Autor Thema: Schlacht bei Matapan  (Gelesen 3579 mal)

Offline waldi44

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Schlacht bei Matapan
« am: 09.06.06 (18:31) »
Nach der Niederlage Frankreichs und der "Neutralisierung" seiner Flotte, sowie dem Kriegseintritt Italiens auf Seiten Deutschlands brachte die britische Marine im Mittelmeerraum in arge Bedrängniss und war geradezu existenzgefärdent.
Die Italiener verfügten immerhin über 4 modernisierte Schlachschiffe, die Conte di Cavour, Guilio Cesare, Caio Duilio und Andrea Doria, sowie zwei neue moderne Schlachtschiffe, die Littorio und die Vittorio Veneto, sowie ab Juli 1942 die Roma.
Diesen 6 bzw 7 Schlachtschiffen standen zwar ebenfalls 6 britische gegenüber, aber die hatten den Nachteil, ausser der Hood, geschwindigkeitsmässig nicht mit den Italienern mithalten zu können und ausserden zu je 3 in der Ost- und Westhälfte des Mittelmeeres stationiert zu sein.
Zur Force H (Gibraltar) gehörten die Hood, die Valiant und die Resolution, zu den in Alexandria stationierten Schiffen, die Warspite, die Malaya, und die Royal Sovereign. Als Besonderheit: Zur Force H gehörte noch der Flugzeugträger Ark Royal. Die italiensichen Flugzeuge hingegen waren ausnahmslos landgestützt.
Dafür aber war eben die ganze italienische Flotte mit all ihren Schiffseinheiten und Schiffstypen im  Mittelmeer vertreten und zwar genau in der Mitte. Die Italiener waren (wären) somit in der Lage gewesen in allen Teilen des Mittelmeeres in kürzester Zeit das Übergewicht zu schaffen und die Briten allein durch ihre zahlenmässige Überlegenheit, zusammenzuschiessen.
Solche und ähnliche Befürchtungen hegte man in England und solche und ähnliche Hoffnungen hatte man in Berlin. Die Italiener aber dachten, wenn überhaupt, nur bei absoluter Überlegenheit und unter Vermeidung möglichst ALLER Verluste, die Möglichkeit eines Seegefechts mit den Briten in Erwägung zu ziehen.
Konnte man bei ihren Niederlagen an der Ostfront noch allerlei Entschuldigungen ins Feld führen, von der schlechten Bewaffnung, dem ungewohnten Klima, der mangelnden Moral....., so konnte man dies im Falle der Marine schwerlich.
War das Mittelmeer doch Italiens "Hausmeer" (heute würde man wohl sagen Hinterhof oder Vorhof).
Wirklich aktiv im Kampf gegen die britische Flotte und gegen Malta war nur die Luftwaffe, aber auch nur sehr uneffizient, da man den Bombenabwurf aus grosser Höhe bevorzugte - und das auf fahrende Kriegsschiffe.
Erst die Deutschen zeigten es ihnen später, wie man es richtig machte und versenkten neben britischen Schiffen auch die fliehende Roma  ::)....
Schon beim ersten grösseren Seegefecht, am 9. Juli. 1940, zeigten die Italiener, wie sie den Seekrieg zu führen gedachten. Sie, die Italiener, sicherten einen Konvoi nach Nordafrika, die Briten einen nach Malta, als sich beide Konvois auf Höhe der kalabrischen Küste bei Punto Stile trafen.  Auf 24.000 m eröffnete die Warspite das Feuer auf das italienische Flaggschiff Cesare und traf es schon mit der ersten Salve mittschiffs, wodurch ettliche Brände ausbrachen.
Sofort wurde ein Rauchschleier gelegt und die ganze Flotte/Konvoi drehte mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Heimat ab.
Stattdessen erschienen italienische Bomber am Himmel und griffen die sich daraufhin nach Süden absetzenden Briten an. Admiral Cunningham forderte daraufhin wenigstens ein weiteres Schlachtschiff mit der Geschützreichweite der Warspite an und einen Flugzeugträger, der sowohl verteidigen, wie auch angreifen konnte.
Dass die italinischen Schlachtschiffe aber auch in ihren Häfen nicht sicher waren, bewiesen die Flugzeuge der später ins Mittelmeer verlegten Illustious, die am 11. Nov. 1940 den Marinestützpunkt Taranto angriffen und das Schlachtschiff Cavour versenkten und die Schlachtschiffe Littorio und Duilio schwer beschädigten.
Im März 1940 wurde ein grösserer britischer Truppentransport nach Griechenland gemeldet. Gleichzeitig erhielt man die Mitteilung, die Deutschen (X. Fliegerkorps) hätten in Alexandria zwei der dortigen drei Schlachschiffe zumindest schwer beschädigt, was aber nicht stimmte.
Aufgrund dieser, vor allem der letzten Meldung und starkem deutschen Druck, doch entlich mal was zu unternehmen, entschlossen sich die Italiener diesen Konvoi, der eine relativ leichte und sichere Beute versprach, abzufangen. Zu diesem Zweck wurde ein Kampfverband bestehend aus dem Schlachtschiff Vittorio Veneto, acht Kreuzern und 17 Zerstörern zusammengestellt und auf Abfangkus geschickt.
Am 28. März wurde der Konvoi gesichtet und es begann erst ein Kreuzergefecht. Keine Seite vermutete auf der jeweils anderen Schlachtschiffe. Als erstes erschien dann die Vittorio Veneto und eröffnete das Feuer auf die Kreuzergruppe unter dem Befehl Admiral Pridham-Wippels, der der Übermacht weichend Rauch legte und den Kurs änderte. Aber kurz darauf wurde sie von Torpedobombern der Formidable angegriffen, die aber keinen Schaden anrichteten.
Dennoch verliessen die Italiener fluchtartig das Kampffeld.
Diesmal aber wollte sich Cunningham seine Beute nicht wieder entgehen lassen und er hatte die Mittel dazu das zu verhinder: Die Torpedobomber der Formidable!
Drei Angriffe auf das Schlachschiff führten zu beträchtlichen Schäden und einem Geschwindigkeitsverlust, der aber wieder teilweise behoben werden konnte, so dass die Vittorio Veneto in die Nacht entkommen konnt.
Schwer getroffen und gestoppt wurde stattdessen der Kreuzer Pola. Admiral Iachino liess zwei weitere Kreuzer, die Zara und Fiume, sowie vier Zerstörer zurück bzw., schickte sie zurück zur Pola. Dort wurde die ganze Schiffsgruppe, die man irrtümlich erst für eine britische hielt, dann gegen 22 Uhr vom britischen Radar (Kreuzer Ajax) geortet. Die Italiener hatten kein Radar und auch keine Ausbildung für ein Nachtgefecht.
In der Annahme die Vittorio Veneto vor sich zu haben, änderte Cunningham seinen Kurs und gab den Angriffsbefehl.
Aus nur 2700 m (!!) "Entfernung" wurden die italienischen Schiffe Zara, Fiume und  Alfieri (Zertörer) von den Scheinwerfern der Warspite und der Valiant angestrahlt. 15 Minuten später sank die zerschossene Fiume. Zara wurde von allen drei Schlachschiffen schrottreif geschossen, blieb aber schwimmend als Beute der englischen Zerstörer zurück, ebenso wie Alfieri, das von Barham durchlöchert worden war und der ital. Zerstörer Carducci.
Die sinkende und schon teilweise verlassene Pola wurde nach Übernahme der restlichen Besatzung durch britische Zerstörer, mit zwei Torpedos versenkt.
Die Briten hatten einen grossen taktischen Sieg errungen. Bei nur einem leicht beschädigten Kreuzer und einem Flugzeugverlust samt Piloten, vernichteten sie 3 Kreuzer und 2 Zerstörer, beschädigten einen weiteren zerstörer und das Schlachtschiff Vittorio Veneto
Angemerkt sei noch, dass die den Italiener zugesagte Unterstützung durch die X. Luftflotte nicht eintraf, auch als sie möglich (am Tag) war. Erst später wurden die britischen Kriegsschiffe von den deutschen Fliegern folgenlos angegriffen.
Dieses maritime Ereignis ging unter der Bezeichnung :"Schlacht bei Matapan" in die Seekrigsgeschichte ein.
Wer Matapan sucht- Pelepones ;).

Offline Ronny22

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Re: Schlacht bei Matapan
« Antwort #1 am: 10.06.06 (17:44) »
mal zur grafischen Untermalung von Waldis tollem Beitrag:



Schlachtschiff Vittorio Veneto


Kreuzer Zara
 

Kreuzer Pola


Kreuzer Zara unter Beschuss


Kreuzer Fiume unter Beschuss


von links Kreuer Gorizia, Fiume und Zara unter Beschuss


Die Bilder hängen offenbar nicht mit der Schlacht die Waldi beschrieb zusammen, zeigen aber die beteiligten italienischen Schiffe.  ;)
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Field Marshal Sam Maneksha

Offline waldi44

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Re: Schlacht bei Matapan
« Antwort #2 am: 11.06.06 (13:06) »
Interessant allemal die Bilder!

Dei Frage die sich zB. bei dem Verhalten der Italiener zur See stellt, ist die nach dem warum?
Ich denke, dass es da irgendwelche Absprachen zwischen der Marineleitung und eventuell dem Königshaus oder wem auch immer gab. Man wollte seine schönen neuen, kostbaren Schiffe, nicht den Plänen eines Duce opfern und/oder plante schon frühzeitig, sie als "Morgengabe" den Alliierten zu übergeben.

Offline Ronny22

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Re: Schlacht bei Matapan
« Antwort #3 am: 11.06.06 (14:22) »
Ich denke aber auch das bei der ital. Marine eine gewisse Portion Überlegenheitsgefühl und Arroganz eine Rolle spielten.

Die Italiener sahen ihre eigene Flotte als DIE Flotte des Mittelmeeres, die den Alliierten das Fürchten lehren würde.
In geballter Form hätte das auch sicher so geklappt...
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