Autor Thema: Erste Russische Nationalarmee und ihre Rettung in Lichtenstein  (Gelesen 4428 mal)

Offline waldi44

  • Stammmitglied
  • ***
  • Beiträge: 3050
Wenn von den Russen in deutschen Diensten die Rede ist, so denkt man in erster Linia an Wlassow und die ROA und Bronislav Kaminski und seine RONA und vielleicht noch an diverse Kosakeneinheiten und natürlich die Ukrainer und sonstige russische Hiwis.
Die 1. Russische Nationalarmee unter Generalmajor Holmston, offizielle Benennung zu selbiger am 4. April. 1945. Kennt kaum einer und ihre Geschichte und die ihres Kommandeurs, des ehemaligen zaristischen Gardehauptmanns Boris Graf Smyslowsky auch nicht.
Ich gebe zu, ich kannte ihn auch nicht, bis ich zufällig das Büchlein über das Schicksal seiner "Armee" in die Hände bekam.
Gerade mal 110 Seiten "dick", aber nicht uninteressant mit einige blassen Fotos. "Die Armee die es nicht geben durfte", ein Buch von Henning v. Vogelsang, in dem das Hohe Lied von Würde und Menschlichkeit ankling.
Wie verantwortungsvolle deutsche Offiziere (Gehlen), einem nicht minder verantwortungsbewussten Kommandeur (Holmston) die Chance zum Überleben einräumten und wie entschlossen diese einmalige und letzte Chance genutz wurde, aber auch der Mut eines kleinen Volkes zu ihrer Neutralität zu stehen und die sich auf ihr winziges Territorium geflüchteten Russen in deutschen Uniformen, anders als die "grossen" Westalliierten, trotz massivem Druck aus Moskau, nicht auszuliefern.
Es waren zwar nur 500, die das rettende "Ufer" Lichtensteis erreicht hatten aber dennoch bemerkenswert, selbst wenn es nur einer gewesen wäre.
Es hätten mehr sein können, aber die 3. Division der Wlassowarmee, die sich in Aufstellung befand, folgte dem Befehl Wlassows und marschierte nach Prag um sich den Aufständischen anzuschliessen - was ihnen schlussendlich auch nichts nutze, ebensowenig wie den Russen auf Texel und anderswo, die im letzten Moment die Waffen umdrehten.
Dazu fand ich ein bemerkenwertes Zitat in dem kleinen Buch:
"Wir haben den ganzen Krieg hindurch an der Front gegen die UdSSR gekämpft...Wir haben weder einen Offizier, noch einen Soldaten an andere Fronten gegen andere europäische Völker abgegeben. Wir haben nicht einen einzigen Schuss abgefeuert gegen die Angelsachsen, die Franzosen, gegen die Polen oder Juden. Und im Augenblick des Zusammenbruchs haben wir uns nicht mit einer Schiesserei auf den deutschen Bundesgenossen befleckt."

Obwohl ihnen eine SS Einheit trotz gültiger Befehle Schwierigkeiten bereitete, währen die deutsche Grenzwache befehlsgemäss die Grenzhindernisse wegräumte.

bani

  • Gast
Hab schon mal überlegt, mir das Büchlein zuzulegen aber bin dann doch wieder von abgekommen.
Man kann sich einfach nicht alles kaufen, was interessant klingt ... leider nicht.

Aber irgendwie klingt das doch leicht verwirrend:

... Die 1. Russische Nationalarmee unter Generalmajor Holmston, offizielle Benennung zu selbiger am 4. April. 1945. Kennt kaum einer und ihre Geschichte und die ihres Kommandeurs, des ehemaligen zaristischen Gardehauptmanns Boris Graf Smyslowsky auch nicht.
...


Ja WER war denn nun der Kommandeur?  ???


Offline waldi44

  • Stammmitglied
  • ***
  • Beiträge: 3050
Beide ;D! Holston war ein angenommener Name eines angeheirateten Verwanten.  Boris Graf Smyslowsky ist der richtige Name. Dazwischen gab es noch andere, zB. von Regenau und die Armee trug den Tarnnamen:" Die grüne Armee z.b.V. " und hatte den Status einer "verbündeten Streitmacht". Anders als die Himmler unterstehende Wlassow Armee.

Offline steffen04

  • Mitglied
  • **
  • Beiträge: 547
Auch die Wlassow-Armee hatte den Status einer verbündeten Streitmacht, sie unterstand auch nicht Himmler.

Wlassow holte sich allerdings bei Himmler Ende 44 das OK für die Aufstellung der beiden ersten Divisionen der ROA. Nicht ganz klar ist mir, welchen Hut Himmler hierbei trug. Er war auf jeden Fall für nahezu alle Russen in deutschen Lagern zuständig, über Gottlob Berger auch für die in Wehrmachtslagern. Weiter für die in der Waffen-SS kämpfenden Sowjetvölker. Vor allem war er zu der Zeit aber auch Führer des Ersatzheeres und damit für die Aufstellung von Einheiten in der Heimat zuständig.

Ansprechpartner der ROA war aber kein SS-Mann, sondern der General der Freiwilligenverbände im OKH Köstring.  Auch trug die ROA Wehrmachts-, keine Waffen-SS-Uniformen (mit russischen Abzeichen).

Offline waldi44

  • Stammmitglied
  • ***
  • Beiträge: 3050
Nunja, aber die Wlassowarmee war dennoch eine Truppe von Himmlers Gnaden, die  Erste Russische Nationalarmee hingegen ein "Ziehkind" der Wehrmacht von anfangan. Verbündete waren sie ja alle, die Freiwilligen der Waffen SS, aber nicht unabhängig.
"Unabhängig" hingegen waren die Armeen der Finnen, Italiener, Rumänen, Ungarn,  Slowaken, Kroaten und "Die Erste Russische Nationalarmee".
Auffallend aber, dass sowohl die  Erste Russische Nationalarmee und die Wlassowarmee, ihren "Armeestatus" erst erhielten, als das Reich schon im Sterben lag. Hätte man sich in Deutschland eher eines "Besseren" besonnen, hätte es wohl eine Wlassowarme nie gegeben, aber eine grosse, wenn nicht gar riesige Russische Nationalarmee an der Seite der Wehrmacht.
"An der Seite der Wehrmacht", das war der Knackpunkt. Dazu konnte sich Hitler und seine Natinalsozialistische Gefolgschaft nicht durchringen. Schliesslich hatte man mit dem Land im Osten seine eigenen Pläne und denen stand eine Russische Nationalarmee eher im Wege.




Offline steffen04

  • Mitglied
  • **
  • Beiträge: 547
@waldi:
Wohl war. Zeigt auch eindeutig, daß das Kriegsziel im Osten nicht die Beseitigung Stalins oder der Bolschewisten war, sondern die Kolonialisierung. Allen Kriegsschulddebatten zum Trotz. Auch die akademische Frage, ob der Krieg hätte gewonnen werden können, kann auf dieser Basis kurz und knapp beantwortet werden: die Deutschen hätten mit russischer Hilfe Stalin schlagen können, die Nazis aber nie die Russen.

Von Himmlers Gnaden kann bei Wlassow m.M. nach aber nicht sagen. Die ROA sah sich selbst als eine echte russiche Truppe, auch nicht als Ziehkind der Wehrmacht.

Ich habe meine Infos allerdings vor allem aus dem Hoffmann-Buch, und Hoffmann ist nicht besonders objektiv: er ist ein echter Wlassow-Fan. Den Kampf der Russen in der Endphase gg. deutsche Truppen in Prag sieht er z.B. völlig unkritisch. Die Erste Russische Nationalarmee wird in seinem Buch nicht einmal erwähnt, vielleicht spielen hier auch ideologische Gründe eine Rolle. Das von dir angeführte Buch werde ich nun auch bestellen. 4,99 bei Rhenania?

 

post