Autor Thema: Luftschutz  (Gelesen 19369 mal)

Carringdon

  • Gast
Re: Luftschutz
« Antwort #60 am: 15.04.06 (13:08) »
Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes kamen in dem Gebiet innerhalb der Reichsgrenzen von 1937, rund 593.000 Manschen um's Leben. Unter ihnen um die 32.000 Kriegsgefangene und andere Ausländer.
Nimmt man die Sudeten und andere ins Reich "heimgeholte" Gebiete hinzu, so waren es 635.000.  Somit kam auf sechs gefallene deutschen Soldaten ein getöteter deutscher Zivilist! Ein ähnlich hohes Verhältnis an getöteten Zivilisten gab es vordem nur im 30jährigen Krieg.
Die Zahl der deutschen Verwundeten durch alliierte Bomben wird auf etwa 900.000 geschätzt.
Von den 19 mill. ehemals vorhandenen Wohnungen im Reichsgebiet, wurden 2,7 mill. total vernichtet und 1,3 mill. so schwer beschädigt, dass sie praktisch ebenfalls unbewohnbar waren, womit jede fünfte Familie obdachlos war.
Im Gegenzug verloren die Alliierten rund 9.000 Flugzeuge mit 150.000 Mann fliegendem Personal.

In Nürnberg wurde dann offensichtlich, wie sehr Harris mit seinen Kollegen sich verspekuliert hatten. 1944 war das Jahr mit der höchsten Rüstungsproduktion und Albert Speer verkündete, dass die abgeworfenen Bomben, hätte man sie auf die Rüstungsindustrie geworfen, wohl den Krieg eher beendet hätten als die auf die Städte.





Sehr geehrter Herr Waldi
Bei allem Respekt für Ihren Sachverstand erlaube ich mir zu bemerken, dass diese Aussage sich selber disqualifiziert.
Ich klammere (klammerte) bewusst in den letzten Jahren immer wieder Statistiken aus meinen bescheidenen Forschungen, dieses Posting gibt mir indirekt Recht mit meiner Aversie gegen die statistischen Zahlenkolonnen. Sie schreiben von 593.000 Menschen getötet innerhalb der Reichsgrenze 1937 und 32.000 Kriegsgefangene/Zwangsarbeiter.
Weiters posten Sie: 635.000 Tote mit "heimgeholten" Gebieten. 

Meinen Sie das wirklich ernst????

Ich habe den kleinen Sohn meines Neffen hergeholt, ihm die Einwohnergesamtlisten deutscher Zunge der nach '37 annektierten Gebiete summieren lassen...um es kurz zu machen, es ist von rund 100 Millionen 'Deutschen' mindestens auszugehen als Gesamtstand in den 1940igerJahren; (von den Bürgern 'nicht-deutscher-Zunge' ganz zu schweigen)!
Nun erklären Sie bitte meinem wissbegierigen Neffen, wie es sein könnte, dass sich außerhalb der alten Reichsgrenzen dann nur 42.000 (635.000-593.000=42.000, rechnete der junge Mann aus!) zivile Opfer gegeben haben soll?

Auch wenn die deutschen Städte auf dem eigentlichen Reichsgebiet leider sehr getroffen wurden, bitte ich Sie doch bitte wenigstens in Ihre Überlegungen mit einzubeziehen, dass ein Gutteil der Rüstungsproduktion besonders in der Hochphase des 'Endkampfes 1944ff' sich erst gar nicht mehr auf dem eigentlichen Ur-Gebiet vn 1937 befand und deshalb die annektierten Gebiete meist zweifach 'drankamen' - durch Bombenterror UND direkten Artilleriebschuss der herannahenden 'Befreier'.

Ich darf Ihnen weiterhin noch einen kleinen Aussschnitt aus den Gepflogenheiten zu Erhebungen über Bombenopfer in einem ehemals annektierten Gebiet geben:
Frage eines Archivbeamten: Sie wollen Einblick in Bombenkriegopfer-Akten des Zweiten Weltkrieges?
Na, da sind nur die revidierten Zahlen aus den Neunziger Jahren da...
Frage eines Wissensdurstigen: Was bedeutet dies?
Antwort eines Archivbeamten: Die Unterlagen über damals verstorbene VD-Flüchtlinge, HiWis, Zwangsarbeiter haben wir nicht da - aber alle 'Reichsdeutschen' sind aufgelistet...plus die verstorbenen Juden mit ihren gesammelten Lebensläufen, recht umfangreich, mit verlorenem Besitz und so weiter...   
Wissensdurstiger: Geht heim und wundert sich warum die paar FEST WOHNSITZ INNE HATTENDEN REICHSDEUTSCHEN IN DEN ANNEKTIERTEN GEBIETEN (VD, Militär, zählt NICHT dazu! Auch Reichsbahnbedienstete aus dem Altreich mit vorübergehendem Wohnsitz im Ausland aus Dienstgründen nicht!nsw.) und die Damen und Herren jüdischen Ursprungs (23 getötete) archiviert sind und andere nicht...

3 Tage später: Telefonat mit einem Insider der Szene, Wissensbegieriger erfährt dass sich im selben Archiv dutzende Ordner mit ALLEN Opfern des Gebietes befinden müssen, geht wieder zum obigen Archiv.
Nach Antrag und Darlegung des Lebenslaufes wird Einsicht in das einschlägige Material in Aussicht gestellt, nach 4 Monaten ist diese auch möglich.
In insgesamt 6 Ordner aus einem Gesamtbestand von 330! Ordnern darf man andauernd lesen: "Einzelschicksal des folgenden zvivilen Opfers in die gesperrte Aktensammlung verschoben"
Der Rest bezieht sich auf die bereits hier an früherer Stelle genannte Personengruppe...

Sehr geehrter Herr Waldi!
Vielleicht ist das Geschilderte nur ein regionales Phänomen, wer weiss.
Dennoch fragt sich auch der Kleine meines Neffen nun sein restliches Leben lang, wie unter ~60mill Deutschen inerhalb der Grenzen von 1937 593.000 tote Zivilisten vorkommen konnten und unter den MINDESTENS 40 Millionen (offiziell) annektierten 'nur' 42.000.
Da ich ihm in jungen Jahren die Illusion einer Demokratie nicht nehmen will erzähle ich ihm vorderhand lieber noch nichts von Akten, Bewilligungen, wie Bücher und Statistiken zustande kommen und so weiter...
wenn er der Familie nachkommt macht er sich eh alsbaldigst seinen eigenen Reim drauf.

Ich erlaube mir aber in der Zwischenzeit ihn darauf hinzuweisen, dass "die im Internet" natürlich auch eine Meinung haben dürfen  ... 8)
 

 

waldi44

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Re: Luftschutz
« Antwort #61 am: 17.04.06 (13:35) »
Mal eine Frage am Rande, lieber "Wissensdurstige". Hat ihr kleiner Neffe tatsächlich keine anderen Fragen die ihn sein Leben lang beschäftigen? Wie Sie meinem Post unschwer entnehmen können, handelt es sich um eine offizielle Statistik. Warum sie so ausgefallen ist, wie sie ausgefallen ist, weiss ich nicht.
In jedem Fall sind in ihr, so denke ich jedenfalls, nicht die Opfer enthalten, die durch unmittelbare Kriegseinwirkung, wie Befreiung, Eroberung, Rückeroberung, Versklavung, wie immer man die Vertreibung der Wehrmacht nennen will, enthalten.
Bei der Bombardierung tschechischer bzw sudetendeutscher Fabriken und ungarischer und rumänischer Erordölfelder lag der Schwerpunkt eindeutig auf den entsprechenden Industrie- bzw Förderanlagen, was schon ganz allgemein weniger Zivielopfer bedeutete, die es aber immer noch gab.
Auch die französischen Opfer, die während der Landung und dem vorangegangenen Bombardement und den folgenden Kämpfen ihr Leben verloren, zählen wohl nicht als Bombenopfer, wenngleich viele durch Bomben ihr Leben verloren.

Statistisch gesehen, isst heute jeder Mensch pro Tag mindestens 1/2 Hänchen und trotzdem verhungern täglich tausende....

Westwall

  • Gast
Re: Luftschutz
« Antwort #62 am: 17.04.06 (13:41) »
Dann auf in den Wiener Wald ;D

Richtschuetze

  • Gast
Re: Luftschutz
« Antwort #63 am: 18.04.06 (07:12) »
 "Einzelschicksal des folgenden zvivilen Opfers in die gesperrte Aktensammlung verschoben"

interressant was alles so weggesperrt wird!

Gruss

 

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