Autor Thema: Stop vor Dünkirchen.  (Gelesen 4032 mal)

waldi44

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Stop vor Dünkirchen.
« am: 21.04.06 (20:11) »
Eine alte Geschichte, aber diesmal unter einem bisher kaum gewürdigten Gesichtspunkt. Die meisten Menschen geben Hitler die Schuld an den berühmt berüchtigten Haltebefehl vom 24. Mai 1940. Tatsächlich aber wurde dieser Befehl lediglich mit seiner Zustimmung gegeben, nicht auf seine Initiative hin.
Seitens des Generalstabes wollte man den Kessel zerschlagen, aber v. Rundstedt , der die Deckung nach Süden übernehmen sollte, war anderer Meinung. Diese teilte er Hitler mit, der ihn am 24. Mai besuchte.
Hitler schloss sich seiner Meinung an, dass man die Panzer für weitere Operationen schonen müsse, dass das Gelände für Panzerangriffe sehr schwierig sei und man die Verbände allgemein auffrischen müsse.
Rundstedt gab dann mit Berufung auf Hitler den verhängnisvollen Befehl heraus. Hinzu kam noch Görings Versicherung, den Kessel aus der Luft zu vernichten....
Zwei Tage später erkannte Hitler seinen Fehler und liess die Panzer in einen fast geräumten Kessel rollen!
Hätte Hitler nicht auf v. Rundstedt gehört bzw. diesen nicht besucht, der Krieg hätte einen anderen Verlauf nehmen können.

Ich meine, dass dadurch auch die Behauptung, er wolle England nicht unnötig brüskieren oder verhandlungsbereit machen/halten, kaum noch haltbar ist. Vielleicht war v. Rundstedt einfach nur frustriert, weil die Truppen v. Bock unterstellt werden sollten und ihm lediglich die Flankensicherung zuviel. Er nutzte einfach Hitlers Unsicherheit während des Frakreichfeldzuges aus.
Was aber wollte er erreichen oder waren seine Bedenken echt?

waldi44

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #1 am: 22.04.06 (12:13) »
Hitler schien sich den "guten Rat" von v. Rundstedt gemerkt zu haben und wohl auch seine Auswirkungen.
Als Generalfeldmarschall v. Rundstedt, als Obernefehlshaber der Heeresgruppe Süd, ihn im November 41 bat, Rostow gegen den starken sowjetischen Druck räumen zu dürfen, wurde er von Hitler kurzerhand abgelöst und sein Posten an den Oberbefehlshaber der 6. Armee, Generalfeldmarschall W. v. Reichenau übergeben, der aber ebenfalls telefonisch um die Erlaubnis zum Rückzug bat.
Ihm wurde die Genehmigung schliesslich erteilt und die deutschen Truppen zogen sich hinter den Mius zurück. Warum wurde sie v. Rundstedt verweigert? Wegen Dünkirchen?

Hoth

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #2 am: 22.04.06 (12:54) »
Ich denke, Rostow hat mit Rundstedt und Dünkirchen nichts zu tun. Das Hitler den Rückzug verweigerte hat in erster Linie mit seiner Grundhaltung zu diesem Thema zu tun und im Fall Rostow auch damit, daß hier zum ersten Mal eine große Stadt von den Russen zurückerobert wurde bzw. geräumt werden mußte. Also auch Prestigegründe. Letztlich hat er sich ja trotzdem den unumstößlichen Fakten beugen müssen, egal wer da Befehlshaber gewesen wäre. 

Und später hat v. Rundstedt ja durchaus noch große Karriere gemacht, was nicht möglich gewesen wäre, wenn Hitler wirklich ernsthaft v. Rundstedt Vorwürfe gemacht hätte. Weshalb auch, vom milit. und rein takt. Standpunkt war Rundstedts Vorschlag in Frankreich 1940 durchaus angemessen und nachvollziehbar und wurde daher ja auch so vollzogen.

Das hier die Wirkung der Luftwaffe überschätzt wurde und die Fähigkeit und der Wille der Briten zu retten was zu retten ist unterschätzt wurde, dafür konnte ja nun v.Rundstedt nichts. Das hat AH sicher auch so realistisch eingeschätzt, zumal auch noch gar nicht die Auswirkungen des Haltebefehls auf die polit. und milit. Zukunft voll abzusehen war.

Wenn Hitler also einem Vorhaltungen zu Recht hätte machen können, hätte dies der großmäulige Göring sein müssen.
« Letzte Änderung: 22.04.06 (13:57) von Hoth »

waldi44

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #3 am: 22.04.06 (13:05) »
Stimmt schon, aber ich denke, dass solche Erfahrungen wie Dünkirchen, Göring hin, Göring her, ihn dann in der Folgezeit dazu verleiteten, sich von seinen Miltärs zunehmend betrogen und hintergangen zu fühlen. Siehe "Wurde Hitler betrogen".

1940 waren die tatsächlichen Ausmasse bzw Folgen der Evakuierung Dünkirchens noch nicht absehbar, aber Ende 41 schon eher.

Hoth

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #4 am: 22.04.06 (14:01) »
Wie gesagt, letztlich hat AH als Oberster Befehlsherr ja die Entscheidung nicht nur mitgetragen, sondern ja auch getroffen. Hier jetzt v.Rundstedt etwas vorzuwerfen, was wie gesagt auch nicht gerechtfertigt wäre, hieße ja auch das Eingeständnis eines eigenen großen Fehlers Hitlers. Und auch Ende 1941 bedeutete Dürnkirchen ja noch lange nicht, daß der Krieg auch dadurch verloren gegangen ist.

waldi44

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #5 am: 25.04.06 (00:30) »
Vor allem heisst es aber, dass dem "Friedensapostel" Hitler ein wichtiges Argument genommen wurde. Von wegen, Panzerstop um mit den Briten zu verhandeln. Wäre er nicht am 24. Mai mit v. Rundstedt zusammengetroffen, wäre der Kessel wohl "plattgemacht" worden!!

The Real Blaze

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #6 am: 25.04.06 (21:22) »
naja Waldi, das Rundstedt -Dünkirchenthema hatten wir schon im alten Forum geklärt  ;)  Und auch was gewesen wäre, wenn es nicht diesen Stop gegeben hätte.

Dünkirchen ohne Stopbefehl:

http://www.nexusboard.net/showthread.php?siteid=6365&threadid=233862

waldi44

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #7 am: 26.04.06 (16:51) »
Hmmmm, Real? Dein Beitrag in Deinem Forum begann am 23. 04.! Meiner am 21.04.! Ich stimme dir aber zu: Ich hätte vorher im "Alten Forum" nachsehen sollen. da steht's nämlich schon ::).....

Dennoch bleibt die Frage, ob Dünkirchen nicht mit zu den Ereignissen zählt, die in Hitler die schlechte Meinung über seine Generalität nährten. Eines, das erste?, dass dazu führte, dass er später selbst das Kommando übernahm und überall Verrat witterte.

cpa95

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Re: Stop vor Dünkirchen.
« Antwort #8 am: 18.05.06 (12:41) »
Hallo,

gab es anläßlich des HGr-Besuches von Hitler in den ersten 30 Minuten mittags nicht zusätzlich Krach wegen der Zuordnung einer Armee (der 4.?) und der damit verbundenen weiteren Vorgehensweise und Zuständigkeit (OKH hatte Zuordnung gewechselt, Hitler stornierte dass sofort nach Beschwerede Rundstedt)?
Außerdem wäre mal interessant, welchen Einfluß die Entwicklung der 4 Tage zuvor tatsächlich hatte,
in der Überschätzung eines Flankenstoßes und der eingesetzten allierten Kräfte (Arras). Wurde hier auch in der Angst eines Rückschlages gehandelt, wie zuvor auch bei Narvik (siehe Jodl-Tagebuch) gehandelt werden sollte.
Einmal so betrachtet, wären es zwei Beispiele, wie möglicherweise aus Bedenken über politische Auswirkungen kurzfristiger Rückschläge (?) sehr vorsichtig agiert wurde.

Interessant auch, dass, wenn diese Betrachtung stimmt, sich das im weiteren Verlauf des Krieges geändert hätte.