Autor Thema: Ermordung von Wehrmachtssoldaten auf der Krim nach Kapitulation von Sewastopol  (Gelesen 28501 mal)

Andi

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Ich hab in Erich Kerns "Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner" gelesen, dass nach der Kapitualtion bzw. Räumung von Sewastopol über See, wobei nicht alle deutschen Truppenteile mehr evakuiert werden konnten, einige Wehrmachtsangehörige von den Sowjiets liquidiert wurden. Das muss etwa Mitte Mai 1944 gewesen sein. Mich wurde interessieren, ob einer von euch Zahlen bezüglich der Anzahl der erschossenen dt. Soldaten zu diesem Zeitpunkt auf der Krim hat. Um welche Einheit es sich deutscherseits handelt ist nicht eindeutig, aber es ist erwähnt, dass die Reste der 50.ID wohl der letzte Wehrmachtsteil war, der evakuiert werden konnte.
Danke für jede erhaltene Antwort.

Gruss,

Andreas

hec801

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Hallo Andi,

einige Tausend Angehörige der 50. ID sind zurückgeblieben, darunter auch mein Grossvater... aus Erzählungen von Kameraden usw. weiss ich, dass bei der 50. ID die "einfachen" Soldaten die Hochausgezeichneten und die Offiziere in die Mitte genommen haben, um eine Trennung in Gruppen zu erschweren. Man befürchtete, dass diese dann "sonderbehandelt werden sollten". Zu Erschießungen kam es meines Wissens bei unserer 50. ID nicht.

Allerdings ist dies bei der 111. ID der Fall gewesen. Direkt nach der Gefangennahme wurden Dienstgrade mit Deutschem Kreuz in Gold von den Sowjetischen Soldaten auf der Stelle erschossen. Vermutlich dachten Sie, es handelt sich um Parteiangehörige auf Grund des grossen Hakenkreuzes auf der Auszeichnung.

In einem anderen Fall bei der 111. ID hat zum einen ein Panzer, der an einer Gefangenenkolonne vorbeirollte, einfach eingeschwengt und ist einige Male in die Kolonne hineingefahren, wobei er einige Deutsche Soldaten tötete. Das ganze soll erst ein Ende gefunden haben, als ein Sowjet. Offizier dazu kam.

Zum anderen ist ein Vorfall bekannt, bei dem eine Sowjet. Soldatin auf einem Panzer sass (oder auf einem Trümmerhaufen oder so, weiss es nicht mehr genau) und wahllos in die Deutsche Menge feuerte...

Gruss

Hannes

Richtschuetze

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Bei lebendigem Leib in die Brandung gelegt...

Am 28. Dezember 1941 landeten überraschend starke sowjetische Streitkräfte bei Kertsch und bei Feodosia, das erst am 3. November in deutsche Hände gefallen war. Graf Sponek, der Kommandierende General des XXXXII Korps, nahm die schwache 46. Infanterie Division zurück und räumte (vorübergehend) die Halbinsel Kertsch.

Dabei blieben etwa 160 Schwerverwundete in den Lazaretten von Feodosia zurück. Ihr Schicksal war zunächst ungewiß, doch sickerten während der nächsten Tage Berichte durch das Niemandsland bis in die deutschen Stellungen.

Bereits am 3. Januar 1942 wurden zwei Soldaten wegen diesbezüglicher Gerüchte vernommen. Der Gefreite Heinz Splettströsser sagte aus:

“Ich war während der Landung in Feodosia bei dem MG-Zug eingeteilt. Als die Kompanie in Staraja Krym übernachtet hatte, traf ich morgens einen Kameraden von der Küstenartillerie, mit dem Familiennamen Weise. Er berichtete etwa folgendes: Am Nachmittag des 29.12.1941 hätte er einen russischen LKW beobachtet, der, mit russischen Verwundeten beladen, vor dem Feldlazarett Feodosia angehalten hätte. Kurze Zeit darauf beobachtete er, daß die deutschen Verwundeten von russischen Soldaten zum Fenster des Lazaretts herausgeworfen wurden.

Der Oberfunker Georg Radke gab den Bericht eines aus der Kaserne
von Feodosia entflohenen deutschen Soldaten wieder, der auf seiner
Flucht am dortigen Feldlazarett vorbeigekommen war und davor die
Leichen verwundeter deutscher Soldaten liegen gesehen hatte.

In dem Tagesbefehl des Armeeoberkommandos 11 vom 14. Januar 1942 heißt es aufgrund dieser Meldungen:

“In Feodosia wurden alle Verletzten und Kranken bis auf einige nicht transportfähige Schwerverwundete geborgen. Bei diesen blieben in höchstem Opfermut ein Assistenzarzt und sechs Sanitätssoldaten der H.San.Kp. b (mot) 715 zurück. Mit ihrem Heldentod ist zu rechnen.

Bei der Wiedereroberung der Stadt am 1 8. Januar 1942 fand das Infanterieregiment 105 die Lazarettinsassen noch mit ihren Verbänden vor, an verschiedenen Orten erschlagen, hauptsächlich am Fuße einer mehrere Meter hohen Ufermauer und unmittelbar am Ufer des Schwarzen Meeres, wo einige Verwundete bei lebendigem Leibe in die Brandung gelegt worden waren, bis eine dicke Fisschicht sie eingehüllt hatte. 


Lichtbilder wurden sofort gemacht und an die Wehrmacht- Untersuchungs-Stelle weitergeleitet. Die ersten richterlichen Zeugenvernehmungen wurden wenige Tage später durchgeführt, ohne auf ein Ersuchen der WUSt zu warten.

Am 25. Januar 1942 vernahm Kriegsgerichtsrat Fuchs den russischen Zivilarzt Jury Dimitrijew:

»Am 29. Dezember 1941 kamen zunächst russische Marinesoldaten und später auch Infanteristen von der Roten Armee. Die Marinesoldaten liefen in vollkommen betrunkenem Zustand durch die Stadt und begaben sich gleich am ersten Tage zu dem Lazarett, gegenüber dem Schloß, und erschossen die dort untergebrachten deutschen Verwundeten. Es handelte sich hier um ca. 30 bis 35 deutsche Soldaten... Am 3. Tage, das ist der 1.1.1942, erging der allgemeine Befehl, daß alle Deutschen im wiedergewonnenen Gebiet zu erschießen seien. Darauf wurden von den Kommissaren und der NKWD Kommandos eingesetzt, die in den übrigen Lazaretten und Krankensammelstellen untergebrachte deutsche Verwundete erschossen haben. Im Städtischen Krankenhaus lagen ca. 60, im Schloß 25 und im Technikum ca. 30 bis 40 deutsche Verwundete. Insgesamt sind mithin in Feodosia in der Zeit der Wiederbesetzung der Stadt durch die Russen ca. 160 deutsche Soldaten erschossen worden.«

Am 30. Januar 1942 vernahm Kriegsgerichtsrat Fuchs den russischen Arbeiter Konstantin Bursud, der als Krankenpfleger dort tätig gewesen war.

»Nach der erfolgten Landung der Russen in Feodosia hielt ich mich am Südausgang der Stadt in einem Keller versteckt, da ich befürchtete, daß ich von den Roten genau wie andere, die vorher mit der deutschen Militärbehörde zusammengearbeitet haben, erschossen werden würde. Von meinem Versteck aus hatte ich nur ein geringes Beobachtungsfeld. Am ersten Tage der Rückkehr der Russen, insbesondere der Rotflottisten, machte ich die Beobachtung, daß ein Kommando roter Marinesoldaten an dem Platz hinter dem Lazarett ungefähr 12 deutsche Verwundete, die sie mit einem Lastkraftwagen dorthin gebracht hatten, mit Hieb- und Stichwaffen töteten. Des weiteren kann ich noch berichten, daß die Rotflottisten sich selbst gerühmt haben, eine Anzahl deutscher Schwerverwundeter aus den Fenstern geworfen und sie alsdann mit Wasser übergossen zu haben, damit sie in der Kälte erfrieren sollten. Davon habe ich selbst aber nichts beobachtet; ich berichte das nur so, wie die Rotflottisten erzählt haben.”

Am 31. Januar 1942 befragte Kriegsgerichtsrat Dr. Wilhelm Leutnant Hans Friedrich Döring:

“In dem früheren deutschen Lazarett, welches in einem moscheeähnlichen Gebäude untergebracht war, liegen in zwei großen Räumen die Leichen von etwa 50 deutschen Soldaten. Es sind meiner Ansicht nach Schwerverwundete, die bei der Räumung von Feodosia am 29.12.1941 wegen ihres Zustandes nicht mitgenommen werden konnten, oder solche Verwundete, die den Russen sonst in die Hände gefallen waren. Einige tragen rote Lazarettzettel, bei einigen sieht man, daß ihnen ein Bein amputiert worden war. Die Leichen sind alle zum Teil grauenhaft verstümmelt...

 
Unmittelbar neben dem Lazarett, und zwar rechts vom Haupteingang, befindet sich eine Mauernische, die nach oben zu offen ist. In dieser liegen die Leichen einer Anzahl deutscher Soldaten, zum Teil nackt, zum Teil mit einem Hemd bekleidet. Die Leichen liegen genau nebeneinander in mehreren Reihen. . . Die Leichen befinden sich unter einer Eisschicht. Offensichtlich sind die Verwundeten lebend dorthin gelegt, dann mit Wasser übergossen worden. Der Tod ist dann durch Erfrieren eingetreten. An diesen Leichnamen waren Verstümmelungen, wie sie oben beschrieben sind, nicht zu sehen”.

Am 2. Februar 1942 berichtete Stabsarzt Dr. Rudolf Burkhardt vor Kriegsgerichtsrat Dr. Jahn:

“Inzwischen war mir berichtet worden, daß sich am Strande ein großer Hügel befinde. Ich begab mich zu dem Hügel und stellte fest, daß aus ihm eine Hand mit einer Cramerschiene herausragte. Ich ließ hierauf den Hügel öffnen. 


Nach der Entfernung einer schmalen, etwa handbreiten Sandschicht stellte ich fest, daß darunter aufeinandergehäufte Leichen lagen. Nach Aussagen der Bevölkerung sollten es insgesamt 55 sein, was sich nach den getroffenen Feststellungen als richtig erwies. Am folgenden Tage habe ich die Leichen aus dem Hügel herausnehmen lassen. 
Ich konnte einwandfrei feststellen, daß es sich bei den Leichen um Schwerverwundete meines Lazaretts handelte. Ich konnte auch einige Leichen infolge der Art ihrer Kriegsverletzungen identifizieren. Die Leichen trugen zum großen Teil noch Gipsverbände und Schienen. An einigen Leichen konnte ich sogenannte Waschhaut feststellen. Daraus kann man allerdings nicht einwandfrei feststellen, daß die Leichen noch hei Lebzeiten mit Wasser in Berührung gekommen sind, weil mitunter Waschhaut durch Wasserberührung auch bei frischen Leichen entsteht. Ich schließe aber daraus, daß bei vielen Leichen Erfrierungen ersten, zweiten und dritten Grades an den unbedeckten Gliedmaßen festzustellen waren, daß die Schwerverwundeten bei Lebzeiten am Strand gelegen haben müssen und der Kälte ausgesetzt gewesen sind. 


Erfrierungen in diesem Ausmaße können meines Erachtens an Leichen nicht entstehen... Die Gipsverbände waren zum Teil zerbrochen. Aus den Bruchspalteri war Blut und Eiter herausgetreten. Daraus ergibt sich ebenfalls der Schluß, daß der Schwerverwundete, bei dem diese Merkmale festgestellt wurden, noch gelebt haben muß, als der Bruch des Gipsverbandes eintrat... Etwa 50 m von dem Hügel entfernt lag die Leiche eines Verwundeten, die von Sand überspült war. 10 Meter weiter lag eine weitere deutsche Leiche, die durch fortgesetztes Überspülen mit Meerwasser in eine Glasschicht gehüllt war ... Auf einem russischen Friedhof wurden noch über 100 Leichen deutscher Soldaten gefunden, die in ein Haus zusammengetragen und von mir besichtigt wurden. Dabei waren ca. 60 bereits ärztlich behandelte Verwundete, was man an den Verbänden und Schienen erkannte. Diese ca. 100 Leichen wiesen deutlich Merkmale auf, die den Schluß rechtfertigten, daß sie mit stumpfen Gegenständen erschlagen worden sind.“‘

Am 14. Februar 1942 vernahm Kriegsgerichtsrat Dr. Lungwitz den russischen Krankenpfleger Kalafatow Assan, der im deutschen Lazarett in Feodosia Dienst getan hatte.

“Gleich nach Eintreffen des Offiziers und der Matrosen wurden zwei Leute von dem russischen Sanitätspersonal im Lazarett erschossen, weil sie die deutschen Verwundeten gepflegt hatten. Ich selbst und zwei andere Krankenpfleger sind sofort geflüchtet, um nicht auch erschossen zu werden. Am 7. Januar 1942 gegen zwei Uhr nachmittags sind wir drei nochmals nach der Villa Stamboli gegangen, um zu sehen, was dort ios sei. Wir fanden sämtliche Verwundete nicht mehr in dem Kellerraum vor, in welchem sie vorher wegen der Beschießung der Stadt mit ihren Betten untergebracht worden waren. Alle Verwundeten lagen in einem anderen leeren Kellerraum und waren erschossen.“‘

Auch unverwundete deutsche Kriegsgefangene wurden kurz vor der Räumung Feodosias durch die Russen erschossen.

Dr. Gottfried Hagemann, fliegender Armeerichter beim Gericht des Armeeoberkommandos 11, vernahm am 24. Januar 1942 den Gefreiren Anton Niedermair. Dieser war Koch bei der 2. Krankentransportabteilung und wurde am 29. Dezember 1941 von den Russen in Feodosia gefangengenommen. Am 16. Januar 1942 sollte er erschossen werden.

“Ein Russe in einer blauen Uniform, offensichtlich ein Kommissar, trat auf mich zu, setzte eine Pistole auf meinen Nacken und schoß. Ich fühlte einen starken Schlag und verlor die Besinnung, aber nur für ganz kurze Zeit. Als ich wieder zu mir kam, hörte ich, wie oben in der Zelle Schüsse fielen. Offenbar hatte der Kommissar die letzten Kameraden gleich in der Zelle oben erschossen ... Am 18. früh kamen Zivilisten, sie brachten uns auf unsere Bitte Wasser. Wir waren vollständig erschöpft. Wir wurden dann von deutschen Truppen herausgeholt.

Am selben Tag vernahm Feldwebel Dr. A. Diderichs, Heeresrichter kraft Auftrag, den Gefreiten Wilhelm Törher.
“im Laufe des 16. Januar 1942 bemerkten wir beim Heraussehen aus dem Fenster des Gefängnisses eine gewisse Unruhe unter den Russen auf der Straße. . . Etwa eine Stunde danach wurden die Gefangenen einzeln aus den Zellen herausgeführt. Ich selbst war einer der letzten. Ich wurde zum Keller geführt. An der Treppe, die zum Keller hinunterführte, packte mich einer am Kragen. Unten im Keller erhielt ich dann von hinten mit der Pistole einen Schuß, der von rechts oberhalb des Halses und vorne durch die rechte Backe durch-ging. Im ersten Moment war ich besinnungslos, erholte mich aber nach wenigen Sekunden. Nach mir wurde noch ein anderer Soldat in den Keller gebracht und auf ähnliche Weise mit ihm verfahren ... Von den 40/50 Mann, die nach meiner Schätzung im Anfang dagewesen waren, sind im ganzen acht Mann übriggeblieben.«

Armeerichter beim Armeeoberkommando 11, Oberkriegsgerichtsrat Dr. Wilhelm Weber, vernahm am 24. Mai 1942 Oberleutnant der Reserve Bernhard Balletshofer über den Kampf um Feodosia, insbesondere über die Erschießung von 15 deutschen Kriegsgefangenen.

Weitere Vernehmungen über Feodosia wurden noch später durchgeführt, nachdem neue Zeugen ermittelt worden waren. Am 8. November 1943 berichtete der Obergefreite Karl Ewen vor dem Amtsgericht Rendsburg über seine Beobachtungen nach der Wiedereroberung Feodosias:

Ich habe fünf Leichen deutscher Soldaten in der Nähe eines Gebäudes im Freien gesehen. Sie waren nebeneinandergelegt. Die Leichen waren notdürftig bekleidet.. . Die sämtlichen Gesichter waren nicht mehr zu erkennen; sie waren wie der Körper aufgedunsen und ebenso wie die Körper völlig zerschunden. .. Mir scheint es unwahrscheinlich, daß alle fünf Soldaten, wenn man sie aus dem Fenster hinauswarf, ausgerechnet sämtlich beim Aufstoßen auf dem Erdboden auf das Gesicht gefallen sein sollen. Ich möchte vielmehr annehmen, daß ein Teil von ihnen im Gesicht mißhandelt worden ist.

Im Reservelazarett III in Königsberg wurde der Unteroffizier Heinz Wippich vernommen:
‘Am Januar 1942 nach Rückeroberung von Feodosia war ich am gleichen Tag am Ort, wo vor der Einnahme ein deutsches Feldlazarett untergebracht war. Ich sah dort acht deutsche Soldaten mit ihren Verbänden tot vor dem Hause liegen. Sie hatten außerdem frische, unverbundene Kopfwunden. Ich bin der russischen Sprache mächtig und hörte von den Zivilisten, daß die Verwundeten nach der Einnahme von Feodosia aus dem einen stockwerkhohen Krankenraum zum Fenster hinausgeworfen und mit kaltem Wasser übergossen und bei der Temperatur von etwa 15 bis 20 Grad Kälte erfroren waren”.

Nach den noch erhaltenen Akten der WUSt wurden zwölf Zeugen durch sieben Richter vernommen; die meisten Beteiligten sind entweder gefallen oder kurz nach dem Kriege verstorben. Doch konnten noch drei Richter und zwei Zeugen befragt werden, die sich an die Ereignisse von Feodosia noch erinnerten. Auch der Fotograf der Propagandakompanie wurde ermittelt, der ausführlich über seine damaligen Erfahrungen berichtet:

“Dem Infanterieregiment 105 unter Oberst Müller wurde ich als Bildberichter zugeteilt. Vier oder fünf Tage nach Beginn des Gegenangriffs standen wir im Stadtkern von Feodosia. Eine Kolonne von 12000 Gefangenen zog hinter uns in Richtung Simferopol. Irgendwie, vielleicht durch nicht geflüchtete Einwohner, erfuhren wir, daß sich im deutschen Lazarett grauenhafte Szenen abgespielt hatten. Wie und was wußten wir allerdings noch nicht, aber als Berichter hatte ich nur mehr das einzige Bestreben, möglichst rasch dorthin zu kommen, was mir auch mit einigen Kameraden gelang.

Die ersten Bilder, die sich uns boten, waren total sinnlos verwüstete und zerstörte Räume und Einrichtungen. Flaschen und Gläser mit Medikamenten lagen zertrampelt zwischen umgeworfenen Schränken, Stühlen und Betten, medizinischen Instrumenten und blutigem Verbandszeug. Wo aber waren die Verwundeten? Nach einigem erfolglosen Herumsuchen trafen wir auf der Straße auf einen heftig gestikulierenden Zivilisten, der uns an den Rand der Uferstraße führte und nach unten auf einen langen Sandhaufen zeigte. Auf dem Weg hinunter zum Ufer, über eine Steintreppe, kam auch noch ein älteres Ehepaar auf uns zu, und ich weiß heute nicht mehr, war die Frau eine Deutsche, die vor vielen Jahren einen Russen geheiratet hatte oder war es umgekehrt, auf jeden Fall sprachen beide deutsch, und sie erzählten uns unter Tränen, was sich hier abgespielt hatte.

Wahllos wurden die Schwerverwundeten und Amputierten auf Tragbahren an den Straßenrand getragen und lebend sechs bis acht Meter tief hinuntergeworfen, wo ihnen von zwei russischen Soldaten mit Eisenstangen der Schädel eingeschlagen wurde...

Mittlerweile waren auch deutsche Soldaten und Gefangene mit Schaufeln gekommen, die sofort mit der Freilegung der Toten begannen. Als grauenhaftestes Verbrechen schien mir aber, daß man Verwundete, ohne sie vorher zu erschlagen, in die Brandung legte und langsam durch die Brandungswellen einfrieren ließ...

Inzwischen kam auch der Oberarzt, der vor dem Rückzug die Kranken betreute und alle noch mit dem Namen benennen konnte.

Im Nürnberger Prozeß wurden dem Oberkommando der Wehrmacht schwere Vorwürfe wegen der Mißhandlung der russischen Zivilbevölkerung auf der Krim gemacht. In diesem Zusammenhang wurden eidesstattliche Erklärungen deutscher Offiziere dem Gerichtshof vorgelegt, die den Fall Feodosia erwähnten. Am 2. Juli 1946 erklärte Oberstleutnant Herbert Geitner:

“Nach der Wiedereinnahme der Stadt Feodosia, Mitte Januar 1942, gab der damalige kommandierende General des XXX. A.K.Generalleutnant Fretter-Pico, den Befehl, die hungernde Zivilbevölkerung dieser Stadt (vorwiegend Greise, Frauen und Kinder) mit Brot zu versorgen. Fr tat dies, obwohl er wußte, daß die eigene Truppe erheblich an Lehensmittelmangel litt und aus diesem Grunde zum Teil ihre eigenen Pferde schlachten mußte, und obwohl ihm bekannt war, daß die Russen bei der vorangegangenen Räumung der Stadt die deutschen Verwundeten, die sie zurückgelassen hatten, im Lazarett in ihren Betten mit Wasser übergossen und bei offenen Türen und Fenstern hatten liegen lassen, so daß diese bei der großen Kälte erfroren waren”.

Im Hamburgcr Prozeß gegen Feldmarschall Erich von Manstein (1949) legte die Verteidigung mehrere Auszüge aus dem Weißbuch des Auswärtigen Amtes »Bolschewistische Verbrechen gegen Kriegsrecht und Menschlichkeit« u. a. über das Feodosia Massaker dem Gericht vor.

Dieser Bericht wurde erstellt nach den Akten der Wehrmachts-Untersuchungsstelle WUSt aus: Alfred de Zayas “Die Wehrmachts Untersuchungs Stelle” bei Universitas.

 

 
Ich glaube das meintest Du oder?

Gruss

hec801

  • Gast
Nein,

das meint er nicht, da er vom Rückzug von der Krim sprach, als 1944 und nicht von diesem Vorfall nach dem ersten Angriff auf Sewstopol und der Landung der Sowjets.

Gruss

Hannes

Richtschuetze

  • Gast
@Hannes sorry dann weiss ich jetzt auch nicht mehr!Hast Du mal nachgesehen/gelesen(wenn möglich) bei Alfred de Zayas/Erich Kern(Verbrechen an Deutschland)oder Franz.W Seidler(Kriegsgreul der Roten Armee)?

Gruss

hec801

  • Gast
@ Richtschütze

Ist ja nichts gegen Dich! Das Problem hier ist, dass ja nur die Deutschen Gefangenen solche Sachen mitbekommen haben und von denen ist ja ein grosser Teil nicht wiedergekommen...

Im Winter 1941/42 konnte die Propaganda noch alles wunderbar aufzeichnen usw., das war 1944 nicht mehr möglich...

Gruss

Hannes

Andi

  • Gast
@ Richtschuetze:

Danke für deine Riesenmühe. Aber mir ging es speziell um den Fall im Feb.1944 auf der Krim.

widdy

  • Gast
@ Andy

Hallo Andy, wieviele dt. Soldaten bei der Räumung der Krim erschossen wurde weiss ich nicht.
Der Vermisstenbildband vom DRK über die 98.I.D. zählt ca.4000 Vermisste  April/Mai 1944. Davon sind sicherlich nicht alle erschossen worden aber die Zahl spricht doch für sich. In der Div.Geschichte von M.Garreis werden auch mehrere höhere Dienstgrade vermisst genannt die noch am letzten Tag lebended gesehen wurde. (M. Garreis " Kampf und Untergang 98. I.D.)
Mein Opa und sein Zwillingsbruder dienten bei der 98.I.D. Mein Großvater überlebte, sein Bruder ist vermisst. Ich habe noch ca. 100 Briefe vom meinem Großonkel, der letzte vom 14.04.1944. Er war seit 1940 Soldat und war ab Sommer 1941 in Russl. mit dabei. Aber Krim war ein schreckl. Erlebniss überhapt,  beim Rückzug auf der Krim müssen Sie sich regelrecht geschlachtet haben. (Soldatenbriefe von m. Großonkel 1940-1944)
Gruss Widdy

Andi

  • Gast
@ widdy:

Den Teil deines Posts, in dem du von vielen Vermissten höherer Dienstgrade schreibst kann ich bestätigen. Erich Kern schreibt in seinem "GENERALFELDMARSCHALL FERDINAND SCHÖRNER" das selbe, d.h. dass viele hochdekorierte dt. Soldaten und Offiziere ermordet wurden. Die Soldaten versuchten dies prinzipiell dadurch zu verhindern, dass sie die "geschmückten Weihnachtsbäume" in ihre Mitte nahmen und so eine Trennung von ihren Offizieren/Kameraden durch die Russen zu verhindern versuchten.

widdy

  • Gast
@ bitte an alle

alle Infos von der Räumung der Krim zu mir.

D A N K E

Widdy

Andi

  • Gast
Daran bin ich auch interessiert.
« Letzte Änderung: 04.01.06 (23:16) von Andi »

Richtschuetze

  • Gast
Also, laut Alfred de Zayas gab es auch noch im Raum von Grischino nordwestlich von Stalino ein großes Verbrechen an deutschen Verwundeten hier wurden 596 deutsche Kriegsgefangene,Lazarettinsassen und Krankenschwestern ermordet.
Jetzt weiss ich aber nicht wo Stalino liegt?

Das Problem ist(so schreibt auch Erich Kern/Franz Kurowski oder Alfred de Zayas)wenn die verlorenen Gebiete nicht mehr zurück zugewinnen waren,war auch keine Aufklärung bzw überhaubt Feststellung von Verbrechen möglich!
Also wir es noch viel mehr Verbrechen gegeben haben die aber nie Aufgefallen sind!Man nehme nur Nemmersdorf wenn  deutsche Truppen es nicht geschafft hätten noch einmal diesen Ort zurück zubekommen wäre das Verbrechen der Russen nie aufgefallen!(Den Zeugen gab es keine und wenn ja haben die meisten den anschliessenden "Urlaub"in Russalnd nicht überlebt!)

Gruss

hec801

  • Gast
@ widdy

Das musst Du schon eingrenzen! Sonst müsste ich morgen hunderte Seiten kopieren...

Geht es Dir nur um die Verbrechen an Deutschen Soldaten oder auch um die an Rumänischen. Was ist mit den bspw. Tatarischen Hilftruppen, die nicht mehr evakuiert werden konnten?

@ Richtschuetze

Stalino liegt nicht auf der Krim.

Gruss

Hannes

Andi

  • Gast
@ Richtschuetze:

Stalino heißt heute Donezk und liegt in der heutigen Ostukraine.

Felix S.

  • Gast
Hec801 schrieb:
Zitat
Was ist mit den bspw. Tatarischen Hilftruppen, die nicht mehr evakuiert werden konnten?
Das Schicksal dieser Hiwis ist ja bekannt, die wurden an Ort und Stelle von den Russen hingerichtet.

Damit jetzt nicht alle deutsche Vermißten und Toten aufs Konto der russischen Verbrechen kommen:

Bei der Evakuierung wurden die deutsche Transportschiffe Teja und Totila mit insgesamt 9.000 Soldaten an Bord von russischen Bombern versenkt. Nur etwa 1.000 haben überlebt.

Ist bekannt um welche eingeschifften Einheiten es sich hier handelte?
« Letzte Änderung: 05.01.06 (11:23) von Felix S. »