Autor Thema: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno  (Gelesen 6923 mal)

waldi44

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"Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« am: 08.07.06 (19:38) »
Etwas interessantes aus der Kriminalgeschichte des 3. Reiches gefunden. Eine Kriminalsache, die Himmler zur "Geheimen Reichssache" erklärte und Goebbels fordern liess:"...dass der bestialische Massenmörder und Frauenschlächter keines normalen Henkertodes stirbt. Ich schlage vor, ihn bei lebendigem Leibe verbrennen oder vierteilen zu lassen."

Es ging um Bruno Lüdke, genannt der "doofe Bruno". Bruno war als Kind beim Spielen auf den Kopf gefallen und hatte dabei wohl Schaden genommen. Jedenfalls kam er in der Schule bald nicht mehr mit und sein Körperwuchs war auch abnormal, weil zu gross. Er bewegte sich wie ein Affe mit herabhängenden Armen, hatte eine flache fliehende Stirn und war für eine Lehre zu dumm, so dass er irgendwann als schwachsinnig galt.
Nach mehreren kleineren Diebstählen, die zu einem Prozess führten, wurde im offiziell der §51 (verminderte Zurechnungsfähigkeit) zuerkannt. So lebte der 1908 bei Berlin geborene jahrelang in der Weimarer Republik. Ende Januar 1943 dann fand man im Stadtwald von Berlin Köüenick eine Frauenleiche. Sie war erwürgt und dann vergewaltigt worden.
Obwohl man dem "armen Irren", der öfter rumstreunend in der Umgebung gesehen worden war, eine solche Tat nicht zutraute, wurde er polizeilich behandelt. Im Berliner Polizeipräsidium wurde er, wie es damals hiess, "scharf verhört", worauf er den ersten Mord sofort gestand.
Damals gab es bei der Polizei eine ganze Reihe ungeklärter Morde. Eine tatsache, die man der öffentlichkeit schamhaft verschwieg. Nachforschungen ergaben dann, dass Bruno Lüdke ab und an gewisse Anwandlungen bekam und er einfach spurlos verschwand. Genau zu diesen Tagen passten die Todestage vieler Opfer. Die Spur jedenfalls war heiss!
Dann kam es regelrecht Schlag auf Schlag. Der Protokollführer kam mit dem Schreiben nicht nach, so schnell gestand Bruno (erinnert mich an Bruno den Bären. Komisch ;)) die Morde. Die Mordserie ging zurück bis in das Jahr 1923!
Am Schluss der verhöre waren es 84(!) Morde, die ergestanden hatte. 60 davon fiehlen in die Zeit nach der Machtergreifung und galten daher als besonders blamabel für die Polizei, konnte man ihre Nichtaufklärung nicht den Weimarern in die Schuhe schieben.
Weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte und Himmlers Donnerwetter in der Luft lag, begann man an Brunos Aussagen zu zweifeln. Man forderte ihn auf die Tatorte zu zeigen. Sehr zum Ärger der Beamten fand er sie alle. Dennoch blieb es am Schluss bei "nur" 54 Morden, für die er 1943 zum Tode verurteilt wurde. In einer Geheimverhandlung natürlich, so dass der Fall Lüdke in der Öffentlichkeit weitestgehend unbekannt blieb.
Vor seiner Hinrichtung wurde er noch nach allen regeln der NS Medizin "erforscht". Er wurde vermesen und verschiedene Tests mit ihm durchgeführt. Schlussendlich kam man zu ein für alle Beteiligten (ausser Bruno Lüdke natürlich) zufriedenstellendes Urteil: Er war ein typischer Untermensch, ein Volksschädling, der als Beweiss für die Richtigkeit der NS Rassentheorie galt!

Richtschuetze

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #1 am: 08.07.06 (19:59) »
Sagmal wo hast du sowas her?Du läufst ja zur Hochform auf!Quellen bitte!

Gruss

waldi44

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #2 am: 08.07.06 (20:07) »
"Der II. Weltkrieg" Band 3,Manfred Pawlak Verlag 1976

Ronny22

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #3 am: 08.07.06 (23:32) »
Dazu gibt es auch einen echt sehenswerten Film mit Mario Adorf als Bruno Lüdke.  ;)




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waldi44

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #4 am: 09.07.06 (00:00) »
Jup! Ich habe "leider" erst nachher mal "Gegoogelt" und festgestellt: Im Westen nichts Neues! ;) Naja, immerhin mal wieder was ausgegraben ;D ;D...

Hoth

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #5 am: 09.07.06 (02:55) »
Na und?

Was soll dies nun bedeuten? Solche Leute gab es immer, auch zu Zeiten des NS, gibt es heute und wird es immer geben. Die Amis würden so einen kranken Verbrecher übrigens auch in die Gaskammer oder auf den elektrischen Stuhl bringen. Zu Recht. Auch ich würde mit so einem Mörder kein Mitleid kennen. Was hat das also mit den Nazis zu tun? Nur weil diese Morde in deren Zeit passierten?

Insofern verstehe ich den Sinn und den Bezug zum NS nicht so ganz. Als Bericht der Kriminalgeschichte sehr interessant, in einem anderen Bezug oder gar politisch äußerst fragwürdig. Was soll also der kritische politische Unterton in diesem Beitrag?

Übrigens gab es auch in der DDR Schwerstkriminalität nicht offiziell. Was soll das also aussagen? Verstehe ich nicht so ganz, Waldi. Auch wenn der Bericht an sich sehr interessant ist.
« Letzte Änderung: 09.07.06 (02:57) von Hoth »

waldi44

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #6 am: 09.07.06 (14:11) »
Worauf bezieht sich das "Na und?Was soll dies nun bedeuten?

1. Habe ich nur andeuten wollen, dass es den Fall schon anderswo, sprich Internet gibt: Also nichts Neues!
2. Was den kritischen Unterton anbelangt, so bezieht er sich nicht darauf, dass es auch im 3. Reich Triebtäter gab, sondern auf die Art wie die Polizei mit dem Fall umging! Nichts sollte nach aussen dringen, weil es eben die Tüchtigkeit der Polizei in Frage stellte und auch den möralischen Anspruch den man an sein Volk stellte untergrub.
Solche "Elemente" glaubte man 43 im deutschen Volkskörper schon längst ausgemerzt zu haben. Ausserdem war es dem Sicherheitsbedürfnis vor allem der Frauen abträglich, zu wissen, dass auch im Deutschen Reich solche Elemente durch die verdunkelten Ruinenlandschaften schlichen und mordeten und vergewaltigten!
Das Bekanntwerden dieses Falles wäre ein schwerer Schlag für die Moral im Reich gewesen! Nebenbei: Es war nicht der einzige Fall dieser Art!

Schwerstkriminalität gab es in der DDR auch- stimmt. An die grosse Glocke wurde das nicht gehängt, aber im lokalen Bereich wurde durchaus über die Taten Schwerkrimineller gesprochen und berichtet. Da diese Fälle immer nur isoliert betrachtet werden konnten, erstand eben das Bild der "sauberen" DDR!
In Brandenburg habe ich einige kennengelernt. Wobei es natürlich darauf ankommt, was man unter Schwerstkriminalität versteht. Reicht der Mord an beiden Elternteilen?

Hoth

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #7 am: 09.07.06 (18:58) »
Mal davon abgesehen, Waldi, daß hier zumindest unterschwellig mit heutigen Maßstäben gewertet wird, gab und gibt es diese "Bruno´s" nun einmal überall. Das damals die Presse in Deutschland wie auch in jedem anderen Land eben nicht wie heute genauso schnell, teils sogar schneller als die Polizei über solche Leute berichtet und andererseits keine Polizei der Welt sich offenbaren würde, daß hier vielleicht jahrelang die falsche Spur verfolgt wurde hat doch überhaupt nichts mit den Nazis zu tun. Dazu kommt, daß jedes Land der Welt solche Informationen auch heute noch weitgehend unterdrückt, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. Und das dieser offenbar kranke Mensch natürlich weder zum nationalsozialistischen "Volkskörper" oder zum heutigen gehört ist doch ebenfalls eine völlig richtige Darstellung, auch wenn heute dieses Urteil natürlich von Psychologen anders und netter verpackt wird. Und auch heute werden solche Leute umfassend von der Wissenschaft untersucht, nicht nur von der Kriminalwissenschaft. Hier sei nur daran errinert, daß sich ein zum Tode verurteilter mehrfacher Mörder in den USA sogar in enem Gentlement-Agreement für die Wissenschaft nach Vollstreckung zu wissenschaftlichen Zwecken in Scheibchen schneiden ließ usw.

Insofern meine Kritik zu diesem interessanten Kriminal-Fall allein zum Bezug Nationalsozialismus. Das und die Vorgehensweise damals hat damit nicht viel zu tun. Und da sind wir dann auch schon bei der DDR. Ich habe nun wirklich fast jeden Tag regionale Presse und ND gelesen, aber Mörder, Vergewaltiger etc. sind mir da einfach nicht untergekommen. Aber vielleicht hat man in den Jahren ja auch mal etwas überlesen.

Es hätte also gereicht, wenn Du einen sehr interessanten Kriminalfall aus dem Zeitraum xy darstellst. Der politische Zeigefinger ist jedoch völlig fehl am Platz.

Mastercloser

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Re: "Geheime Reichssache" - Der doofe Bruno
« Antwort #8 am: 09.07.06 (21:53) »
Dazu kommt, daß jedes Land der Welt solche Informationen auch heute noch weitgehend unterdrückt, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen.

In der heutigen Zeit ist das Gegenteil der Fall.
So besteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, beispielsweise Verbrechen im Zusammenhang mit Kindesmißbrauch nehmen dramatisch zu. Richtig ist aber, es gibt glücklicherweise einen Rückgang dieser Art von Verbrechen.

Ich könnte an dieser Stelle mal eine Abhandlung über die Realt Macht der Medien schreiben, habe aber ehrlich gesagt momentan keine Lust dazu. Ausserdem habe ich mich an anderer Stelle schon dazu geäußert.