hätte er eventuell die Ereignisse dann aus einer anderen Sicht bewertet und komentiert! Keine Unterstellung, aber Möglichkeit. Im Nachhinein ist alles so einfach und durchsichtig!

Nightwish

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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #19 am: 03.04.07 (15:51) »
Zitat
Vielleicht aber wäre er auch wieder Historiker geworden, nur hätte er eventuell die Ereignisse dann aus einer anderen Sicht bewertet und komentiert! Keine Unterstellung, aber Möglichkeit.

Ja, kann durchaus sein.

Zitat
Im Nachhinein ist alles so einfach und durchsichtig!

Jaja, fang du auch noch an...  ;) Irgendwie versteht mich hier niemand. Ich bin der Meinung nichts geschrieben zu haben, was ausschließlich aus einer retrospektiven Bewertung "einfach und durchsichtig" scheint. Ich habe nur die Karrieren anderer Künstler gegenübergestellt. Und ich habe auch geschrieben, dass ich nicht weiß, wie ich gehandelt hätte...
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waldi44

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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #20 am: 03.04.07 (19:47) »
Ich meinte nicht dich, sondern die Historiker, wie Knopp und Co und jene, die immer alles wussten und richtig gemacht hätten.

Nightwish

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Re: Heinz Rühmann und andere
« Antwort #21 am: 03.04.07 (20:35) »
Ahso, t'schuldige... ;)
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