Autor Thema: Antisemitismus im Dritten Reich  (Gelesen 12609 mal)

Stefan

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Antisemitismus im Dritten Reich
« am: 06.04.06 (19:39) »
Wurden eigentlich die Juden zu dieser Zeit auch NOCH als Wucherer "beschimpft"? Hat mal ein Freund behauptet, ich dachte aber das war nur im Mittelalter, aber da ja zu dieser Zeit viel über die Juden "geläsert" wurde, bin ich mir nicht so sicher.
Schonmal Danke für die Antworten

waldi44

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #1 am: 06.04.06 (20:57) »
Man sprach wohl eher vom Finanzjudentum, meinte aber neben dem politischen Einfluss, den einem das Geld verschafft bzw verschaffen kann, auch den "jüdischen Geldwucher"! Der Ursprung liegt aber tatsächlich im Mittelalter, wo viele "ehrliche" Berufe den Juden verwehrt blieben.

Stefan

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #2 am: 06.04.06 (21:00) »
Aber sie wurden zur zeit des Nationalsozialismus schon noch so genannt, oder?Denn sie hatten zur Zeit des Nationalsozialismus ja viele Schimpfwörter für die Juden.

oklaf

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #3 am: 06.04.06 (21:35) »
Die Schimpfwörter waren für die Juden im Dritten Reich sicher das geringste Problem... ::)

bani

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #4 am: 06.04.06 (21:56) »
Dieser "Makel" haftete den Juden doch schon immer an - und hat sich bis heute nicht geändert.
Warum sollte es im 3. Reich also anders gewesen sein?

Wie Waldi schon schreibt, geht das zurück auf die Zeit des Mittelalters, wo der Jude etliche Berufe nicht ausüben durfte und eigentlich nur die übrig blieben, die mit Geldgeschäften zu tun hatten.

Übrigens wurde im Mittelalter nicht über Juden gelästert - die wären froh gewesen, wenn man nur über sie gelästert hätte!
Zu der Zeit fanden in ganz Europa regelmäßig Pogrome statt.


Mastercloser

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #5 am: 06.04.06 (22:15) »
Wie Waldi schon schreibt, geht das zurück auf die Zeit des Mittelalters, wo der Jude etliche Berufe nicht ausüben durfte und eigentlich nur die übrig blieben, die mit Geldgeschäften zu tun hatten.

Richtig. Weiterhin ist es laut Bibel den Christen verboten, Zinsen zu verlangen. Somit ergab´sich ein weiterer Grund, daß zumindestens im Frühmittelalter nur Juden Geldgeschäfte vornahmen.

Spätestens mit den Templern (diese entwickelten ja bekanntlich den Wechsel) und dem Erstarken des Finanzplatzes Venedig (Scheck und doppelte Buchführung) hat  sich dies aber geändert.

Aufgrund ihres Monopols haben die Juden dann auch ordentlich zugelangt. Dazu kam auch ein Sicherheitszuschlag. Oft haben sich Herrscher große Summen bei den Juden geliehen. Wenn das Geld dann nicht zurückgezahlt werden konnte, wurde ein Progrom angezettelt.

Daher auch der Begriff "Wucherjude".                                                                                                 

waldi44

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #6 am: 07.04.06 (14:50) »
Tja, eigentlich ist die Frage als solche nicht vollständig beantwortet worden, auch von mir nicht  :(! Allerdings ist mir eigentlich der Begriff Wucher, im Zusammenhang mit Juden und 3.Reich nicht geläufig. Vielleicht liessen sich aus der frühen Zeit des 3. Reiches oder kurz davor, dem Wahlkampf, irgendwo irgendwelche Passagen in irgendwelchen Reden oder Vorträgen finden.....

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #7 am: 07.04.06 (17:13) »
Also der Hass auf das s.g. Finanzjudentum hat sich mit der Inflation 1923 ganz stark in Deutschland etabliert !
Wahrscheinlich über das Bankhaus Rothschild in Paris wurden andere jüd. Bankhäuser bzw. große jüd. Firmen (die mit dem Bankhaus Rothschild Geschäftskontakte hatten) Ende 1922 informiert, das Deutschland seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten (Reparationen) und Umschulden mußten zu Lasten der eigenen Währung. Es kam zu beträchtlichen jüdischen Zukäufen in Immobile Werte !
In Berlin war der Zukauf jüd. Kaufleute in Immobilienwerte zu 74 % in den Jahren 1922-1923. Dann erst folgt das Gründerjahr 1873 mit 12 %. Dies ergab eine Verkaufsaufstellung jüdischer Eigentümer im Rahmen der Restituierung nach 1990.
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wal

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #8 am: 09.04.06 (12:20) »
Mastercloser schrieb: ". Wenn das Geld dann nicht zurückgezahlt werden konnte, wurde ein Progrom angezettelt."

Ich moechte etwas von russische Geschichte hinzufuegen.

Wer hat die Judische Pogromen in Russland organisiert? Russische Regierung? Nein, keine Regierung wuerde dass erlauben.
 Eifache Leute? Nein, sie konnten sogar nicht Juden von anderen Minderheiten (zum Beispiel Deutschen) unterscheiden.
Das konnten nur Geheimdiensten machen. Welche?

Vladimir Purischkevitsch, Begruender von "Verband des Russisches Volkes", Fuhrer von russischen Antisemiten,
 hat im 1916 Grigory Rasputin geschossen (um Zar und Vaterland zu retten). Aber, in 2004 produzierten BBC einen Film
 ueber Rasputins Moerder. Autoren, Historiker Andrew Cook und Kriminalist Richard Cullen beweisen, dass Britische
 Geheimdiensten diesen Attentat organisiert haben, um deutsche Einfluss auf russischen Thron zu verhindern.

Jetzt andere Seite. Vladimir Jabotinsky (oder Zhabotinsky auf Deutsch?) der Judische Fuhrer, Begruender der
Selbstverteidigungseinheiten, fuhr in 1914 nach Aegypten als russische Korrespondent. Erschien er aber in London als Kommandant
 von 38 Schuetzenbatallion.(sehe: Israel, A History by Martin Gilbert ). In 1919 hat er einen arabischen Pogrom in Jerusalem
 organisiert und wurde fuer 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Nach ein paar Monaten wurde er frei. Britische Behoerden
 haben davon gebeten.

Und die Zeugen? Richard Meinertzhagen (Offizier von Britischen Geheimdiensten) hat in 1910 in Odessa einen Pogrom beobachtet.

Zitat von http://www.israpundit.com/archives/2004/06/_in_memoriam_co.php

"Meinertzhagen aspired to become a scientist but had to submit to his father’s pressure and joined the family business at
the age of 18. Six years later, he left the business to join the British army, became an intelligence officer, and rose to
 the rank of Colonel. In the course of his intelligence work, he experienced an encounter with anti-Semitism that left a
 lasting impression on him. In 1910, on his 32nd birthday, he was dining with the British Consul General in Odessa when a
 pogrom broke out. Meinertzhagen recorded in his diary:

“I have been shocked beyond belief. I have seldom been so angry... I witnessed a Pogrom in the streets of Odessa...
Russians, many with bludgeons or knives or axes, were rushing all over the place, breaking open barricaded doors and chasing
 the wretched Jews into the streets where they were hunted down, beaten and often killed... The climax arrived when a
Russian passed the Consulate dragging a Jewish girl of about 12 years old by her hair along the gutter; she was screaming
and the man was shouting. I have no doubt she would have been outraged and then murdered. I could not help it... I dashed
out, kicked the Russian violently in the stomach with my heavy Russian boots and landed him a good blow on the jaw; he went
 down like a log and I carried the child into the Consulate... I am deeply moved by these terrible deeds and have resolved
that whenever or wherever I can help the Jews, I shall do so to the best of my ability.” "

Eine Frage, warum wollte diesen Russe das judisches Maedchen gerade im Stadtzentrum daneben von Britischen Konsulat toeten?
Meinertzhagen schrieb nicht warum er in Russland in 1910 gewesen. Kann sein, seine Aufgabe war diesen Pogrom zu organisieren.


waldi44

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #9 am: 09.04.06 (15:15) »
Judenpogrome, auch in Russland, gab es schon lange vor 1910 und ihre Gründe waren sehr vielschichtig, warum nicht auch politischen motivierte?

wal

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #10 am: 09.04.06 (16:33) »
Ich habe nur die Beschrebung von einen Pogrom in Kischinev (jetzt in Moldova) in  April 1903 gefunden.
Wuerden Sie eklaeren, welche Motiven?

bani

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #11 am: 09.04.06 (16:47) »
Hm, interessant ist ja auch, daß sogar das Wort Pogrom aus dem russischen kommt - wußte ich auch noch nicht!

Hier mal ein "kleiner" Überblick über die behandlung des Juden in Rußland ....

http://www.antisemitismus.net/osteuropa/russland.htm


Recht interessant:

Zwischen 1917 und 1921 fanden rund 1.500 Pogrome in Weißrussland und der Ukraine statt, bei denen mehr 150.000 Juden umkamen.
« Letzte Änderung: 09.04.06 (16:51) von bani »

waldi44

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #12 am: 09.04.06 (16:55) »
Während der Judenpogrome in Deutschland 1349 machte sich Karl mindestens der Mitwisserschaft schuldig: Um seine Schulden zu tilgen, verpfändete Karl das königliche Judenregal, u.a. an Frankfurt am Main. Es wurde gar geregelt, was mit dem Besitz von Juden zu geschehen habe, falls "die Juden daselbst nächstens erschlagen" würden (Frankfurter Urkunden vom 23., 25., 27. und 28. Juni 1349, bezogen auf Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Frankfurt am Main). Obwohl er in seinem Herrschaftsbereich die Juden effektiv schützen konnte, wirft dieses Ereignis viele Fragen bezüglich Karls Charakter auf. Besonders, da Karl sonst immer bestrebt war, das Bild eines gerechten christlichen Herrschers zu vermitteln. Dabei verstieß nämlich die Duldung der Morde auch gegen das damalige Rechtsverständnis, da die Juden unter dem direkten Schutz des König standen und dafür auch Zahlungen leisteten. Es zeigte sich, dass Karl oft mehr nach Zweckmäßigkeiten handelte, wobei er sich mit seinem Verhalten die Loyalität vieler Städte sicherte, die in die Judenpogrome verwickelt waren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_IV._(HRR)

Bald kam der Gedanke auf, den Kampf gegen die Ungläubigen und Feinde Christi im eigenen Land zu beginnen. Furchtbare Metzeleien entstanden, hielten lange an, verwüsteten und rotteten jüdische Gemeinden ganz aus. Zehntausende von Juden, die es ablehnten, die Taufe zu empfangen, ließen durch Mord oder Selbstmord ihr Leben. Das größte Gemetzel fand in Mainz statt, wo 1100 Juden ihre Angehörige und sich töteten, um sich nicht taufen lassen zu müssen. Die Todesbereitschaft ist bei den Juden meist viel ausgeprägter als in der Christenheit, da man mit dem Tod den göttlichen Namen zu heiligen dachte. Während der großen Judenverfolgungen - in der Pestzeit - bewunderten christliche Geschichtsschreiber den jüdischen Todesmut.
http://www.kreuzzug.de/judenpogrome/judenpogrome.php

Der historische Hintergrund dieser Ideologie war die Verschärfung des Antisemitismus im krisengeschüttelten zaristischen Russland im 19. Jahrhundert. Die dortigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche – der Feudalismus wurde durch den aufkommenden Kapitalismus abgelöst – führten zu Verarmung und Entwurzelung vieler Bauern und Bäuerinnen. Die herrschende Klasse – allen voran der orthodoxe Klerus und der Geheimdienst – peitschte den Antisemitismus hoch und organisierte Judenpogrome, um den Hass und die Verzweiflung unter den Volksmassen auf für sie ungefährliche Ziele umzulenken. Die Folge war eine Auswanderungswelle von ca. 2.5 Millionen russischer Juden alleine zwischen 1884 und 1913.
http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net/rn108zionismus.html


Im Jahre 1910 erschien im Jüdischen Verlag in Köln und Leipzig eine über 500 Seiten starke Dokumentation mit dem Titel "Die Judenpogrome in Rußland", in der die seit 1881 im zaristischen Rußland (also auch in der Ukraine, Weißrußland und in Polen) geschehenen Verfolgungen, Mord-, Plünderungs- und Vertreibungsaktionen sowie die vielfältige Beschränkung und Benachteiligung der dort ansässigen jüdischen Bürger festgehalten wird.

In zahllosen Städten, von Warschau, Lodz, Minsk, Kiew, Tschernigow, Odessa, Kischinew, Schitomir bis Jekaterinoslaw, und unzähligen Dörfern fanden in den drei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg immer wieder brutale Ausschreitungen statt, bei denen aus nichtigen oder provozierten Anlässen jüdische Menschen geschlagen, getötet, beraubt und vertrieben wurden, häufig unter den Augen und mit Hilfe der Polizei, der Amtsinhaber, der Kosaken und der Soldaten. Diese Aktionen des Pöbels, des Stadtproletariats und der Bauern wurden von politischer Seite zum Teil angeordnet, unterstützt und anschließend gerechtfertigt. Die jüdische Selbstwehr erwies sich als zu schwach und wurde obendrein von den "Staatsorganen" behindert und vielfach ausgeschaltet.
http://www.webarchiv-server.de/pin/archiv02/3202ob07.htm



wal

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #13 am: 09.04.06 (17:32) »
Ich vermute, dass die Organisationen die fuer alles bezahlt haben,
heute auch genug Geld haben um uns zu desinformieren.
Warum naemlich Juden und nicht Deutschen oder eine andere von hundert Nationen
lebenden in Russland? Die oft genannte "Antisemistische Politik der Russischen
Regierung" ist einfach bloedsinn. Sie waren keine Idioten.
Aenliches ist auch in Poland, Rumenien und in Deutschland
passiert. Deswegen, die Motiven muessen gleich fuer die alle Laender sein.

bani

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Re: Antisemitismus im Dritten Reich
« Antwort #14 am: 09.04.06 (18:02) »
Juden wurden ÜBERALL verfolgt - warum soll das in Rußland dann nicht stimmen?